
Wenn der „Männerberater" in die Kita will: ARD gibt Zensurforderungen eine Bühne
Es gibt Momente, in denen man sich fragt, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland noch irgendeinen Bezug zur Lebensrealität der Bürger hat. Der Donnerstagmorgen im ARD-Morgenmagazin lieferte einen solchen Moment. Dort durfte ein selbsternannter „Männerberater" namens Boris von Heesen unwidersprochen fordern, dass der Staat gegen sogenannte „antifeministische" Inhalte in sozialen Medien vorgehen müsse – und dass man dafür „in Schulen und Kitas rein" müsse. Man reibt sich die Augen.
Die neue Bedrohung: Datingtipps auf Social Media
Was war der Anlass für diesen bemerkenswerten Auftritt? Videos von Influencern, die fragwürdige Datingtipps verbreiten. Ja, Sie haben richtig gelesen. Nicht die explodierende Messerkriminalität, nicht die marode Infrastruktur, nicht die schleichende Deindustrialisierung Deutschlands – nein, Datingtipps im Internet seien das Problem, gegen das der Staat mit aller Macht vorgehen müsse. Von Heesen bezeichnete diese Inhalte allen Ernstes als „demokratiegefährdend" und konstruierte eine abenteuerliche Kausalkette: Antifeminismus führe „auch immer zu antidemokratischen Ansichten". Da müsse der Staat „mit entsprechenden Maßnahmen intervenieren".
Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen. Wer nicht dem feministischen Mainstream folgt, gefährdet also die Demokratie. Wer traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit vertritt, ist ein Feind der freiheitlichen Grundordnung. Orwell hätte es nicht besser erfinden können.
Algorithmen als Sündenbock – und der Ruf nach Zensur
Besonders entlarvend war der Moment, als eine Moderatorin die naheliegende Frage stellte, wie sich solche staatlichen Eingriffe mit der Meinungsfreiheit vereinbaren ließen. Die Antwort des „Männerberaters" war ein rhetorisches Kunststück der besonderen Art: Nicht etwa die von ihm geforderte Zensur schränke die Meinungsfreiheit ein, sondern die Algorithmen selbst seien es, die die Meinungsfreiheit beschneiden würden – indem sie antifeministische Videos stärker verbreiteten. Eine geradezu groteske Verdrehung der Tatsachen.
Denn jeder, der auch nur rudimentär versteht, wie Social-Media-Algorithmen funktionieren, weiß: Die Plattformen spielen den Nutzern das aus, was diese sehen wollen. Wenn junge Männer sich für bestimmte Inhalte interessieren, dann liegt das nicht an einer finsteren Verschwörung der „Techlords im Silicon Valley", sondern schlicht daran, dass diese Inhalte eine Nachfrage bedienen. Doch statt sich mit den Ursachen dieser Nachfrage auseinanderzusetzen – etwa der zunehmenden Orientierungslosigkeit junger Männer in einer Gesellschaft, die ihnen permanent erklärt, dass traditionelle Männlichkeit toxisch sei – fordert von Heesen lieber staatliche Regulierung.
„Wir müssen in Schulen und Kitas rein"
Der vielleicht verstörendste Aspekt des Auftritts war die Forderung nach einer „flächendeckenden Männerberatung". Von Heesen wurde dabei erschreckend konkret: Man müsse „in Schulen, in Kitas rein, um da ungesunde Bilder aufzubrechen". Auch „in Betriebe" wolle man, um Männern „Alternativen von Männlichkeit" aufzuzeigen. Was hier als harmlose Beratung verkauft wird, ist nichts anderes als der Versuch einer ideologischen Umerziehung – und zwar beginnend im Kleinkindalter.
Man stelle sich das einmal vor: Während deutsche Schulen bei internationalen Bildungsvergleichen auf den hinteren Plätzen landen, während Lehrkräfte fehlen und der Unterricht in Kernfächern wie Mathematik und Deutsch auf erschreckendem Niveau stagniert, sollen nun auch noch „Männerberater" in die ohnehin überlasteten Bildungseinrichtungen einziehen. Statt Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, sollen sie offenbar lernen, dass ihre natürlichen Vorstellungen von Geschlechterrollen „ungesund" seien und „aufgebrochen" werden müssten.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Echokammer
Dass ein solcher Auftritt im ARD-Morgenmagazin überhaupt stattfinden konnte, ohne dass auch nur ein einziger kritischer Gegenpart zu Wort kam, spricht Bände über den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Es ist bezeichnend, dass der „Männerberater" seine weitreichenden Forderungen nach staatlicher Zensur und ideologischer Indoktrination von Kleinkindern praktisch unwidersprochen vortragen durfte.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wie eine Auswertung des ÖRR Blogs im Juni 2025 ergab, waren in den ersten 100 Sendungen des Morgenmagazins von ARD und ZDF nach der Bundestagswahl 143 Politiker zu Gast. Davon gehörten gerade einmal drei der AfD an – einer Partei, die bei der letzten Bundestagswahl über 20 Prozent der Stimmen erhielt. Der Anteil an den Gästen betrug somit lächerliche zwei Prozent. Jeder fünfte Wähler in Deutschland wird im öffentlich-rechtlichen Fernsehen also systematisch unterrepräsentiert, während selbsternannte „Männerberater" eine Plattform für ihre Umerziehungsphantasien erhalten.
Die eigentlichen Probleme bleiben unbenannt
Was bei der gesamten Debatte auffällt, ist das ohrenbetäubende Schweigen über die tatsächlichen Herausforderungen, denen sich junge Männer in Deutschland gegenübersehen. Die Jugendarbeitslosigkeit, die fehlenden Perspektiven in strukturschwachen Regionen, die zunehmende Gewalt auf den Straßen, die Erosion traditioneller Gemeinschaftsstrukturen – all das wird ausgeblendet zugunsten einer ideologisch aufgeladenen Debatte über „toxische Männlichkeit" und „Antifeminismus".
Dass ausgerechnet jene Kreise, die seit Jahren alles Traditionelle als rückständig diffamieren, sich nun wundern, dass junge Männer sich radikaleren Stimmen im Internet zuwenden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wer einer ganzen Generation junger Männer permanent erklärt, dass ihre natürlichen Instinkte, ihre Vorstellungen von Familie und Partnerschaft, ja ihr gesamtes Selbstverständnis „problematisch" sei, der darf sich nicht wundern, wenn diese Generation sich anderswo Orientierung sucht.
Die Lösung liegt nicht in mehr Zensur, nicht in mehr staatlicher Umerziehung und schon gar nicht in „Männerberatern" in Kitas. Die Lösung liegt in einer Gesellschaft, die jungen Menschen – Männern wie Frauen – wieder echte Perspektiven bietet, die traditionelle Werte wie Familie, Verantwortung und Leistungsbereitschaft nicht als Relikte einer vergangenen Zeit abtut, sondern als das anerkennt, was sie sind: das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft. Doch für diese Erkenntnis bräuchte es Mut – und den sucht man im ARD-Morgenmagazin offenbar vergeblich.

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