
Russland als lachender Dritter? Wie Moskau und Peking auf den US-Iran-Konflikt reagieren
Während die Vereinigten Staaten und Israel im Rahmen der „Operation Epic Fury" ihre militärische Schlagkraft gegen den Iran entfesseln, stellt sich eine Frage, die für das globale Machtgefüge von enormer Tragweite ist: Wer profitiert eigentlich von diesem Konflikt – und wer zahlt am Ende die Zeche?
Russland kassiert – aber wie lange noch?
Analysten des renommierten Center for Strategic and International Studies (CSIS) zeichnen ein differenziertes Bild. Russland, so die Russland-Expertin Maria Snegovaya, habe kurzfristig durchaus Vorteile aus der amerikanisch-israelischen Offensive gegen den Iran gezogen. Seit Präsident Trump am 12. März einen 30-tägigen Sanktionsaufschub für russisches Öl gewährt habe, hätte Moskau bereits über sieben Milliarden Dollar an zusätzlichen Öleinnahmen verbucht. Klingt nach einem ordentlichen Batzen Geld – doch für ein Land mit einem prognostizierten Haushaltsdefizit von 50 Milliarden Dollar im Budget 2026 sei dies kaum ein „Game-Changer", wie Snegovaya nüchtern konstatierte.
Bezeichnend ist: Russland plant weiterhin Kürzungen von mindestens 25 Milliarden Dollar in seinen jährlichen Ausgaben. Ein deutliches Signal dafür, dass die Kreml-Strategen selbst nicht damit rechneten, dass sich ihre wirtschaftliche Lage durch den Konflikt grundlegend verbessern werde – es sei denn, die Straße von Hormus bliebe über einen längeren Zeitraum für den Handelsverkehr gefährlich.
Kein Vorteil auf dem ukrainischen Schlachtfeld
Wer gehofft oder befürchtet hatte, Russland könnte die amerikanische „Ablenkung" im Nahen Osten nutzen, um in der Ukraine entscheidend vorzurücken, dürfte enttäuscht werden. Snegovaya betonte, die Ukraine habe den schlimmsten Winter hoffentlich überstanden. Mit dem Frühling sei es für die Ukrainer etwas leichter geworden, russische Angriffe zu überleben. Auch die russischen Offensiven hätten in den vergangenen Wochen nachgelassen – wenngleich eine Wiederaufnahme mit hoher Intensität jederzeit möglich bleibe.
Interessant ist die Rolle, die der Iran für Russland spielt: Teheran diene Moskau vor allem als Störfaktor gegen amerikanische Interessen im Nahen Osten. Putin könnte die Lieferung hochentwickelter Waffen an den Iran als Druckmittel einsetzen – sei es, um die Verlängerung des Sanktionsaufschubs zu erzwingen oder um die westliche Unterstützung für die Ukraine zu untergraben. Ein zynisches Kalkül, das die Komplexität der geopolitischen Verflechtungen eindrucksvoll illustriert.
Bemerkenswert: Russland und China enthielten sich bei UN-Abstimmung
Sowohl Russland als auch China enthielten sich bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat am 11. März, als der Iran für seine Angriffe auf Golfstaaten verurteilt wurde – die Resolution wurde mit 13 zu 0 Stimmen angenommen. Doch während China auf Distanz ging, beteiligte sich Russland an geplanten Marineübungen. Zudem gebe es Berichte, wonach der neu ernannte Ayatollah Mojtaba Khamenei – der seinen bei einem Enthauptungsschlag am 28. Februar getöteten Vater als „Oberster Führer" des Iran beerben soll – sich in Moskau von Verletzungen erhole. CSIS-Analyst Will Todman relativierte diese Meldung allerdings mit dem Hinweis, die Quelle sei eine kuwaitische Zeitung, die nicht immer für ihre Faktentreue bekannt sei.
China: Zwischen Öl-Abhängigkeit und Taiwan-Kalkül
Für China gestaltet sich die Lage deutlich komplizierter. Das Reich der Mitte bezieht 25 Prozent seiner Rohölimporte aus dem Iran – eine Abhängigkeit, die in Zeiten militärischer Eskalation zum strategischen Risiko wird. Bonny Lin, Direktorin des CSIS China Power Project, wies jedoch die weitverbreitete Befürchtung zurück, Peking könnte die amerikanische Verstrickung im Nahen Osten nutzen, um Taiwan zu überfallen.
