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19.03.2026
23:00 Uhr

Ukraine unter Druck: Wie der Iran-Konflikt Moskaus Position stärkt und Kiew in die Enge treibt

Ukraine unter Druck: Wie der Iran-Konflikt Moskaus Position stärkt und Kiew in die Enge treibt

Die geopolitische Lage verschiebt sich in rasantem Tempo – und nicht zugunsten der Ukraine. Während die Welt gebannt auf den eskalierenden Konflikt zwischen Israel und dem Iran blickt, nutzt Russland die Gunst der Stunde. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte nun eindringlich davor, dass sich die Verhandlungsposition seines Landes dramatisch verschlechtere, während Moskau von den Verwerfungen am Persischen Golf profitiere.

Selenskyj drängt auf Wiederaufnahme der Gespräche mit Washington

Nach einer verhandlungstechnischen Zwangspause, ausgelöst durch den Iran-Krieg, setzt Kiew nun alles auf eine Karte: neue Gespräche mit den Vereinigten Staaten. Selenskyj erklärte in seiner abendlichen Videobotschaft, er habe entsprechende Signale aus Washington empfangen. „Es gab eine Verhandlungspause, nun ist es Zeit, sie zu beenden", so der ukrainische Präsident. Eine Delegation ukrainischer Unterhändler, zuständig für den politischen Teil der Gespräche, sei bereits auf dem Weg in die USA.

Selenskyj habe die Verhandlungslinie mit dem Sekretär des Sicherheitsrates Rustem Umjerow, seinem Stabschef Kyrylo Budanow und weiteren Vertretern abgestimmt. Bemerkenswert ist dabei, was der ukrainische Präsident nicht sagte: Russische Vertreter erwähnte er mit keinem Wort. In Moskau hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow zunächst erklärt, die trilateralen Verhandlungen ruhten derzeit. Einen Tag später schloss er eine Fortsetzung jedoch nicht aus – sobald die USA einen Termin festlegten.

Russlands strategischer Vorteil wächst

In einer Videoschalte zum EU-Gipfel in Brüssel zeichnete Selenskyj ein düsteres Bild der aktuellen Kräfteverhältnisse. Die Argumentation des ukrainischen Präsidenten ist dabei durchaus nachvollziehbar: Der Konflikt am Persischen Golf verschlingt Flugabwehrmunition in enormen Mengen – Munition, die der Ukraine an der Front fehlt. Gleichzeitig treiben die geopolitischen Spannungen die Ölpreise in die Höhe, wovon Russland als einer der weltweit größten Erdölexporteure unmittelbar profitiert.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der Kiew Sorgen bereiten dürfte: Die USA haben Sanktionen gegen Moskau ausgesetzt. Neue EU-Sanktionen stocken. Und ein für die Ukraine als lebenswichtig bezeichneter EU-Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro hängt in der Luft. Dies dürfe nicht zugelassen werden, mahnte Selenskyj eindringlich.

Orbans Blockade als zusätzliches Hindernis

Als wäre die Lage nicht bereits kompliziert genug, sorgt Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán beim EU-Gipfel in Brüssel für zusätzliche Spannungen. Der ungarische Regierungschef signalisierte keinerlei Kompromissbereitschaft hinsichtlich des geplanten 90-Milliarden-Euro-Kredits für die Ukraine. Er werde keine pro-ukrainischen Entscheidungen unterstützen, solange die Frage gestoppter Öllieferungen an Ungarn nicht geklärt sei, erklärte Orbán bei seiner Ankunft am Gipfelort. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte daraufhin „politischen Mut" von den Staats- und Regierungschefs, um das Hilfspaket freizugeben.

Die Situation offenbart einmal mehr die tiefen Risse innerhalb der Europäischen Union. Während einige Mitgliedstaaten auf maximale Unterstützung für Kiew drängen, verfolgen andere – allen voran Ungarn – eine deutlich zurückhaltendere Linie. Bundeskanzler Friedrich Merz und andere europäische Regierungschefs wollen Orbáns Blockade beim Gipfel kippen, doch der Ausgang bleibt ungewiss.

Steigende Energiekosten belasten Europas Bürger

Die Kriege und Konflikte rund um den Globus haben auch ganz unmittelbare Auswirkungen auf die europäischen Bürger. Die Energiekosten steigen weiter – eine Entwicklung, die gerade in Deutschland, wo die Wirtschaft ohnehin unter erheblichem Druck steht, besonders schmerzhaft zu spüren ist. Die Frage, wie lange die europäischen Volkswirtschaften diese Belastungen noch tragen können, ohne dass der gesellschaftliche Zusammenhalt weiter erodiert, wird immer drängender.

Unterdessen geht der Krieg in der Ukraine mit unverminderter Härte weiter. Russische Drohnenangriffe auf die Westukraine haben zuletzt das Geheimdiensthauptquartier in Lwiw beschädigt und in der Region Wolyn den Strom für mehr als 30.000 Haushalte ausfallen lassen. Die militärische Realität am Boden steht in scharfem Kontrast zu den diplomatischen Bemühungen – und erinnert daran, dass Verhandlungen allein noch keinen Frieden schaffen.

Es bleibt abzuwarten, ob die neuen Gespräche zwischen Kiew und Washington tatsächlich Bewegung in den festgefahrenen Konflikt bringen können. Die geopolitischen Rahmenbedingungen haben sich jedenfalls nicht zugunsten der Ukraine verschoben. Und Europa? Europa ringt einmal mehr mit sich selbst – zwischen dem Anspruch, geschlossen aufzutreten, und der Realität nationaler Eigeninteressen, die diesen Anspruch immer wieder konterkarieren.

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