
Strom-Stau in Holland: 22 neue Netzengpässe bremsen Betriebe aus

Der niederländische Verteilnetzbetreiber Liander hat am 27. August 2026 gleich 22 neue Netzengpässe gemeldet. Betroffen sind fünf Provinzen: Flevoland, Friesland, Gelderland, Noord-Holland und Zuid-Holland. Es geht um Großkunden mit Anschlüssen über 3 x 80 Ampere – also um Fabriken, Gewerbeparks, Logistikzentren.
Abschaltungen kündigt das Unternehmen nicht an. Aber wer neu anschließen oder seine Leistung erhöhen will, hat vorerst Pech. Die Leitungen sind voll.
Noord-Holland trifft es am härtesten
Allein in Noord-Holland kommen 16 neue Engpasspunkte hinzu. Auf der Liste stehen laut Liander unter anderem die Blumenauktion Aalsmeer, Amstelveen Bolwerk, Bijlmer Zuid, mehrere Bereiche in Hoofddorp sowie Marnixstraat, Slotermeer, Vliegenbos, Westzaanstraat und Zorgvlied.
In Aalsmeer fehlt Platz für die Einspeisung, an den meisten anderen Punkten für zusätzlichen Bezug. In Almere und Tiel klemmt es in beide Richtungen. Dazu kommen Schenkenschans in Friesland, Leiden Zuid West und Wassenaar. Ob flexible Netznutzung helfen kann, wird nun geprüft.
Warteliste statt Wachstum
Für Unternehmen bedeutet ein Engpass schlicht: Antrag auf die Warteliste. Neue Produktionslinien, Elektrifizierungsprojekte, Erweiterungen – alles verschiebt sich. Ende Juni warteten allein im Alliander-Gebiet rund 8.900 Betriebe auf Kapazität. Im ersten Halbjahr konnten immerhin mehr als 1.800 Großkunden bedient werden.
Landesweit ist die Lage noch dramatischer. Der Mittelstandsverband MKB-Nederland sprach Ende Juli von mehr als 14.000 wartenden Unternehmen. Regionale Wartezeiten von bis zu zehn Jahren nennt die Netzbranche selbst.
Wer zehn Jahre auf einen Stromanschluss wartet, investiert irgendwann anderswo – oder gar nicht.
Seit Juli 2026 gelten neue Verteilungsregeln: Krankenhäuser, Wohnungsbau, Schulen und sicherheitsrelevante Einrichtungen können Vorrang bekommen. Für gewöhnliche Betriebe kann sich die Wartezeit damit weiter verlängern. Priorisierung ist am Ende nichts anderes als Rationierung mit freundlichem Gesicht.
1,1 Milliarden Euro – und trotzdem zu wenig
Am Geld liegt es nicht. Alliander investierte im ersten Halbjahr 2026 knapp 1,1 Milliarden Euro in Netze und deren Nutzung, schuf 1.163 Megawatt zusätzliche Kapazität, baute oder erneuerte 977 Transformatorenstationen und verlegte 1.279 Kilometer Kabel. Mit 147 Unternehmen wurde flexibler Verbrauch in Spitzenstunden vereinbart.
Entspannung? Nur an zwei Punkten – Zeewolde 20KV und Sumatrastraat. Und selbst dort kann es auf höherer Netzebene weiter klemmen.
Warnsignal für Deutschland
Aus Sicht unserer Redaktion ist das kein holländisches Sonderproblem, sondern ein Lehrstück. Wer Erzeugung und Verbrauch schneller ausbaut als die Leitungen, produziert Stillstand. Auch hierzulande wird bereits zugeteilt statt angeschlossen – in Hamburg etwa wird Leistung für Großprojekte kontingentiert. Die Kosten des Netzengpassmanagements in Deutschland stiegen laut Bundesnetzagentur 2025 um rund vier Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro. Bezahlt wird das über die Netzentgelte – von Bürgern und Betrieben.
Für Sparer bleibt die Botschaft unbequem: Politisch erzeugte Kostenschübe treffen zuerst die Kaufkraft. Physische Edelmetalle haben sich in solchen Phasen als nervenstarke Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser muss eigene Recherchen anstellen und trägt für seine Anlageentscheidungen die Verantwortung selbst.
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