
Wirtshaus-Sterben in Deutschland: 69.000 Betriebe haben aufgegeben!

Deutschlands Gastronomie verliert immer mehr Betriebe. Nach Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform haben zwischen 2020 und 2025 rund 69.000 gastronomische Unternehmen dichtgemacht, dazu kamen mehr als 11.200 Insolvenzen. Auch im Herbst 2026 deutet nichts auf eine Erholung hin. Im Gegenteil: Viele Wirte greifen inzwischen zu Mitteln, die nach Verzweiflung aussehen.
Wenn der Stammtisch für immer verstummt
Allein 2024 und 2025 sind laut Creditreform rund 24.500 Gaststätten und Restaurants vom Markt verschwunden. 2025 meldeten rund 2.900 Gastronomiebetriebe Insolvenz an, 29,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Am härtesten trifft es kleine, inhabergeführte Häuser, die kaum Rücklagen haben.
In Bayern, wo das Wirtshaus so sehr zur Kultur gehört wie der Maibaum, sind die Insolvenzverfahren im Gastgewerbe 2025 nach Verbandsangaben um 47,7 Prozent auf 387 Fälle gestiegen. Jede Schließung kostet mehr als einen Mittagstisch. Mit ihr gehen Arbeitsplätze verloren, Aufträge für Metzger und Brauereien aus der Region und oft auch der letzte Treffpunkt im Dorf.
Die Kasse klingelt, aber die Rechnung geht nicht auf
Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts machen die Lage nicht besser. Real ist der Umsatz der Gastronomie im August 2026 gegenüber Juli um 1,8 Prozent gesunken, im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 5,4 Prozent. Nominal nahmen die Betriebe zwar 2,4 Prozent mehr ein. Das liegt aber nur an den höheren Preisen. Tatsächlich verkaufen die Wirte weniger Essen und weniger Getränke, während Miete, Löhne und Energie weiter anfallen. Im gesamten Gastgewerbe lag das reale Minus Medienberichten zufolge bei 4,2 Prozent.
Der Grund ist die schwindende Kaufkraft. Gastronomieberater Björn Grimm verweist auf Umfragen, nach denen rund 42 Prozent der Gäste beim Restaurantbesuch sparen. Sie weichen auf günstigere Angebote aus oder bleiben ganz zu Hause. Am stärksten verliert das mittlere Preissegment, also genau die gutbürgerliche Küche, die viele Ortschaften prägt.
Buffet ohne Limit: Ausweg oder Falle?
Manche Betreiber holen deshalb ein altes Konzept zurück, nämlich All-inclusive-Buffets zum Festpreis. Der Gast weiß vorher, was er zahlt, und der Wirt hofft auf volle Tische. Grimm hält das für ein Zeichen wirtschaftlicher Verzweiflung. Die Betriebe versuchten damit, ihre ohnehin sinkenden Umsätze wenigstens teilweise zu halten.
Das Risiko ist groß. Wer ein Buffet anbietet, muss große Mengen Lebensmittel einkaufen und vorbereiten, ohne zu wissen, wie viele Gäste kommen. Was übrig bleibt, landet im Müll und geht direkt von der Marge ab. Ein volles Restaurant ist deshalb noch kein profitables. Wer zu knapp kalkuliert, vergrößert womöglich genau die Verluste, die er vermeiden wollte.
Steuersenkung hilft, löst das Problem aber nicht
Die Bilanzen sind ernüchternd. Laut Creditreform macht rund ein Drittel der untersuchten Betriebe Verluste, weitere 30 Prozent kommen auf weniger als fünf Prozent Marge. Eigenkapital für längere Durststrecken haben viele nicht mehr.
Seit Januar 2026 gilt für Speisen wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Die Branche hatte das lange gefordert, nachdem der Corona-Rabatt Anfang 2024 ausgelaufen war und der Satz auf 19 Prozent zurücksprang. Die Entlastung kommt an, bremst den Abwärtstrend aber nicht. Die schweren Lasten bleiben: hohe Energiepreise, steigende Personalkosten durch den höheren Mindestlohn, teure Lebensmittel und reichlich Bürokratie.
Viele schließen, bevor die Insolvenz kommt
Besonders bedenklich ist, dass viele Wirte gar nicht erst auf die Insolvenz warten. Sie hören vorher auf, um nicht noch mehr Geld zu verlieren, und tauchen deshalb in keiner Insolvenzstatistik auf. Für die Beschäftigten, die Lieferanten und den Ort ist das Ergebnis dasselbe. Ein Buffet kann einem einzelnen Haus kurzfristig Luft verschaffen, ein tragfähiges Geschäftsmodell ersetzt es nicht. Ohne spürbar niedrigere Kosten und eine wieder steigende Nachfrage dürften noch viele Lichter in deutschen Gaststuben ausgehen.
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