
Öl-Schock aus Riad: Saudis drehen Europa im Oktober den Hahn zu!

Europa bekommt im Oktober womöglich keinen einzigen Tropfen Vertragsöl aus Saudi-Arabien. Saudi Aramco hat Medienberichten zufolge mindestens zwei europäischen Raffinerien eine Nullzuteilung für den kommenden Monat mitgeteilt. Laut Bloomberg sollen sogar alle europäischen Vertragskunden betroffen sein. Für Autofahrer, Spediteure und Airlines droht damit die nächste Preisrunde an der Zapfsäule.
Offiziell bestätigt hat der saudische Staatskonzern den vollständigen Lieferstopp bislang nicht. Die Lage spricht allerdings eine deutliche Sprache.
Drohnen treffen die Lebensader am Roten Meer
Auslöser war ein schwerer Drohnenangriff am 11. September auf die East-West-Pipeline. Riad macht Angreifer verantwortlich, deren Drohnen aus dem Irak gestartet sein sollen. Laut Reuters wurden drei Pumpstationen beschädigt, die Verladung im Hafen Yanbu kam ins Stocken.
Die rund 1.200 Kilometer lange Leitung verbindet die Ölfelder am Persischen Golf mit dem Roten Meer. Zuletzt flossen hier täglich zwischen 2,6 und vier Millionen Barrel. Ausgerechnet die Route, die das Königreich unabhängig von der Straße von Hormus machen sollte, liegt damit lahm. Die Meerenge selbst ist wegen des Iran-Kriegs bereits seit März massiv gestört. Zugleich rücken die Huthi-Milizen im Jemen Berichten zufolge an der Meerenge Bab al-Mandab vor. Die Zange schließt sich.
Laut Bloomberg will Aramco die Leitung binnen Tagen teilweise wieder anfahren. Volle Kapazität sei jedoch erst in etwa sechs Wochen zu erwarten.
Orlen kauft hektisch nach – zu welchem Preis?
Wie verwundbar Europa ist, zeigt das Beispiel des polnischen Energieriesen Orlen. Rund 40 Prozent seines Rohöls bezog der Konzern zuletzt von Aramco. Nun musste er kurzfristig 16 zusätzliche Tankerladungen sichern, Händlern zufolge unter anderem Nordsee-Sorten.
Das Problem dahinter ist simpel: Langfristige Lieferverträge sollen Planbarkeit schaffen. Brechen sie weg, bleibt nur der Spotmarkt. Und dort balgen sich Käufer aus aller Welt um dieselben Barrel. Das Risiko wandert direkt zu den Raffinerien und am Ende zum Verbraucher. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur importierten die europäischen OECD-Staaten im Juni durchschnittlich 577.000 Barrel saudisches Rohöl pro Tag. Diese Menge lässt sich nicht einfach über Nacht ersetzen.
Umwege, die richtig Geld kosten
Aramco weicht inzwischen wieder verstärkt auf die Straße von Hormus aus und lässt Öl aufwendig vor Oman umladen. Reuters beziffert die Transportkosten auf manchen Umleitungsrouten auf mehr als 30 Dollar je Barrel. Hinzu kommt laut Bloomberg ein weltweiter Mangel an Großtankern, der Langstreckentransporte massiv verteuert. Manche Lieferungen rechnen sich kaum noch.
Sinkender Ölpreis? Eine trügerische Atempause
Auf den ersten Blick wirkt der Markt entspannter. Saudi-Arabiens Exporte kletterten im September wieder auf über vier Millionen Barrel täglich, nach nur rund 2,4 Millionen im August. Brent fiel am 21. September zeitweise Richtung 102 Dollar, nachdem die Sorte Mitte des Monats noch bei rund 108 Dollar notiert hatte.
Doch Europas Kernproblem bleibt. Reuters erwartet für das vierte Quartal ein Defizit bei Flugturbinenkraftstoff von etwa 510.000 Barrel täglich. Die Lager im Raum Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sind so leer wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Für deutsche Verbraucher ist das doppelt bitter. Jeder Preisanstieg beim Rohöl wird hierzulande durch Energiesteuer, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer zusätzlich aufgeblasen. Berlin kassiert also mit, während Pendler und Mittelstand die Zeche zahlen. Eine Entlastung durch die Bundesregierung ist bislang nicht in Sicht. Wer sich jahrelang auf politische Versprechen zur „Energiesicherheit“ verlassen hat, erlebt nun, wie schnell eine einzige Drohne tausende Kilometer entfernt die Rechnung verändert.
Was bleibt, wenn die Lieferketten reißen?
Die Krise zeigt einmal mehr, wie brüchig die Versorgung eines rohstoffarmen Kontinents ist. Geopolitische Schocks, steigende Energiepreise und hartnäckige Inflation zehren an Ersparnissen. Physisches Gold und Silber haben sich in solchen Phasen über Jahrhunderte als krisenfeste Wertspeicher bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie eine sinnvolle Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.

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