
Tankrabatt-Bluff? Ifo: Bei Diesel kommen nur 15 von 17 Cent an

Der zweite Tankrabatt der schwarz-roten Koalition hält nicht ganz, was er verspricht. Laut Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts gaben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen seit dem 1. Oktober beim Diesel im Schnitt nur 15 Cent der Steuersenkung pro Liter weiter. Ein Teil der Entlastung kommt also gar nicht bei den Autofahrern an. Bezahlen müssen sie den Rabatt als Steuerzahler trotzdem.
Der Start lief gut, dann kam das Wochenende
Ganz leer gehen die Autofahrer nicht aus. Bei Super E5 kamen laut Ifo gut 16 Cent an, bei E10 wie beim Diesel 15 Cent. Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, fasst die Zahlen so zusammen:
„Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin E5 waren es durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent.“
Bemerkenswert ist der Verlauf. Am Starttag sei der Rabatt nach Neumeiers Angaben vollständig weitergegeben worden, am Wochenende dagegen nur noch teilweise. Am Sonntag kostete E10 im Bundesschnitt 2,137 Euro je Liter, Diesel sogar 2,253 Euro. Die Preise haben also schon kurz nach dem Start wieder angezogen.
Déjà-vu an der Zapfsäule
Überraschend ist das nicht. Schon beim zweimonatigen Tankrabatt im Mai und Juni hatten Ifo, Monopolkommission und Bundeskartellamt laut Medienberichten festgestellt, dass die Entlastung nicht vollständig weitergegeben wurde. Beim Diesel waren es nach Ifo-Angaben damals im Schnitt nur zwölf von 16,7 Cent. Die Mineralölwirtschaft bestreitet das. Der Branchenverband en2x wirft solchen Untersuchungen vor, andere Kostenfaktoren zu übersehen.
Fair ist auch dieser Hinweis: Der Preis an der Zapfsäule hängt nicht nur von der Steuer ab. Rohölnotierungen, Wechselkurse, Beschaffungskosten und der Wettbewerb vor Ort spielen ebenfalls mit. Eine Pflicht zur vollständigen Weitergabe gibt es nicht.
Woher die Rekordpreise kommen
Auslöser der Teuerung ist der Iran-Krieg. Medienberichten zufolge ist die Straße von Hormus seit dem Angriff Israels und der USA auf Iran faktisch blockiert. Durch diese Meerenge läuft einer der wichtigsten Öl-Transportwege der Welt. Zusätzlich kontrolliere nun die Huthi-Miliz die Meerenge Bab al-Mandab. Diesel reagiert wegen knapper Raffineriekapazitäten besonders empfindlich auf solche Krisen.
Gießkanne auf Kosten der Steuerzahler
Auch inhaltlich gibt es Kritik aus dem Ifo-Institut. Christian Gréus bemängelt, der Rabatt setze in Zeiten knappen Angebots keinen Anreiz, weniger Sprit zu verbrauchen. Geringverdiener mit kleinen Autos und wenigen Kilometern hätten kaum etwas davon. Neumeier argumentiert, ein höherer Preis würde zum Sparen anregen. Außerdem verzerre der Rabatt Kaufentscheidungen: Wer einen Benziner kaufe, mache sich von der Golfregion abhängig, und diese Abhängigkeit solle der Preis auch zeigen.
Billig ist die Maßnahme nicht. Die Bundesregierung rechnet laut Berichten mit rund 2,5 Milliarden Euro. Diesmal übernehmen die Länder die Hälfte. Der Rabatt im Frühsommer hatte den Bund rund 1,6 Milliarden Euro gekostet. Am Ende zahlen alle Bürger, auch die, die nie tanken. Dabei liegt der eigentliche Hebel woanders: Nach Branchenangaben machen Steuern und Abgaben in normalen Zeiten mehr als die Hälfte des Literpreises aus. Den Staat zieht es also an der Zapfsäule kräftig mit.
Und nach Silvester kommt der Preisdeckel
Der Rabatt gilt bis zum 31. Dezember. Spätestens ab dem 1. Januar 2027 will die Koalition einen staatlichen Spritpreisdeckel einführen, also Höchstpreise, die eine Behörde festlegt. Kritiker sprechen von Planwirtschaft. Statt die eigene Abgabenlast dauerhaft zu senken, flickt Berlin nach Ansicht vieler Beobachter von Krise zu Krise an den Symptomen herum.
Für Sparer ist das ein Warnsignal. Geopolitische Schocks, Kostenschübe und eine Politik auf Pump zehren an der Kaufkraft. Wer sein Vermögen gegen solche Risiken absichern will, kann eine Beimischung physischer Edelmetalle wie Gold und Silber in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
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