
Wenn ein Selfie zum Staatsakt wird: MDR ermittelt gegen lächelnde Schülerinnen
Es ist ein Bild, wie es harmloser kaum sein könnte: Ein Politiker posiert mit einer Gruppe fröhlicher Schülerinnen für ein Selfie. Doch weil besagter Politiker das falsche Parteibuch trägt, wird aus einem harmlosen Schnappschuss offenbar ein Fall für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Was in Deutschland im Jahr 2026 als berichtenswert gilt, offenbart mehr über den Zustand unserer Medienlandschaft als über die eigentliche Nachricht.
Ein Foto, das die Republik erschüttert
Ulrich Siegmund, AfD-Ministerpräsidentenkandidat in Sachsen-Anhalt, besuchte den Landtag gemeinsam mit einer 10. Klasse des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums in Osterburg. Die Schülerinnen hätten ihn proaktiv um ein Gespräch gebeten – zusammen mit einem CDU-Abgeordneten, wohlgemerkt. Nach einem rund einstündigen Austausch wollten die jungen Frauen ein Selfie mit dem Politiker. Siegmund habe gefragt, ob er das Foto veröffentlichen dürfe. Die Antwort könne man sich vorstellen, so der AfD-Mann in einem Reaktionsvideo.
Das Bild ging auf der Plattform X viral und erreichte über 900.000 Impressionen. Soweit, so unspektakulär – sollte man meinen. Doch was dann geschah, liest sich wie eine Realsatire, die sich kein Drehbuchautor hätte ausdenken können.
Der MDR rückt aus – mit Kamerateam
Am Freitagmorgen stand ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks vor den Toren des Gymnasiums. Der Grund? Ein Selfie. Kein Skandal, keine Straftat, kein Missbrauch – ein Foto lächelnder Schülerinnen mit einem demokratisch gewählten Abgeordneten. Der MDR bestätigte den Besuch des Kamerateams an der Schule. Zuvor hatte sich bereits MDR-Journalist Gunnar Breske kritisch zu dem Selfie geäußert und öffentlich mehrere Fragen dazu gestellt.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, finanziert durch Zwangsgebühren der Bürger, schickt ein komplettes Kamerateam an eine Schule, weil Teenager freiwillig ein Foto mit einem Politiker gemacht haben. Hätten dieselben Schülerinnen ein Selfie mit einem Grünen-Politiker geschossen, wäre das vermutlich als leuchtendes Beispiel für politisches Engagement der Jugend gefeiert worden. Aber es war eben ein AfD-Kandidat – und damit beginnt in diesem Land offenbar automatisch die journalistische Großfahndung.
Die Schule distanziert sich – natürlich
Wie auf Knopfdruck folgte das erwartbare Ritual der Unterwerfung. Das Markgraf-Albrecht-Gymnasium veröffentlichte auf Instagram ein dreikacheliges Statement, in dem es sich von dem Foto distanzierte. Das Selfie sei „weder im Auftrag der Schule noch im Auftrag der begleitenden Lehrkraft entstanden". Man distanziere sich von den „verbundenen verbalen politischen Botschaften" und stelle klar, dass man weder der „Rückenwind" einer Partei sei noch einer Partei „Zuspruch" gebe.
Besonders pikant: Alle drei Bildkacheln trugen das Logo von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". Courage scheint in diesem Fall allerdings nur in eine Richtung zu gelten. Denn was wäre mutiger gewesen als ein simples Statement, dass die politische Präferenz der Schüler deren Privatsache sei und die Schule demokratische Wertebildung für alle Parteien betreibe? Stattdessen das übliche Distanzierungstheater, das mittlerweile reflexhaft abgespult wird, sobald die drei Buchstaben A-f-D fallen.
Kontaktschuld als neues Gesellschaftsprinzip
Was hier geschieht, ist symptomatisch für ein Deutschland, in dem das Prinzip der Kontaktschuld längst zum gesellschaftlichen Leitmotiv geworden ist. Wer mit dem Falschen spricht, wer mit dem Falschen lacht, wer mit dem Falschen auf einem Foto zu sehen ist – der muss sich erklären, distanzieren, büßen. Dass es sich bei der AfD um eine zugelassene Partei handelt, deren Kandidat in Sachsen-Anhalt laut aktuellen Umfragen bei 39 bis 40 Prozent steht, scheint dabei keine Rolle zu spielen.
Die angestrebte absolute Mehrheit Siegmunds ist durchaus im Bereich des Möglichen, wenn man berücksichtigt, dass rund zehn Prozent der Stimmen aufgrund der Fünf-Prozent-Hürde voraussichtlich nicht im Parlament vertreten sein werden. Dass eine Partei mit solchen Zustimmungswerten behandelt wird, als handele es sich um eine kriminelle Vereinigung, mit der jeder Kontakt sofort öffentlich gebeichtet werden muss – das sagt weniger über die AfD aus als über den Zustand unserer sogenannten Demokratie.
Die Jugend lässt sich nicht mehr einschüchtern
Was bei all dem Aufruhr fast untergeht: Die eigentliche Nachricht ist eine erfreuliche. Junge Menschen interessieren sich für Politik, suchen aktiv das Gespräch mit Abgeordneten verschiedener Parteien und bilden sich eine eigene Meinung. Sie lassen sich offenbar nicht mehr von der allgegenwärtigen Stigmatisierung einschüchtern, die jeden zum Paria erklärt, der auch nur in die Nähe eines AfD-Politikers gerät.
Dass Siegmund nicht nur um ein Selfie, sondern auch um Grußvideos für Eltern gebeten wurde, zeigt: Hier war kein inszenierter Propagandaauftritt am Werk, sondern ein ganz normaler, menschlicher Moment. Die Schülerinnen wussten, mit wem sie es zu tun hatten – und wollten trotzdem, oder gerade deshalb, ein Foto.
Vielleicht sollte der MDR seine Kamerateams künftig lieber dorthin schicken, wo tatsächlich Probleme existieren – in die zunehmend unsicheren Innenstädte, an die überlasteten Schulen, in die maroden Krankenhäuser. Aber ein Selfie lächelnder Mädchen mit einem AfD-Politiker zu „investigieren" – das ist offenbar die Prioritätensetzung, für die der deutsche Gebührenzahler monatlich zur Kasse gebeten wird. Man kann nur hoffen, dass die Bürger in Sachsen-Anhalt bei der nächsten Wahl zeigen, was sie von dieser Art des „Journalismus" halten.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











