
Restwert-Beben bei VW: Jetzt reißen sogar Diesel und Benziner Löcher

Bei Volkswagen wird ein zweites Problem sichtbar, und diesmal geht es nicht um Elektroautos. Die Finanzsparte Volkswagen Financial Services (VWFS) mit Sitz in Braunschweig rechnet Medienberichten zufolge für 2026 mit Sonderabschreibungen von mehr als einer Milliarde Euro auf Leasingfahrzeuge. Das wäre der höchste Wert seit mindestens 20 Jahren. Der Grund: Auch gebrauchte Benziner und Diesel verlieren deutlich an Wert.
Das Geschäft hängt an einer einzigen Zahl
Leasing funktioniert über eine Prognose. Schon bei Vertragsabschluss legt der Anbieter fest, was ein Auto nach drei oder vier Jahren noch wert sein soll. Wer dieses Restwertrisiko trägt, verdient gut, solange der Gebrauchtwagenmarkt mitspielt. Bricht er ein, wird die Rechnung schnell teuer.
Genau in dieser Lage steckt VWFS. Laut dem Bericht will die Sparte in diesem Jahr rund 600.000 Leasingrückläufer weiterverkaufen, und vier von fünf davon haben einen Verbrennungsmotor. Deren Wertverlust tue „überproportional weh“, sagte VWFS-Chef Anthony Bandmann. Käufer gebe es durchaus, so der Manager sinngemäß, allerdings nur zu niedrigeren Preisen.
Schon im ersten Halbjahr musste die Sparte 709 Millionen Euro außerplanmäßig auf ihre Leasingflotte abschreiben. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Spritpreise, Rabatte, Förderung: Der Druck kommt von allen Seiten
Als Ursache gelten unter anderem die hohen Spritpreise. Sie treiben Kunden zum Umstieg auf Elektroautos und drücken die Preise für gebrauchte Verbrenner. Daten der Deutschen Automobil Treuhand zeigen, wie stark: Drei Jahre alte Benziner kamen im Juni im Schnitt nur noch auf 59,6 Prozent ihres Neupreises, Diesel auf 58,8 Prozent. So niedrig lagen die Werte seit 2021 nicht mehr.
Bei Elektroautos sieht es noch schlechter aus. Sie erzielen nach drei Jahren durchschnittlich nur 50,9 Prozent. Rabattierte Neuwagen und der schnelle technische Fortschritt machen ältere Stromer unattraktiv. Die staatliche E-Auto-Förderung belebt zwar den Neuwagenmarkt, für Gebrauchte ist sie aber eine zusätzliche Konkurrenz. Für Kritiker zeigt sich hier, was politisch gesteuerte Märkte anrichten können: Was den Absatz neuer Autos ankurbeln soll, belastet am Ende die Bilanzen bei den Gebrauchten.
Der Gewinnbringer kommt ins Wanken
Für Wolfsburg ist das heikel, denn VWFS gilt seit Jahren als eine der verlässlichsten Ertragsquellen des Konzerns. In den ersten neun Monaten fiel der operative Gewinn des Bereichs Group Mobility, zu dem die Finanzsparte gehört, um knapp sieben Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Ein Einbruch ist das noch nicht. Es ist aber ein deutliches Warnsignal.
„Captive of the Future“: Sparen mit Beraterhilfe
Bandmann führt die Sparte seit Januar und will mit Unterstützung der Beratungsfirma Roland Berger gegensteuern. Das Programm heißt „Captive of the Future“ und soll die Kosten um mehr als 20 Prozent senken. Erreicht werden soll das durch einheitlichere und stärker automatisierte Abläufe. Mehr Geld bringen sollen vor allem das Kerngeschäft mit Finanzierungen, Versicherungen und Serviceverträgen sowie das erneute Verleasen zurückgegebener Fahrzeuge.
Was das für die Beschäftigten bedeutet
Laut dem Bericht dürfte ein Personalabbau „sicherlich bald ein Thema“ werden, obwohl eine Beschäftigungssicherung bis 2030 gilt. Im Bereich Group Mobility arbeiten derzeit rund 18.000 Menschen. Noch im Spätsommer hatte Bandmann Medienberichten zufolge erklärt, ein Stellenabbau sei nicht geplant. Wie sich beide Aussagen vertragen, wird sich zeigen müssen.
Unterm Strich bleibt ein Muster, das man in der Autoindustrie kennt: Erst kommt die Wette auf stabile Werte, dann der Abschreibungsbedarf und schließlich das Sparprogramm. Für viele Anleger ist das auch ein Hinweis darauf, wie schnell Sachwerte an Wert verlieren können, wenn Politik und Technik den Markt verändern. Physisches Gold und Silber kennen kein Restwertrisiko aus Leasingverträgen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen setzen deshalb viele Sparer bewusst darauf.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich.
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