
Wenn Komiker zu Moralaposteln werden: Hape Kerkeling preist die Segnungen der Wokeness

Es gibt Momente, in denen man sich fragt, ob die deutsche Unterhaltungsbranche noch irgendeinen Bezug zur Lebensrealität der normalen Bürger hat. Der jüngste Beweis für diese zunehmende Entfremdung liefert ausgerechnet Hape Kerkeling, einst gefeiert für seinen anarchischen Humor und unvergessene Sketche wie den legendären Auftritt als Königin Beatrix oder das absurde Kunstlied „Hurz". Nun hat sich der 60-jährige Komiker in einem Interview zum Filmstart seines neuen Werkes „Extrawurst" als glühender Verfechter der Wokeness geoutet – und dabei Aussagen getätigt, die selbst hartgesottene Beobachter des deutschen Kulturbetriebs erschaudern lassen.
Die Selbstgeißelung eines einstigen Humoristen
„Es wird immer so geschimpft auf die sogenannte Wokeness. Ich möchte hier mal eine Lanze für die Wokeness brechen", verkündete Kerkeling mit der Inbrunst eines frisch Bekehrten. Wokeness bedeute nichts anderes, als dass man sensibler für sein Gegenüber werde und dessen Grenzen respektiere. Eine Definition, die so harmlos klingt wie ein Werbespot für Kräutertee – und dabei die Realität dieser ideologischen Bewegung vollständig ausblendet.
Besonders bemerkenswert ist Kerkelings rückblickende Selbstkritik an seinem eigenen Schaffen. Er hätte, so der Komiker, schon früher darauf achten müssen, „dass sich überhaupt keine Diskriminierung in meiner Kunst findet". Man fragt sich unwillkürlich: Welche seiner Werke meint er damit? Die Parodien, die einst Millionen zum Lachen brachten? Die Sketche, die gerade deshalb funktionierten, weil sie Grenzen ausloteten und Tabus brachen?
Sprachpolizei im Dienste der guten Sache
Als Beispiel für seine neue Sensibilität führt Kerkeling an, er habe in seinem letzten Buch bewusst auf den Begriff „bucklige Verwandtschaft" verzichtet. Dieser Ausdruck sei „ein diskriminierender Begriff". Hier offenbart sich das ganze Ausmaß der sprachlichen Selbstzensur, die mittlerweile selbst vor harmlosen Redewendungen nicht mehr Halt macht. Eine Gesellschaft, die sich an solchen Begriffen abarbeitet, während echte Probleme ungelöst bleiben, hat offensichtlich den Kompass verloren.
Noch absurder wird es, wenn Kerkeling Quoten als „besonders großartiges Konzept" lobt. Diese würden dafür sorgen, dass „Menschen mit diversen Hintergründen verstärkt in Fernsehspielen auftreten". Die Ironie dabei: In seinem eigenen Film „Extrawurst" ist lediglich Fahri Yardim als Darsteller mit erkennbarem Migrationshintergrund zu sehen. Offenbar gelten die eigenen Maßstäbe nicht für die eigene Produktion – ein Phänomen, das man bei Verfechtern der Wokeness immer wieder beobachten kann.
Die politische Positionierung als Pflichtübung
Selbstverständlich durfte auch die obligatorische Distanzierung von der AfD nicht fehlen. Kerkeling betrachtet dies als seine „Pflicht als Staatsbürger" und beruft sich dabei auf das Grundgesetz. Dieses gelte für ihn „immer, auch an einem verhangenen Montagvormittag" – und sogar für „deutsche Reichtumsmigranten in Dubai". Ein Seitenhieb, der zeigt, wie tief die Verachtung für jene sitzt, die dem deutschen Steuersystem den Rücken kehren.
Pikant dabei: Kerkeling selbst hat Berlin verlassen und ist nach Köln gezogen. Die Gründe dafür hat er in früheren Interviews durchaus angedeutet – er fühle sich in der Hauptstadt nicht mehr sicher. Dass diese Unsicherheit möglicherweise weniger mit AfD-Wählern als vielmehr mit den Folgen einer verfehlten Migrationspolitik zusammenhängen könnte, scheint dem Komiker nicht in den Sinn zu kommen. Oder er wagt es schlicht nicht, diese Verbindung herzustellen.
Die Kritik wird „zunehmend idiotischer"
Auf den Gegenwind, den er für seine politischen Äußerungen erhält, reagiert Kerkeling mit demonstrativer Gelassenheit – und einer gehörigen Portion Arroganz. Die Kritik werde „zunehmend idiotischer", weshalb er mit seiner Haltung weiter öffentlich auftreten wolle. Er sei gespannt, „wie idiotisch es noch wird". Eine Aussage, die exemplarisch für die Haltung vieler Kulturschaffender steht: Wer anderer Meinung ist, kann nur ein Idiot sein.
Was Kerkeling dabei übersieht oder bewusst ignoriert: Die sogenannte Wokeness hat in den vergangenen Jahren zu einer massiven Spaltung der Gesellschaft beigetragen. Sie hat Debatten vergiftet, Karrieren zerstört und eine Atmosphäre der Angst geschaffen, in der Menschen ihre Meinung nicht mehr frei äußern können. Dass ausgerechnet ein Komiker, dessen Beruf es einst war, Grenzen zu überschreiten und zum Nachdenken anzuregen, nun zum Verfechter dieser Ideologie wird, ist eine bittere Ironie der Geschichte.
Der Niedergang des deutschen Humors
Kerkelings Wandlung vom anarchischen Humoristen zum woken Moralapostel steht symptomatisch für den Zustand der deutschen Unterhaltungsbranche. Wo einst Mut zur Provokation herrschte, regiert heute die Angst vor dem falschen Wort. Wo früher gelacht wurde, wird heute belehrt. Und wo einst Künstler ihr Publikum herausforderten, biedern sie sich heute dem Zeitgeist an.
Die Reaktionen in den sozialen Medien und Kommentarspalten zeigen deutlich: Viele Menschen haben genug von dieser Entwicklung. Sie wollen keine Komiker, die ihnen erklären, wie sie zu denken haben. Sie wollen Unterhaltung, die diesen Namen verdient. Und sie wollen Künstler, die den Mut haben, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen – statt sich hinter der Fassade der vermeintlichen Sensibilität zu verstecken.
Hape Kerkeling mag glauben, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Doch die Geschichte hat schon oft gezeigt, dass jene, die sich für moralisch überlegen hielten, am Ende als die eigentlichen Verblendeten dastanden. Früher war eben mehr Hurz – und weniger Haltung.
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