
Porsche auf Staatskosten? E-Prämie gerät zum Steuer-Debakel

Sie sollte Familien mit schmalem Budget den Einstieg in die Elektromobilität ebnen. Doch Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit Stand 1. August 2026 zeigen laut Medienberichten ein anderes Bild: Auch Luxus-SUV, Oberklasse-Limousinen und Sportwagen wurden mit Steuergeld bezuschusst. Autoexperten fordern nun das Aus für das Programm.
36 Porsche, eine elektrische G-Klasse – und der Bund zahlt mit
In der Bafa-Bewilligungsliste finden sich Berichten zufolge mehr als 50 Fahrzeuge der Spitzenklasse, teils mit Listenpreisen jenseits von 100.000 Euro. Darunter: 36 Porsche, die Mercedes-Modelle G 580 und EQS 450+ sowie die BMW-Spitzenmodelle XM 50e und i7.
Die elektrische G-Klasse steht laut Herstellerangaben bei rund 129.301 Euro. Auch vier BMW aus der Liste starten oberhalb der 100.000-Euro-Marke. Klingt das nach einem Sozialprogramm für kleine Einkommen?
Die Lücke, die jeder kennt – nur die Regierung nicht?
Das Konstruktionsproblem liegt offen zutage. Anders als bei früheren Kaufprämien gibt es diesmal keine Obergrenze für den Listenpreis. Antragsberechtigt sind Privatpersonen mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen von maximal 80.000 Euro, pro Kind unter 18 Jahren steigt die Grenze um 5.000 Euro auf bis zu 90.000 Euro. Bis zu 6.000 Euro Zuschuss sind drin, gefördert werden Neuzulassungen ab dem 1. Januar 2026.
Der Haken: Käufer beziehungsweise Leasingnehmer und Halter müssen laut Förderrichtlinie nicht personenidentisch sein. In Online-Foren tauschen sich Nutzer dem Bericht zufolge bereits darüber aus, Fahrzeuge über Eltern oder Angehörige mit geringerem Einkommen laufen zu lassen. Eine Einladung zur Umgehung, die in Berlin offenbar niemand kommen sah.
„Zum Fenster rausgeworfen“: Experten gehen auf Distanz
Autoexperte Frank Schwope, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule des Mittelstands in Berlin, wird deutlich:
„Die Elektroauto-Prämie ist Verschwendung von Steuergeldern und sorgt für massive Marktverzerrungen.“
Noch schärfer urteilt Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des Center for Automotive Research in Bochum. Die Prämie sei „von Anfang an falsch ausgelegt und noch dazu überflüssig“ gewesen. Wolle man Menschen mit wenig Einkommen helfen, solle man ihnen direkt Geld geben – und nicht den Autokauf subventionieren.
Seine Rechnung: Laut Kraftfahrt-Bundesamt entfielen bereits im Dezember 2025 rund 30 Prozent der Neuzulassungen auf batterieelektrische Autos oder Plug-in-Hybride. Warum also fördern, was ohnehin läuft? Dudenhöffer vergleicht es mit einer Subvention für Klimaanlagen mitten in der Hitzewelle. Es sei deprimierend, so der Experte, wie hart verdientes Steuergeld „von der Krankenschwester oder vom Taxifahrer zum Fenster rausgeworfen“ werde.
Randphänomen oder Symptom?
Widerspruch kommt von Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft. Bei 26.875 bewilligten Anträgen seien die Luxusfälle „eher ein Randphänomen“; 71 Prozent der Bewilligungen entfielen auf Einkommen bis 60.000 Euro. Einen systematischen Missbrauch sehe er nicht, wohl aber eine vermeidbare Unschärfe im Programm. Er plädiert für Evaluierung statt Abschaffung.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein bekanntes Muster: Der Staat verteilt Geld nach politischer Wunschvorstellung – und die Realität sucht sich die Schlupflöcher. Wer Bürger entlasten will, könnte Steuern und Energiepreise senken. Das wirkt weniger spektakulär, aber es funktioniert ohne Antragsportal.
Für viele Sparer ist das ein weiterer Grund, ihr Vermögen breit aufzustellen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Generationen als bewährte Ergänzung, wenn staatliche Ausgabenpolitik Vertrauen kostet.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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