
Schleswig-Holstein: Günthers CDU im freien Fall – AfD verdreifacht ihre Zustimmung

Die jüngste Umfrage von Infratest dimap für den NDR zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein im kommenden Jahr liest sich wie ein politisches Erdbeben im hohen Norden. Daniel Günthers CDU, einst mit 43 Prozent fast an der absoluten Mehrheit kratzend, stürzt auf magere 33 Prozent ab. Zehn Prozentpunkte – einfach weg. Verdampft wie Morgennebel über der Kieler Förde.
Die AfD als großer Gewinner im Norden
Während Günthers Christdemokraten bluten, feiert die AfD einen bemerkenswerten Aufstieg. Die Partei, die bei der Landtagswahl 2022 mit kläglichen 4,4 Prozent an der Fünfprozenthürde scheiterte und seither als einziges Bundesland ohne AfD-Landtagsfraktion dasteht, kommt nun auf 15 Prozent. Eine Verdreifachung. Seit der letzten Infratest-dimap-Erhebung im April 2023 – also innerhalb von drei Jahren – legte die Partei um sieben Prozentpunkte zu. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: In einem Bundesland, das traditionell als politisch gemäßigt und eher behäbig gilt, vollzieht sich ein tektonischer Wandel.
Dass ausgerechnet Schleswig-Holstein, wo die AfD strukturell schwach aufgestellt ist und kaum über bekannte Gesichter verfügt, solche Zuwächse verzeichnet, sollte den etablierten Parteien zu denken geben. Doch ob sie es tun? Die Erfahrung lehrt: eher nicht.
Grüne profitieren, SPD und FDP im Sinkflug
Die Grünen legen leicht zu und erreichen 19 Prozent – ein Plus von zwei Prozentpunkten. Für eine Partei, die bundesweit zunehmend unter Druck gerät, ist das ein erstaunlich stabiles Ergebnis. In Günthers schwarz-grüner Koalition scheinen die Wähler offenbar genau zu wissen, wer den Kurs vorgibt – und es sind nicht die Christdemokraten.
Die SPD hingegen erlebt ein Desaster in Zeitlupe. Mit nur noch 12 Prozent landet sie hinter der AfD auf dem vierten Platz. Drei Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage. Die einstige Volkspartei, die in Schleswig-Holstein mit Björn Engholm und Heide Simonis einst Ministerpräsidenten stellte, droht zur Splitterpartei zu verkommen. Noch dramatischer trifft es die FDP: Sie hat sich innerhalb von drei Jahren halbiert und steht bei vier Prozent. Der parlamentarische Tod klopft an die Tür.
Die Linke als überraschender Aufsteiger
Neben der AfD darf sich auch die Linke als Gewinnerin fühlen. Von 1,7 Prozent bei der Wahl 2022 auf nun sechs Prozent – das ist ein bemerkenswerter Sprung. Ob die Partei dieses Niveau bis zur Wahl halten kann, bleibt freilich abzuwarten. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), der als Vertretung der dänischen Minderheit von der Fünfprozenthürde befreit ist, büßte ebenfalls Stimmen ein und steht bei fünf Prozent.
Günthers Linkskurs als Sargnagel
Die Ursachen für den dramatischen Vertrauensverlust der CDU in Schleswig-Holstein sind kaum zu übersehen. Daniel Günther gilt als einer der prominentesten Vertreter des linken CDU-Flügels. Er regiert mit den Grünen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, und hat sich in der Vergangenheit sogar für Koalitionen mit der Linkspartei offen gezeigt. Man fragt sich unwillkürlich: Worin unterscheidet sich diese CDU eigentlich noch von ihrem Koalitionspartner?
Zuletzt sorgte Günther bundesweit für Empörung, als er bei Markus Lanz die Zensur von unabhängigen Medien forderte. Ein Ministerpräsident, der sich für die Einschränkung der Pressefreiheit stark macht – in einem Land, das sich seiner demokratischen Werte rühmt. Die Quittung kommt nun an der Wahlurne, zumindest in den Umfragen.
Besonders pikant: Günther hatte sich einst damit gebrüstet, mit seinem Kurs die AfD kleinhalten zu können. Das genaue Gegenteil ist eingetreten. Seine Politik der grünen Anbiederung, der medialen Bevormundung und des ideologischen Konformismus hat die AfD nicht geschwächt, sondern gestärkt. Es ist die bittere Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet jene Politiker, die am lautesten vor der AfD warnen, durch ihre eigene Unfähigkeit deren größte Wahlkampfhelfer sind.
Schwarz-Grün bleibt – trotz allem
Das Erschreckende an diesen Zahlen ist nicht nur der Absturz der CDU oder der Aufstieg der AfD. Es ist die Tatsache, dass die schwarz-grüne Koalition trotz massiver Verluste rechnerisch weiterregieren könnte. 33 plus 19 ergibt 52 Prozent – eine knappe, aber ausreichende Mehrheit. Die einzige andere politisch denkbare Alternative wäre ein Bündnis aus CDU und AfD, das Günthers Partei jedoch kategorisch ablehnt.
So bleibt dem Wähler in Schleswig-Holstein die bittere Erkenntnis: Egal wie er abstimmt, am Ende bekommt er Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz. Die Brandmauer steht fester als jeder Deich an der Nordsee – nur dass sie nicht die Bürger schützt, sondern die Pfründe der Regierenden.
Ein Symptom des bundesweiten Vertrauensverlusts
Was sich in Schleswig-Holstein abzeichnet, ist kein regionales Phänomen. Es ist Ausdruck eines tiefen Unbehagens, das weite Teile der deutschen Bevölkerung erfasst hat. Die Menschen spüren, dass die etablierte Politik ihre Interessen nicht mehr vertritt. Sie erleben eine Bundesregierung unter Friedrich Merz, die trotz vollmundiger Versprechen ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auf den Weg bringt und damit kommende Generationen mit Schulden belastet. Sie sehen steigende Kriminalität, unkontrollierte Migration und eine Wirtschaft, die zunehmend unter ideologischer Überregulierung ächzt.
Dass selbst im beschaulichen Norden, wo die Welt vermeintlich noch in Ordnung ist, die Unzufriedenheit derart wächst, sollte als Alarmsignal verstanden werden. Doch die politische Klasse scheint taub. Statt den Kurs zu korrigieren, klammert man sich an Koalitionen, die niemand mehr will, und diffamiert jene, die Veränderung fordern. Es ist ein Spiel auf Zeit – und die Uhr tickt.

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