
USA ziehen sämtliche Truppen aus Syrien ab – und hinterlassen ein Pulverfass
Nach über einem Jahrzehnt militärischer Präsenz in Syrien vollzieht Washington nun den kompletten Rückzug. Rund 1.000 amerikanische Soldaten verlassen das Land – und hinterlassen ein Machtvakuum, das von Dschihadisten, ehemaligen Al-Qaida-Sympathisanten und einem höchst fragwürdigen neuen Regime gefüllt wird. Was als „Kampf gegen den Terror" begann, endet als geopolitisches Lehrstück über die Folgen westlicher Interventionspolitik.
Das Ende einer gescheiterten Strategie
Bereits vergangene Woche hatten die USA die abgelegene Al-Tanf-Garnison im Süden Syriens geräumt – einen Stützpunkt nahe der irakischen und jordanischen Grenze, der jahrelang als Druckmittel gegen die Assad-Regierung diente. Dort hatte Washington die sogenannte „Freie Syrische Armee" ausgebildet, eine Dachorganisation verschiedenster Fraktionen, unter denen sich nachweislich auch Dschihadisten befanden. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die Vereinigten Staaten finanzierten und bewaffneten Gruppen, deren ideologische Nähe zu Terrororganisationen kaum zu leugnen war.
Der Großteil der US-Streitkräfte war jedoch im Nordosten Syriens stationiert, dort wo sich die Öl- und Gasfelder konzentrieren – in den Provinzen Hasakah und Deir Ezzor. Über mehrere Wochen hinweg übergab das Pentagon seine zahlreichen kleinen Basen an die neue syrische Regierung unter Ahmed al-Sharaa. Dieser Mann ist besser bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Mohammad al-Jolani – ein Name, der jahrelang auf der US-Terrorliste stand. Erst nachdem er die Kontrolle über Damaskus übernahm, wurde er von dieser Liste gestrichen. Welch bemerkenswerte Flexibilität in der Terrorismusdefinition.
Trumps pragmatischer Kurswechsel
Seit Jahresbeginn wäge die Trump-Administration einen vollständigen Abzug ab, so berichten amerikanische Beamte. Washington habe das Jolani-Regime nach dem Sturz Bashar al-Assads vollumfänglich unterstützt – eine Entscheidung, die gelinde gesagt pikant anmutet. Denn US-Offizielle räumten gegenüber dem Wall Street Journal selbst ein, dass die neue syrische Armee „von dschihadistischen Sympathisanten durchsetzt" sei, darunter Soldaten mit Verbindungen zu Al-Qaida und dem Islamischen Staat sowie Personen, die in mutmaßliche Kriegsverbrechen gegen Kurden und Drusen verwickelt gewesen seien.
Die offizielle Begründung für den Abzug klingt nüchtern: Eine US-Militärpräsenz in Syrien sei nicht mehr notwendig, da die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) – der wichtigste amerikanische Partner im Kampf gegen den IS – nahezu vollständig aufgelöst worden seien. Ob der Rückzug mit dem gleichzeitigen militärischen Aufmarsch der USA gegen den Iran zusammenhänge, verneinten die Beamten ausdrücklich.
Die Kurden – erneut im Stich gelassen
Das eigentliche Drama dieses Abzugs spielt sich im Schicksal der Kurden ab. Ein Jahrzehnt lang trainierte und bewaffnete Washington die kurdisch dominierten SDF-Kräfte. Sie waren es, die den Großteil der Bodenkämpfe gegen den IS führten, die blutigen Schlachten schlugen, die amerikanische Soldaten nicht schlagen sollten. Nun werden sie fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Kurdische Anführer warnten bereits vor Angriffen durch sunnitische Hardliner unter der neuen Regierung in Damaskus – Warnungen, die in Washington offenbar auf taube Ohren stoßen.
Die Preisgabe der staatenlosen Kurden sei ein wiederkehrendes Muster amerikanischer Außenpolitik, konstatieren Beobachter. Ob im Irak 1991, ob nach dem Einmarsch 2003, ob nun in Syrien – wer sich auf Washington als verlässlichen Verbündeten verlässt, der ist, so scheint es, verlassen. Diese bittere Erkenntnis dürfte auch europäischen Verbündeten zu denken geben, die sich allzu bereitwillig auf amerikanische Sicherheitsgarantien verlassen.
Ein geopolitisches Warnsignal – auch für Europa
Der vollständige Abzug aus Syrien ist mehr als eine militärische Fußnote. Er markiert einen fundamentalen Wandel in der amerikanischen Nahostpolitik unter Trump, der seine Ressourcen offensichtlich für die Konfrontation mit dem Iran bündeln möchte. Gleichzeitig wirft er unbequeme Fragen auf: Was geschieht mit den IS-Gefangenen, die bislang von kurdischen Kräften bewacht wurden? Wer verhindert ein Wiedererstarken des Islamischen Staates in der Region? Und was bedeutet ein von Dschihadisten durchsetztes Syrien für die europäische Sicherheit?
Für Deutschland und Europa sollte dieser Vorgang ein Weckruf sein. Während sich die USA aus der Region zurückziehen, bleiben die Konsequenzen gescheiterter Interventionspolitik – Flüchtlingsströme, Terrorismus, Instabilität – vor allem ein europäisches Problem. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz wäre gut beraten, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und eine eigenständige, an deutschen Interessen orientierte Sicherheitspolitik zu formulieren, statt blind transatlantischen Vorgaben zu folgen.
Die Geschichte des westlichen Engagements in Syrien ist letztlich die Geschichte eines kolossalen Scheiterns: Hunderttausende Tote, Millionen Vertriebene, ein zerstörtes Land – und am Ende ein Regime, das von ehemaligen Terroristen geführt wird. Besser hätte man das Versagen interventionistischer Außenpolitik kaum illustrieren können.
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