
Stützen oder Stürzen: Wackelt Merz schon am Wahlsonntag?

Am Sonntag wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin – und in Berlin-Mitte könnte noch während der Auszählung über die Zukunft des Bundeskanzlers entschieden werden. Medienberichten zufolge erwägt Friedrich Merz, das CDU-Präsidium am Wahlabend ins Konrad-Adenauer-Haus zu rufen und dort über seinen eigenen Rücktritt sprechen zu lassen. Parteiintern kursiert dafür schon eine Formel: „Stützen oder Stürzen“.
Die indirekte Vertrauensfrage
Es wäre ein bemerkenswertes Manöver. Statt den Bundestag zu fragen, wie es die Verfassung für die Vertrauensfrage vorsieht, würde Merz dem Bericht zufolge seine eigene Parteispitze vor die Wahl stellen: Rückendeckung für einen verschärften Reformkurs gegenüber der SPD – oder Ablösung.
Die Bedingung dafür sei eindeutig: Wer ihn stürzen wolle, müsse sofort einen Nachfolger präsentieren. Gleichzeitig sollen weitere Zugeständnisse an den Koalitionspartner Thema sein, vor allem bei Steuern und Energiepreisen. Verschärfter Reformkurs und neue Konzessionen an die SPD gleichzeitig? Genau dieser Widerspruch beschreibt das Dilemma der Union.
Die Zahlen, die den Kanzler jagen
Ausgelöst hat die Personaldebatte das Desaster in Sachsen-Anhalt am 6. September. Dort holte die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis 43,8 Prozent, die CDU stürzte auf 17,2 Prozent – rund 20 Punkte Verlust und ein historisches Tief im Land. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent, die Menschen sind also alles andere als politikmüde.
Und es dürfte nicht besser werden. Im ZDF-Politbarometer Extra lag die CDU in Mecklenburg-Vorpommern bei mageren sieben Prozent, während sich AfD (37) und SPD (34) ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. In Berlin sah die Projektion die Linke mit 23 Prozent vor der CDU mit 21. Bundesweit kommt die Union laut YouGov auf 18 Prozent, die SPD auf 13 – die AfD knackte erstmals die 30-Prozent-Marke.
Hauen und Stechen um das Kanzleramt
Als mögliche Nachfolger werden seit Wochen Hendrik Wüst (NRW) und Boris Rhein (Hessen) genannt, dazu Markus Söder und Alexander Dobrindt von der CSU. Beobachter halten es für möglich, dass sich die Anwärter gegenseitig blockieren – dann wäre Merz' Bedingung schlicht nicht erfüllbar.
Rein rechnerisch wäre ein Wechsel machbar: Union und SPD verfügen über eine Mehrheit von zwölf Stimmen im Bundestag. Geschlossenheit gilt als sicher – nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst. Neuwahlen will bei diesen Umfragewerten in beiden Regierungsparteien niemand.
Rückendeckung mit Zähneknirschen
Öffentlich stellen sich prominente Christdemokraten hinter den Kanzler. Rhein erklärte dem Spiegel, das Land brauche jetzt keine Personaldiskussionen, sondern entschlossenes Handeln und mutige Reformen. CDU-Vizechefin Silvia Breher wurde in der „Augsburger Allgemeinen“ noch deutlicher:
Wir haben keine Zeit für interne Showdebatten.
Doch aus Mecklenburg-Vorpommern kam vergangene Woche auch die offene Aufforderung des stellvertretenden Landesvorsitzenden Tino Schomann, Merz müsse „runter vom Sessel“. Merz selbst hatte nach Sachsen-Anhalt betont, Aufgeben sei für ihn keine Option.
Was Sparer daraus lernen können
Für Bürger ist die entscheidende Frage nicht, welcher Kopf im Kanzleramt sitzt, sondern ob sich an Steuerlast, Energiepreisen und Schuldenpolitik etwas ändert. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Hektik dieser Tage vor allem eines: Politische Stabilität ist in Deutschland kein Naturgesetz mehr. Wer sein Vermögen unabhängig von Koalitionsarithmetik absichern will, findet in physischem Gold und Silber traditionell eine Beimischung, die keine Regierungserklärung braucht.
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