
Ultraschall-Flop in Wilhelmshaven: Jetzt fließt doch Chlor in die Jade!

Das zweite schwimmende LNG-Terminal in Wilhelmshaven darf seine Rohre ab sofort mit Chlor reinigen. Die Genehmigung für die „Excelsior“ liegt seit dem 24. August vor. Bis zu rund 170 Millionen Kubikmeter behandeltes Prozesswasser darf das Terminal damit pro Jahr in die Jade leiten. Das Vorzeigeprojekt für eine biozidfreie Gasversorgung ist damit vorerst gescheitert.
Das grüne Versprechen hielt keinen Sommer
Die Idee klang gut. Anders als ihr Schwesterschiff „Höegh Esperanza“ sollte die „Excelsior“ ihre Seewassersysteme ohne Chemie frei von Algen und Muscheln halten, nämlich mit Ultraschall. Das Spezialschiff wurde dafür eigens umgerüstet. Die Mehrkosten übernahm der Bund, also am Ende der Steuerzahler. Früheren Angaben zufolge ging es um eine niedrige einstellige Millionensumme.
Bei der Eröffnung im April 2025 zeigte sich Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Christian Meyer (Grüne) begeistert:
„Auch aus Umweltsicht freue ich mich sehr, dass wir diese neue Methode haben.“
Die Freude hielt nicht lange. Schon im Spätsommer 2025 habe die regelmäßige Überwachung gezeigt, dass der Ultraschall dem starken Bewuchs im Jadestrom nicht gewachsen sei, heißt es vom Betreiber. Auch Nachbesserungen mit Experten und dem Schiffseigner hätten nicht ausgereicht.
Terminal fiel aus, Tanker mussten abdrehen
Richtig ernst wurde es im Herbst 2025. Nach Angaben der bundeseigenen Deutschen Energy Terminal (DET) fiel die „Excelsior“ zeitweise aus. LNG-Lieferanten habe man abweisen müssen. Aus einem Umweltexperiment wurde so ein Risiko für die Versorgungssicherheit, und das in einem Land, das nach dem Wegfall russischer Pipeline-Gase auf jede Importkapazität angewiesen ist.
DET beantragte daraufhin, die ohnehin an Bord vorhandene Elektrochlorierungsanlage zu nutzen. Sie erzeugt aus dem Salz des Meerwassers Chlorverbindungen, die Leitungen und Wärmetauscher sauber halten. Das behandelte Wasser geht danach zurück in die Jade. Die Landesbehörde NLWKN ließ die Einleitung laut Bericht vorläufig zu, obwohl das Änderungsverfahren noch läuft.
Hintertür im Bescheid, Recht auf Seiten der Technik
Der wasserrechtliche Bescheid von 2024 hatte Biozide für die „Excelsior“ ausdrücklich ausgeschlossen. Für den Fall, dass der Ultraschall nicht funktioniert, enthielt er allerdings eine Ausnahme. Diese Ausnahme wird jetzt gebraucht.
Überraschend ist das nicht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte die Elektrochlorierung schon Ende 2024 als Stand der Technik eingestuft und eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) abgewiesen. Dem Ultraschall fehlten damals nach Einschätzung des Gerichts ausreichende Betriebserfahrungen. Die Praxis in der Jade hat diese Zweifel nun bestätigt.
Umweltschützer schlagen Alarm
Die DUH hält die zusätzliche Einleitung für gefährlich. Künftig könnten zwei Terminals chlorbehandeltes Wasser in dasselbe Küstengewässer leiten. Kritisiert werden vor allem die Reaktionsprodukte der Chlorierung. Auch Anwohner und Muschelfischer fürchten Schäden für das angrenzende Wattenmeer. Das Umweltministerium in Hannover hält dagegen, die Reinigung sei „unter hohen Auflagen und einem erneuten Umweltmonitoring“ genehmigt worden.
Am Ende bleibt ein teurer Hybrid
Der Ultraschall soll weiterlaufen, solange der Bewuchs gering ist. Wird er stärker, kommt Chlor dazu. Vom ursprünglichen Konzept bleibt damit ein Kompromiss, den man auch ohne Umrüstung hätte haben können.
Beobachter sehen darin ein Lehrstück deutscher Energiepolitik: Politisch gewünschte Lösungen werden mit Steuergeld eingekauft, bevor sie sich im Alltag bewährt haben. Wenn es dann nicht funktioniert, landet man doch bei der bewährten Technik. Der Steuerzahler hat die Umrüstung bezahlt, und die Jade bekommt trotzdem Chlor.

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