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Kettner Edelmetalle
09.08.2026
14:04 Uhr
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Weltrekord-Nussknacker vor dem Aus: Traditionsfirma ist pleite

Weltrekord-Nussknacker vor dem Aus: Traditionsfirma ist pleite
Symbolbild: KI-generiert

Sie bauten die höchste Stufenpyramide der Welt, den größten Nussknacker der Erde – und schickten erzgebirgische Weihnachtskunst bis nach Tokio und Texas. Jetzt ist Schluss: Die Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz GmbH RuT aus Oederan in Sachsen hat am 7. August beim Amtsgericht Chemnitz Insolvenz angemeldet. Rund 30 Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze.

Ein Stück deutscher Identität in der Schieflage

Wer schon einmal über den Dresdner Striezelmarkt geschlendert ist, kennt das Werk dieser Handwerker: Die 14,60 Meter hohe Stufenpyramide, gebaut 1997, schaffte es ins Guinnessbuch der Rekorde. Ebenso der 7,14 Meter hohe Nussknacker, der vor dem Werkstor Wache hält.

Die Riesenfiguren wurden zum Exportschlager. Sie stehen in Texas, in Alabama, eine sogar in Tokio. In Deutschland schmücken sie Weihnachtsmärkte in Berlin, Erfurt, Stuttgart und Mainz. Rund 80 Dekofiguren – vom Nussknacker bis zum Osterhasen – umfasst das Sortiment.

Hundert Jahre Geschichte, zwei Systeme, ein Lebenswerk

Die Wurzeln des Betriebs reichen in die 1920er-Jahre zurück. Zu DDR-Zeiten firmierte man als VEB Raum- und Tafelschmuck Gahlenz. Nach der Wiedervereinigung übernahmen zwei damalige Mitarbeiter, Jochen Schumann und Gundolf Berger, das Unternehmen von der Treuhand – ein klassisches Stück ostdeutscher Aufbauarbeit.

Jetzt müssen die beiden versuchen, ihr Lebenswerk zu retten. Die Insolvenzverwaltung übernimmt Medienberichten zufolge die Kanzlei Flöther & Wissing. Zu einer Presseanfrage äußerten sich die Geschäftsführer am Wochenende nicht.

Warum die Zahlen schon vorher eng waren

Ganz überraschend kommt die Schieflage nicht. Laut Geschäftsbericht 2023/24, ausgewiesen in der Wirtschaftsdatenbank North Data, erwirtschaftete das Unternehmen einen Überschuss von knapp 132.000 Euro. Für eine personalintensive Manufaktur, die vieles in Handarbeit fertigt, ist das kein Polster, sondern eine hauchdünne Decke.

Genau hier liegt aus Sicht unserer Redaktion das strukturelle Problem vieler deutscher Handwerksbetriebe: Wer mit Handarbeit produziert, hat Lohnkosten, Energiekosten und BĂĽrokratieaufwand als dominante Faktoren. Steigen diese schneller als die Preise, die der Markt hergibt, bleibt am Ende nichts ĂĽbrig.

Ein Muster, das sich häuft

Gahlenz ist kein Einzelfall. Erst kürzlich meldete ein deutscher Fahrradhersteller mit rund 370 Beschäftigten Insolvenz an. Die Insolvenzzahlen im produzierenden Mittelstand haben sich zuletzt spürbar erhöht – und mit jedem Betrieb verschwindet nicht nur eine Bilanz, sondern Können, das über Generationen weitergegeben wurde.

Wenn eine Firma, die Weltrekorde hält und deren Produkte auf vier Kontinenten stehen, wirtschaftlich am Limit arbeitet, stellt sich die Frage nach den Rahmenbedingungen des Standorts.

Ein Hoffnungsschimmer im September

Aufgeben wollen die Sachsen offenbar nicht. Laut Firmenwebsite stellen die Drechsler vom 5. bis 7. September auf der Geschenkemesse Cadeaux in Leipzig aus. Das Weihnachtsgeschäft ist für die Branche entscheidend – vielleicht der letzte Rettungsanker.

Für viele Bürger ist dieser Fall mehr als eine Firmenpleite. Es geht um gewachsene Tradition, um Heimat, um Arbeitsplätze in der Fläche. Und um die Frage, wie viel deutsches Handwerk sich Deutschland künftig noch leisten kann.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂźlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die Einordnungen geben die Auffassung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. FĂĽr eigene wirtschaftliche Entscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich.

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