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24.09.2026
17:12 Uhr
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Usbekistans Milliardenwette: Wird der Transit zum neuen Öl?

Usbekistans Milliardenwette: Wird der Transit zum neuen Öl?
Symbolbild: KI-generiert

Usbekistan will ans Meer, obwohl das Land keine Küste hat. Wie das Präsidialamt in Taschkent in dieser Woche mitteilte, sollen eigene Lager- und Umschlagstützpunkte am Kaspischen und am Schwarzen Meer entstehen, dazu Beteiligungen an Häfen im Südkaukasus. Gleichzeitig stellt Brüssel erneut Milliarden für den sogenannten Mittleren Korridor in Aussicht.

Gefangen im doppelten Binnenland

Die Geografie ist Usbekistans größtes Problem. Nur zwei Staaten der Welt sind doppelt von Binnenländern umschlossen: Usbekistan und das Fürstentum Liechtenstein. Jede usbekische Exportware muss also mindestens zwei Grenzen passieren, bevor sie einen Seehafen erreicht.

Das ist teuer. Ein Container nach Rotterdam kostet mehr als 5000 Euro, nach Shanghai über 5500 Euro. Bei manchen Agrargütern machen die Frachtkosten laut dem usbekischen Portal Anhor bis zu 200 Prozent der Herstellungskosten aus. Wer so kalkulieren muss, hat im internationalen Preiswettbewerb kaum eine Chance.

Poti, Aktau, Baku: Die Jagd nach dem Hafen

Präsident Schawkat Mirsijojew will aus der Schwäche eine Stärke machen. Mit Georgien gibt es bereits ein unterzeichnetes Abkommen: Im Schwarzmeerhafen Poti sollen usbekische Lager- und Transportanlagen entstehen, eine Machbarkeitsstudie ist geplant. Außerdem will sich Taschkent am Ausbau der Kaspi-Häfen Aktau in Kasachstan, Turkmenbaschi in Turkmenistan und Baku in Aserbaidschan beteiligen.

Auch am georgischen Tiefseehafen Anaklia zeigt Usbekistan Interesse. Das Projekt kämpft allerdings seit Jahren mit unsicherer Finanzierung und Verzögerungen, zuletzt soll sich China leise zurückgezogen haben. Und wer bezahlt das alles? Das ist nach eigener Aussage des Präsidialamts noch offen.

Die „Trump-Route“ als Tür nach Westen

Laut der Erklärung prüfen usbekische Beamte eine Beteiligung an TRIPP, der sogenannten Trump-Route. Sie soll Güter von Aserbaidschan über armenisches Gebiet in die Türkei bringen. Taschkent erwäge, einen Bahnabschnitt in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan zu sanieren, um Zugang zu den türkischen Häfen Samsun und Istanbul zu bekommen. Der Start von TRIPP wurde allerdings verschoben.

Brüssel kündigt viel an, gebaut ist wenig

Der Mittlere Korridor, offiziell Transkaspische Internationale Transportroute, verbindet China über Kasachstan, das Kaspische Meer, Aserbaidschan, Georgien und die Türkei mit Europa und umgeht dabei Russland. Mit mehr als 4250 Kilometern Schiene und rund 500 Kilometern Seeweg ist er laut Caspian Policy Center zwei- bis dreitausend Kilometer kürzer als die Nordroute.

In ihrer Rede zur Lage der Union kündigte Ursula von der Leyen an, über die Initiative Global Gateway bis zu zwölf Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Mitteln zu mobilisieren. Neu ist das nicht. Schon im Januar 2024 wurden zehn Milliarden zugesagt, im April 2025 folgten weitere zwölf. Nach Angaben der DGAP kamen 2024 und 2025 so insgesamt 22 Milliarden Euro zusammen. Kritiker fragen, wie viel davon tatsächlich in Schienen und Kaianlagen angekommen ist.

Die „zweite Ölquelle“ bringt schon Geld

In Taschkent heißt es inzwischen offen, die Logistik könne zur „zweiten Ölquelle“ werden. Die Zahlen passen dazu: 2025 lag der Außenhandelsumsatz bei 81,2 Milliarden Dollar, der Dienstleistungsexport bei 9,76 Milliarden. Etwa ein Drittel davon entfiel auf Transport, von Januar bis Mai 2026 waren es 36,2 Prozent.

Bis 2030 soll sich das Volumen der Transportdienstleistungen verdoppeln und das Transitvolumen auf 22 Millionen Tonnen steigen. Usbekistan setzt dabei nicht nur auf eine Route. Parallel laufen die Nord-Süd-Route, die Bahnstrecke China–Kirgisistan–Usbekistan und der Transafghanische Korridor.

Das Problem im eigenen Land: die Schattenwirtschaft

Das größte Hindernis sieht die Regierung selbst im Inland:

„Der Anteil der Schattenwirtschaft am Güterverkehr übersteigt noch immer 42 Prozent.“

Abhilfe sollen digitale Register und Echtzeit-Tracking schaffen. Erste Ergebnisse gibt es: Das System „Export in drei Schritten“ hat die Zollstufen von neun auf drei reduziert und die Abfertigung von einem Tag auf eine Stunde verkürzt. Die Kosten sanken im Schnitt um 35 Prozent. Solche Zahlen würde sich mancher deutsche Mittelständler auch für die Verwaltung im eigenen Land wünschen.

Für Brüssel ist der Korridor vor allem ein geopolitisches Projekt. Taschkent sieht ihn eher als eine Option unter mehreren, denn Usbekistan will sich möglichst viele Wege offenhalten, um von keinem einzelnen abhängig zu sein.

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