
Ă–l-Poker mit Neu-Delhi: Trump setzt Indien die Zoll-Pistole auf die Brust

Washington zieht die Daumenschrauben an – und diesmal steht Indien im Fadenkreuz. Seit US-Präsident Donald Trump Mitte September ein Sanktionsgesetz unterzeichnet hat, drohen den größten Abnehmern russischer Energie Strafzölle von bis zu 100 Prozent. Medienberichten zufolge suchen indische Raffinerien schon nach Ersatz für Moskaus Öl. Und Paris hilft dabei offenbar kräftig mit.
Ein Gesetz wie ein Damoklesschwert
Das Gesetz trat am 18. September in Kraft. Es erlaubt dem Präsidenten, Staaten mit Zöllen zu bestrafen, die Russland Öl abkaufen. Laut einem Bloomberg-Bericht zieht Indien deshalb in Betracht, weniger russisches Rohöl einzuführen. Dabei stammten zuletzt rund 45 Prozent der indischen Ölimporte aus Russland, in manchen Monaten sogar mehr als die Hälfte.
Laut Schätzungen des Analysehauses Kpler kommen im September noch etwa 1,9 Millionen Barrel pro Tag in Indien an. Das ist der niedrigste Stand seit April. Ein Ersatz ist aber schwer zu finden: Öl aus dem Nahen Osten ist teurer. Berichten zufolge kostete russisches Urals-Öl frei Indien zuletzt rund 133 Dollar pro Barrel, Sorten aus Oman oder Abu Dhabi lagen noch darüber.
Eigentlich hatte Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar Anfang September angedeutet, dass sich sein Land keinem neuen Druck aus Washington beugen werde. Neu-Delhi betont seit Jahren, dass es seine Energiepartner allein nach dem nationalen Interesse auswähle. Wie lange diese Haltung hält, ist aber offen. Schon im August 2025 hatte Trump die Zölle auf indische Waren wegen der Ölkäufe auf 50 Prozent verdoppelt.
Schonung für Peking, Härte gegen Neu-Delhi?
Beobachter sehen eine gefährliche Schieflage. Die USA und China verhandeln vor dem geplanten Besuch von Xi Jinping darüber, ihre Waffenruhe im Handelskrieg zu verlängern. Laut der Financial Times geht der Streit vor allem darum, wie lange diese Verlängerung gelten soll. Kommt eine Einigung zustande, dürfte Peking wegen seiner russischen Ölkäufe kaum mit Strafzöllen rechnen müssen.
Übrig bliebe Indien. Kritiker sehen darin ein zweierlei Maß: Man drücke dort, wo es leicht sei – und schone den Rivalen, bei dem es wehtun würde. Dabei nützt Indiens Balance zwischen Moskau und Washington eigentlich auch Amerika, weil sie das Land als Gegengewicht zu China stärkt.
Frankreich mischt kräftig mit
Auffällig ist die Rolle von Paris. Am Rande der UN-Generalversammlung schlug der französische Außenminister Jean-Noël Barrot seinem indischen Kollegen vor, gemeinsam die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus und im Bab el-Mandeb zu sichern. Fast zur selben Zeit verkündete Emmanuel Macron nach einem Treffen mit Trump, beide Länder wollten beim Thema Hormus gemeinsam handeln.
Der Hintergrund: Nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran Ende Februar hatte Teheran die Meerenge zeitweise faktisch dichtgemacht. Die Waffenruhe vom April und eine Absichtserklärung vom Juni hielten nicht. Die Energiemärkte stehen seitdem unter Dauerstress.
Was ein Einlenken Indiens bedeuten wĂĽrde
- Zollandrohungen hätten sich als geopolitische Waffe bewährt.
- Moskau könnte folgern, dass Indien kein verlässliches Gegengewicht zu China ist, und sich noch enger an Peking binden.
- Indiens mĂĽhsam erarbeiteter Ruf als neutrale Stimme des globalen SĂĽdens wĂĽrde leiden.
- Frankreich, inzwischen Indiens zweitgrößter Waffenlieferant, würde Russland weitere Marktanteile abnehmen. Analysten halten zudem neue US-Sanktionen nach dem CAATSA-Gesetz für denkbar.
Und was heiĂźt das fĂĽr uns?
Für Deutschland ist das keine ferne Episode aus Südasien. Hierzulande sind die Energiepreise ohnehin schon hoch. Jeder neue Engpass beim Ölangebot trifft deshalb Pendler, Mittelstand und Industrie direkt. Berlin schaut derweil weitgehend zu, während Paris und Washington die Weltpolitik gestalten.
Die Lehre aus diesem Machtpoker? Handel, Zölle und Rohstoffe werden immer offener als Druckmittel eingesetzt. In so einer Welt gewinnen Werte an Bedeutung, die von keiner Regierung abhängen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ein Stück Unabhängigkeit bieten, gerade wenn die Großmächte ihre Muskeln spielen lassen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂźlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte eigene Recherchen anstellen und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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