
Pöbel-TV auf Gebührenkosten: Wie das ZDF Senioren als Urin-Witz verhöhnt

Es ist ein Lehrstück darüber, was aus dem einst seriösen öffentlich-rechtlichen Rundfunk geworden ist: Bei den Mainzer Gebührenfinanzierten hält man es offenbar für Spitzenhumor, das eigene Stammpublikum als inkontinente Greise zu verspotten. Der jüngste Ausfall der „heute-show" hat nicht nur Schlagerstar Howard Carpendale auf die Palme gebracht, sondern liefert ein weiteres Beispiel für den respektlosen Umgang, mit dem in deutschen Sendeanstalten inzwischen ganze Bevölkerungsgruppen abgekanzelt werden.
Der Witz, der keiner war
Moderator Oliver Welke entblödete sich nicht, in seiner Sendung folgenden Satz vom Stapel zu lassen: „Hundert Beine, stinkt alles nach Urin. Was ist das? Die erste Reihe bei Carpendale." Aufhänger sei eigentlich ein Beitrag über Künstliche Intelligenz und Pflegeroboter gewesen – doch von einer durchdachten Pointe konnte keine Rede sein. Vielmehr handelte es sich um die Art von billigem Hohn, den man eher in einer schlecht besuchten Kleinkunstbühne erwarten würde, finanziert hingegen wird er aus dem Zwangsbeitrag der Bürger, deren Generation hier verspottet wird.
Carpendale weist den Moderator scharf zurecht
Der 80-jährige Sänger, der gerade auf Deutschland-Tournee geht, ließ den Affront nicht auf sich sitzen. Auf Instagram wandte er sich direkt an Welke: „Sag mal, spinnst du? Warst du bei einem Konzert von mir? Hast du überhaupt eine Ahnung, wovon du redest?" Bei seinen Auftritten säßen, so der gebürtige Südafrikaner, „feine Leute". Carpendale lud den ZDF-Mann sogar ein, ihn zu besuchen – um ihm beizubringen, was Empathie eigentlich bedeute. Eine Entschuldigung verlangte er ausdrücklich, andernfalls gebe es zwischen beiden „nichts zu besprechen".
Statt Demut – Trotz
Doch Welke denkt offenbar nicht daran, kleinbeizugeben. Gegenüber der Bild erklärte er lapidar, das Thema sei KI gewesen, der Pflegeroboter habe einen schlechten Witz erzählt – und er habe noch einen schlechteren draufsetzen wollen. Das sei „ja auch geklappt". Eine bemerkenswerte Selbstauskunft. Immerhin: Er habe noch nie ein Carpendale-Konzert besucht, wette aber, dass dort „wohlriechende Menschen jeden Alters" säßen. Die Geste der Versöhnung sieht anders aus.
Symptom eines tief sitzenden Problems
Der Vorgang ist mehr als eine Petitesse aus dem Comedy-Geschäft. Er beleuchtet schlaglichtartig, wie sich Teile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenüber jenen Bürgern positionieren, die ihn finanzieren. Ältere Menschen, die jahrzehntelang das Rückgrat dieser Republik gebildet haben, werden in einer Sendung der Lächerlichkeit preisgegeben – und das von einem Moderator, dessen Gehalt Monat für Monat aus genau jenen Geldbörsen fließt, die er offenbar so wenig zu schätzen weiß. Wer sich fragt, weshalb das Vertrauen in ARD und ZDF auf historischen Tiefständen verharrt, findet hier ein Stück der Antwort.
Der Erfolg spricht für sich
Während sich Welke über Carpendales Publikum lustig macht, hat der Schlagerstar kurz nach seinem 80. Geburtstag im Januar zum ersten Mal in seiner sechs Jahrzehnte währenden Karriere die Spitze der offiziellen deutschen Album-Charts erklommen. Sein Werk „Zeitlos" ist bereits seine zehnte Platte, die in den Top Fünf landet. Eine Bilanz, die der Comedy-Sparte des ZDF mit ihrer auf Verachtung ausgerichteten Witzschmiede schmerzhaft vor Augen führen sollte, wer hier eigentlich beim Publikum punktet – und wer auf Gebühreneinnahmen angewiesen bleibt, weil er sich am freien Markt nicht behaupten könnte.
Eine Frage des Anstands
Bleibt die Frage, ob die Verantwortlichen in Mainz tatsächlich glauben, mit Häme gegen Senioren das schwindende Ansehen ihres Senders zu polieren. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich zu entschuldigen, einen Strich darunter zu ziehen und weiterzumachen. Stattdessen wählt man den Weg der Selbstgerechtigkeit. Howard Carpendale hat angekündigt, die Sache nicht ruhen zu lassen, bis ein „Es tut mir echt leid" zu hören ist. Man darf gespannt sein, ob in den Mainzer Studios irgendwann doch noch jemand begreift, dass Geringschätzung gegenüber dem eigenen Publikum am Ende immer auf den Absender zurückfällt.
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