
Ryanair straft Berlin ab: Billigflieger kürzt erneut am BER – und belohnt stattdessen Provinzflughäfen
Es ist ein Schauspiel, das mittlerweile zur traurigen Routine geworden ist: Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair dreht dem Hauptstadtflughafen BER erneut den Hahn zu. Zum Sommerflugplan 2026 werden rund 150.000 Sitzplätze gestrichen – fünf Prozent des gesamten Ryanair-Angebots am Berliner Pannenflughafen. Beliebte Urlaubsziele wie Valencia, Bergamo, Ibiza, Manchester und Madrid sind massiv betroffen, mit Kapazitätskürzungen von bis zu 43 Prozent.
Der teuerste Flughafen Deutschlands – und keiner will es ändern
Die Begründung der Iren ist so simpel wie vernichtend: Der BER sei schlicht der teuerste Flughafen Deutschlands. Ryanair-Deutschlandchef Marcel Pouchain Meyer formulierte es diplomatisch, doch die Botschaft war unmissverständlich. Der Schönefelder Prestigebau, der bekanntlich mit neun Jahren Verspätung und Milliarden an Mehrkosten eröffnet wurde, konkurriere mit Standorten, die eine „attraktivere Kostenstruktur" aufwiesen. Man könnte auch sagen: Der BER ist ein Monument deutscher Planungshybris, das nun die Quittung bekommt.
Während Berlin bestraft wird, verteilt Ryanair andernorts großzügig Geschenke. 300.000 zusätzliche Sitzplätze und 14 neue Routen – allerdings konzentriert auf Regionalflughäfen wie Köln, Niederrhein, Memmingen und Nürnberg. Sogar Saarbrücken und Friedrichshafen werden neu ins Streckennetz aufgenommen. Die Provinz jubelt, die Hauptstadt blutet. Welch ein Sinnbild für den Zustand dieses Landes.
Ostdeutschland: Ein weißer Fleck auf der Ryanair-Karte
Besonders bitter trifft es den Osten der Republik. Leipzig/Halle und Dresden hat Ryanair bereits komplett aus dem Programm genommen. Die Flughäfen seien „einfach zu teuer", so Meyer. Zu hohe Luftsicherheitsgebühren, zu wenig Bereitschaft der Betreiber, an den Stellschrauben zu drehen. Das Ergebnis: Ostdeutschland ist bis auf den angeschlagenen BER ein kompletter Blindfleck im Netz der irischen Airline. Für eine Region, die ohnehin unter Abwanderung und Strukturschwäche leidet, ist das ein weiterer Schlag ins Kontor.
Dabei hatte es vor gar nicht langer Zeit noch ganz anders ausgesehen. Vor zwei Jahren baute Ryanair sein Angebot am BER sogar aus – sechs neue Ziele, 15 Prozent mehr Sitzplätze, ein Marktanteil von über 20 Prozent. Doch dann kam die Kehrtwende. Erst wurden zwei von neun stationierten Flugzeugen abgezogen, dann fielen Strecken nach Krakau, Riga, Kaunas, Brüssel und Tel Aviv weg. Mittlerweile liegt der Marktanteil nur noch bei 16 Prozent – immerhin reicht das noch für Platz eins am BER, was allerdings mehr über die Schwäche der Konkurrenz als über die Stärke Ryanairs aussagt.
„Beschissenster Luftverkehrsmarkt": O'Learys Wutrede hallt nach
Ryanair-Chef Michael O'Leary, bekannt für seine schonungslose Direktheit, hatte bereits 2024 mit einer denkwürdigen Tirade für Aufsehen gesorgt. „Beschissenster Luftverkehrsmarkt, Bullshit-Gebühren, dysfunktionaler BER" – so das vernichtende Urteil des Iren über den deutschen Luftverkehrsstandort. Worte, die wehtun. Aber sind sie falsch? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der deutsche Luftverkehr hat den Stand vor der Corona-Pandemie noch immer nicht wieder erreicht. In anderen europäischen Ländern sieht das längst anders aus.
Im Zentrum der Kritik steht die Luftverkehrssteuer, die Ryanair als das „Hauptübel" identifiziert. Die neue Koalition aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat zwar eine Senkung dieser Steuer angekündigt – doch passiert ist bislang wenig Konkretes. Ryanair geht mit den zusätzlichen Sitzplätzen an Regionalflughäfen nach eigener Aussage „in Vorleistung" und setzt darauf, dass der Bund im kommenden Sommer tatsächlich liefert. Sollte die Steuersenkung ausbleiben, wäre das ein „fatales Signal", warnte Public Affairs Manager Marco Lietz unmissverständlich. Weitere Kapazitätskürzungen wären dann die logische Konsequenz.
