
Trotz US-Sanktionen: China stürmt an die Weltspitze der Speicherchips

Der chinesische Speicherhersteller YMTC ist im zweiten Quartal 2026 erstmals unter die weltweit drei größten NAND-Flash-Anbieter vorgestoßen. Nach Daten des Marktforschers Counterpoint Research kam das Unternehmen aus Wuhan auf 14 Prozent der global ausgelieferten Speicherkapazität – knapp vor Japans Kioxia. Und das, obwohl Washington den Konzern seit Jahren mit Exportbeschränkungen ausbremsen will.
Samsung führt – aber der Abstand schrumpft
An der Spitze bleibt laut den Zahlen Samsung Electronics mit 25 Prozent, dahinter folgt SK Hynix inklusive der Tochter Solidigm mit 22 Prozent. YMTC steigerte seine Auslieferungen den Angaben zufolge um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um fünf Prozent zum Vorquartal.
Treiber seien wachsende Lieferungen an heimische Elektronikhersteller und die hochgefahrene Produktion der neuesten 3D-NAND-Generation. Gemessen am Umsatz reicht es allerdings nur für Platz fünf – hinter Micron und Kioxia.
Der Grund ist ein Klassiker der Industriegeschichte: Viel Menge, wenig Marge. YMTC verkauft überwiegend billigere Consumer-Ware und ist bei hochpreisigen Enterprise-SSDs für Rechenzentren bislang schwach vertreten.
KI frisst Speicher – und verschiebt den Markt
Genau dort aber spielt die Musik. Enterprise-SSDs machten im zweiten Quartal bereits 48 Prozent aller weltweit ausgelieferten NAND-Bits aus – nach nur 26 Prozent ein Jahr zuvor. Counterpoint führt den Sprung auf die Verlagerung von KI-Arbeitslasten vom Training hin zur Inferenz zurück, die enorme Mengen schnellen Speichers verlangt.
Bis Jahresende sollen Server-SSDs nach Einschätzung der Analysten mehr als die Hälfte des Marktes stellen. YMTC wolle deshalb im zweiten Halbjahr genau in dieses margenstarke Segment drängen.
Sanktionen als Wachstumsprogramm?
Bemerkenswert ist der Aufstieg vor allem deshalb, weil YMTC seit Ende 2022 auf der schwarzen Liste der US-Handelsbehörden steht. Der Zugang zu modernster Fertigungstechnik sollte damit versiegen. Passiert ist offenbar das Gegenteil.
Morgan Stanley berichtete im Mai, YMTC fahre sein zweites Werk in Wuhan hoch und baue parallel ein drittes. Die Bank rechne für dieses Jahr mit rund 35.000 zusätzlichen Wafern pro Monat – mit deutlich größeren Sprüngen 2027 und 2028. Bernstein Research verweist auf Pekings Strategie, die KI-Infrastruktur konsequent zu lokalisieren.
Wie ernst es China meint, zeigte zuletzt auch der DRAM-Hersteller CXMT: Sein Börsengang in Shanghai spülte Medienberichten zufolge rund 8,6 Milliarden Dollar ein, die Aktie schoss am ersten Handelstag um mehrere hundert Prozent nach oben – kurzzeitig war CXMT damit Chinas wertvollstes börsennotiertes Unternehmen.
Was das für Europa bedeutet
Für den Westen ist das ein unbequemer Befund. Sanktionen können Entwicklung verzögern – verhindern können sie sie offensichtlich nicht, wenn ein Staat Kapital, Ingenieure und politischen Willen bündelt.
Europa hingegen diskutiert über Berichtspflichten, Lieferkettengesetze und Subventionsprogramme, während in Wuhan Fabriken hochgezogen werden. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Weckruf: Technologische Souveränität entsteht nicht durch Papier, sondern durch Produktion.
Wer die geopolitischen Bruchlinien der kommenden Jahre ernst nimmt, denkt auch über die Robustheit des eigenen Vermögens nach. Physische Edelmetalle sind seit jeher ein Baustein, der unabhängig von Lieferketten, Chip-Embargos und Börsenstimmungen funktioniert – als Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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