
Playmobil schlägt KI-Riesen: Stromnetz stoppt Anthropics Milliardenplan!

Im mittelfränkischen Hirschneuses, einem Ortsteil von Neuhof an der Zenn, liegt eine der größten geplanten Digitalinvestitionen Deutschlands auf Eis. Das US-KI-Unternehmen Anthropic will dort Medienberichten zufolge für rund vier Milliarden Euro ein Rechenzentrum bauen. Es fehlt aber die Zusage für einen Stromanschluss. Den Zuschlag für die knappe Netzkapazität hat ausgerechnet der Nachbar bekommen: Playmobil.
Ein Weltkonzern wartet, ein Spielzeughersteller baut
Anthropic gehört mit seinem KI-System Claude zu den bekanntesten Namen der Branche. Ein KI-Rechenzentrum braucht rund um die Uhr gewaltige Strommengen für Server und Kühlung. Ohne sicheren Netzanschluss lässt sich so ein Projekt nicht weiterplanen.
Claudia Wust, Bürgermeisterin von Neuhof an der Zenn, hat den Stillstand bestätigt. Nach ihren Angaben habe der regionale Netzbetreiber N-ERGIE die verfügbaren Kapazitäten zuerst dem Vorhaben der Playmobil-Gruppe reserviert. Wust fordere deshalb, die Leistung auf beide Projekte aufzuteilen. Endgültig abgesagt ist das Anthropic-Projekt noch nicht.
Vom Spielzeugwerk zum Datencampus
Im benachbarten Dietenhofen plant die Horst Brandstätter Group schon konkret. Das frühere Playmobil-Werk soll zu einem Rechenzentrum-Campus werden, zunächst mit 100 Megawatt Anschlussleistung und Spielraum für mehr. Diese Kapazität habe N-ERGIE laut Unternehmensangaben bereits zugesichert. Unter dem Namen „Playmobil digital“ sollen Firmen und internationale Betreiber dort Rechenleistung mieten können.
Das rund 18 Hektar große Gelände hat einen klaren Vorteil. Eine 110-Kilovolt-Anbindung mit zwei getrennten Zuleitungen ist schon vorhanden, dazu schnelle Datenleitungen. Die Gruppe will einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Den Vorwurf, Konkurrenten bewusst auszubremsen, weise sie zurück. Ihr Campus stehe auch internationalen Kunden offen, und die Planungen liefen schon seit 2025.
Der bittere Hintergrund
Ende Juni endete in Dietenhofen die deutsche Spielzeugproduktion von Playmobil. Etwa 350 Beschäftigte verloren ihre Arbeit, die Fertigung ging aus Kostengründen nach Malta und Tschechien. Wie viele Jobs der neue Rechenzentrum-Campus bringt, hat das Unternehmen bisher nicht gesagt. Rechenzentren brauchen viel Strom, aber vergleichsweise wenig Personal. Auch Anthropic hat bisher keine Zahlen zu Arbeitsplätzen genannt, und ein großer Teil des Geldes dürfte ohnehin in importierte Chips und Server fließen.
Strom gibt es genug, aber die Leitungen fehlen
Wie groß das Problem ist, zeigen Angaben von N-ERGIE. Die vorliegenden Anfragen für Rechenzentren würden zusammen etwa doppelt so viel Leistung benötigen, wie die ganze Stadt Nürnberg normalerweise verbraucht. Gleichzeitig muss der Netzbetreiber die Versorgung seiner bestehenden Kunden sichern.
Dabei geht es nicht um die Menge an erzeugtem Strom, sondern um die Netze vor Ort: Leitungen, Umspannwerke und die übergeordneten Netzebenen. Ein Rechenzentrum mit 100 Megawatt, das ständig unter Volllast läuft, käme rechnerisch auf 876 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Bei 3.500 Kilowattstunden pro Haushalt entspricht das dem Verbrauch von rund 250.000 Haushalten. Neue Leitungen und Umspannwerke brauchen jahrelange Planung und Genehmigung, große Transformatoren haben lange Lieferzeiten. Schnell lässt sich die Lücke also nicht schließen.
Ein Warnsignal für den Standort Deutschland
Berlin redet viel über die KI-Zukunft, über digitale Souveränität und über neue Investoren. Doch in Mittelfranken zeigt sich, woran es konkret hakt: Grundstück, Kapital und Know-how sind da, aber ohne verbindliche Anschlussleistung bleibt auch ein Vier-Milliarden-Projekt nur ein Plan.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das die Folge einer Energiepolitik, die jahrelang Ziele festgelegt hat, ohne gleichzeitig die nötigen Netze zu bauen. Deutschland hat 500 Milliarden Euro Sondervermögen beschlossen und die Klimaneutralität ins Grundgesetz geschrieben. Bei den Umspannwerken passiert trotzdem wenig. Wer Investoren anlocken will, muss vor allem schnelle Genehmigungen und verlässliche Netzanschlüsse bieten. Andere Länder machen das bereits. Ob Anthropic in Franken bleibt oder in eines dieser Länder geht, hängt jetzt davon ab, wie die Netzkapazität verteilt und wie schnell sie ausgebaut wird.
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