„China hat seine eigenen Berechnungen für Taiwan, die nicht allein davon abhängen, ob die Vereinigten Staaten Taiwan verteidigen können oder nicht", erklärte Lin. Eine Einschätzung, die man als beruhigend empfinden kann – oder als Warnung, dass Pekings Ambitionen bezüglich Taiwan von ganz anderen Faktoren abhängen als der momentanen Auslastung des US-Militärs.
Pekings wahre Sorge: 90 Milliarden Dollar auf dem Spiel
Was China wirklich umtreibt, sind seine massiven Investitionen in der Region. Seit 2019 habe Peking fast 90 Milliarden Dollar in LNG-Anlagen, Häfen, Stromnetze und petrochemische Projekte im Nahen Osten investiert. Die chinesischen Exporte in die Region seien 2025 fast doppelt so schnell gewachsen wie die Exporte in den Rest der Welt. Wenn der Iran als Vergeltung die Energieinfrastruktur der Golfstaaten angreife, treffe dies also unmittelbar auch chinesische Interessen.
Dennoch sei es unwahrscheinlich, dass China Kriegsschiffe entsende, um den Handelsverkehr in der Straße von Hormus zu schützen – obwohl es zwei Zerstörer in Dschibuti stationiert habe und einen „Dual-Use"-Hafen im pakistanischen Gwadar errichte. China habe formelle Verteidigungsverpflichtungen gegenüber dem Iran stets vermieden und distanziere sich zunehmend vom Regime in Teheran. Gleichzeitig transportierten chinesisch beflaggte oder gecharterte Tanker weiterhin bis zu zwölf Millionen Barrel vergünstigtes, sanktioniertes iranisches Rohöl täglich durch die Meerenge.
Pekings Paranoia: Ist der Iran nur die Generalprobe?
Besonders aufschlussreich ist die interne chinesische Debatte über den Konflikt. Statt sich darüber zu freuen, dass die USA teure Luftabwehrmunition wie THAAD- und Patriot-Systeme gegen iranische Drohnen verschießen, seien viele chinesische Experten zutiefst misstrauisch. Lin berichtete von Analysen, die fragten: Warum setzen die USA und Israel derart fortschrittliche Waffensysteme gegen eine „mittelgroße Macht" wie den Iran ein? Die Antwort, die sich in chinesischen Fachkreisen herauskristallisiere, sei beunruhigend: Washington wolle diese Fähigkeiten im realen Einsatz erproben, um sie später gegen China einsetzen zu können.
Andere chinesische Analysten wiesen darauf hin, dass die USA 2025 bereits die zweite große Militäroperation durchführten – erst gegen Venezuela, dann gegen den Iran. Beide Länder seien kritische Öllieferanten für China. „Es richtet sich derzeit nicht direkt gegen China", so die Einschätzung, „aber es könnte dazu genutzt werden, China indirekt einzudämmen."
Die Dauer des Krieges entscheidet alles
CSIS-Stabschef Will Todman brachte die Analyse auf den Punkt: Letztlich komme alles auf die Dauer des Krieges an. Sollte es den USA gelingen, die Kontrolle der iranischen Revolutionsgarden über die Straße von Hormus rasch zu brechen und gemeinsam mit Israel Irans nukleare Kapazitäten überzeugend zu zerstören, blieben die Auswirkungen auf Russland und China begrenzt. Zieht sich der Konflikt jedoch in die Länge, könnten sich die Karten neu mischen – mit unabsehbaren Konsequenzen für die globale Ordnung.
Für den aufmerksamen Beobachter zeigt sich einmal mehr: Die Welt befindet sich in einer Phase tektonischer Verschiebungen. Die alten Gewissheiten der Nachkriegsordnung erodieren, und an ihre Stelle tritt ein komplexes Geflecht aus Rivalitäten, Abhängigkeiten und opportunistischen Allianzen. In solchen Zeiten der Unsicherheit erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber traditionell als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung – ein Umstand, den kluge Anleger seit Jahrtausenden zu nutzen wissen.
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