Eurowings springt in die Bresche – doch reicht das?
Nicht alle teilen den Pessimismus der Iren. Die Nachfrage nach Flugtickets sei in Deutschland weiterhin hoch, argumentieren Branchenbeobachter. Die Menschen wollten verreisen und seien durchaus bereit, höhere Preise als vor der Pandemie zu zahlen. Eurowings etwa baut sein Angebot am BER zum Sommerflugplan sogar aus und steuert 42 Ziele an – darunter neue Verbindungen nach Kavala, Lissabon, London Heathrow, Neapel und Sarajevo. Mallorca steht bis zu 28-mal pro Woche im Flugplan.
Doch das ändert nichts am grundsätzlichen Problem. Der BER, der einst als Leuchtturmprojekt der Hauptstadt geplant war, hat sich zu einem Dauerpatienten entwickelt, der weniger Fluggäste abfertigt als einst Tegel und Schönefeld zusammen. Ein Flughafen, den Ryanair öffentlich als „dysfunktional" und „bankrott" bezeichnet – und dem man diese Einschätzung nur schwer widersprechen kann.
Subventionen mit Nachgeschmack
Freilich ist auch Ryanairs Geschäftsgebaren nicht über jeden Zweifel erhaben. Die Airline ist berüchtigt dafür, Flughafenmanager unter Druck zu setzen und Vergünstigungen einzufordern. Wer nicht spurt, wird bestraft. Wer kooperiert, wird mit Verkehr belohnt. An den neuen Standorten Saarbrücken und Friedrichshafen existieren bereits Marketingvereinbarungen, von denen Ryanair profitiert. Im Fall des Flughafens Hahn entschied die EU-Kommission 2024, dass die Airline mehr als 13 Millionen Euro an das Land Rheinland-Pfalz zurückzahlen musste – die jahrelang gewährten Zuschüsse verstießen gegen Beihilfevorschriften.
Das Muster ist klar: Ryanair spielt Flughäfen gegeneinander aus, nutzt seine Marktmacht als Druckmittel und zwingt öffentliche Betreiber in einen ruinösen Wettbewerb um die niedrigsten Gebühren. Ob das langfristig im Interesse der Steuerzahler ist, darf bezweifelt werden.
Ein Symptom für ein größeres Problem
Letztlich ist die Ryanair-Misere am BER nur ein Symptom für ein viel tiefgreifenderes Problem. Deutschland verliert als Wirtschafts- und Verkehrsstandort an Attraktivität. Zu hohe Steuern, zu viel Bürokratie, zu wenig Wettbewerbsfähigkeit – das sind die Kernprobleme, die weit über den Luftverkehr hinausreichen. Während andere Länder ihre Infrastruktur modernisieren und Rahmenbedingungen verbessern, diskutiert man hierzulande lieber über Gendersternchen und Klimakleber.
Die angekündigte Senkung der Luftverkehrssteuer durch die neue Bundesregierung wäre ein erster, überfälliger Schritt. Doch angesichts des geplanten 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens und der damit verbundenen Schuldenlast fragt man sich, woher das Geld für Steuersenkungen kommen soll. Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Dieses Versprechen hat sich bereits in Luft aufgelöst – schneller als ein Ryanair-Flieger vom BER abhebt. Oder eben nicht mehr abhebt.

Enteignungswelle 2026
Kostenloses Live-Webinar: Dominik Kettner und 6 hochkarätige Gäste enthüllen, wie digitaler Euro, verpflichtende digitale ID und das geplante EU-Vermögensregister Ihr Erspartes bedrohen – und welche konkreten Schritte Sie jetzt unternehmen müssen, um Ihr Vermögen zu schützen.
Die Experten

Ernst
Wolff
Bestseller-Autor

Peter
Hahne
Ex-ZDF, Bestseller-Autor

Tom-Oliver
Regenauer
Autor & Systemanalyst

Philip
Hopf
Finanzanalyst

Thilo
Sarrazin
Bundesbank-Vorstand a.D.

Thurn
und Taxis
Fürstin & Finanzexpertin
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











