
15 Flieger für 130 Menschen: NRWs teure Abschiebe-Bilanz

Nordrhein-Westfalen hat seit Anfang 2025 insgesamt 15 Flugzeuge eigens chartern lassen, um rund 130 Ausreisepflichtige in andere EU-Staaten zu bringen. Das teilte das Düsseldorfer Flüchtlingsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Macht im Schnitt rund neun Passagiere pro Maschine – ein Wert, der in der Luftfahrt normalerweise als betriebswirtschaftlicher Totalschaden gilt.
Ein Airbus für sieben Männer
Bekannt geworden war zunächst nur der erste dieser Flüge. Vor rund anderthalb Jahren ließ das Land einen kompletten Airbus anmieten, um sieben ausreisepflichtige Männer – vier syrische und drei afghanische Staatsangehörige – nach Sofia zu bringen.
An Bord: die Betroffenen, ihre Begleiter, die Crew. Sonst niemand. Medienberichten zufolge stellte das Charterunternehmen dem Land damals gut 63.400 Euro in Rechnung; weil sich die Bundespolizei an den Kosten beteiligte, verblieben laut den Berichten rund 39.200 Euro beim Land. Pro abgeschobener Person also ein hoher vierstelliger Betrag.
Dass es seither 14 weitere solcher Flüge gab, erfuhr die Öffentlichkeit erst jetzt – auf Nachfrage einer Nachrichtenagentur.
Nicht Kabul, sondern Kroatien
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich nicht um Abschiebungen in die Herkunftsländer. Nach Darstellung des Ministeriums erfolgten sämtliche Rückführungen im Rahmen des Dublin-Systems – die Betroffenen wurden also in jenen EU-Staat überstellt, in dem sie erstmals registriert worden waren.
Die magere Auslastung erklärt die Landesregierung mit den Bedingungen der Zielstaaten. Diese gäben häufig vor, wie viele Personen pro Flug übernommen werden dürften; oft liege die Grenze bei zehn. Eine Ministeriumssprecherin erklärte:
„NRW kann diesbezüglich keinen Einfluss nehmen und ist an die Vorgaben entsprechend gebunden.“
Das eigentliche Problem sitzt in Brüssel
Der Verweis auf fremde Vorgaben mag juristisch stimmen – politisch ist er ein Offenbarungseid. Denn er beschreibt exakt jenes System, das seit Jahren als funktionsfähig verkauft wird und in der Praxis Zehntausende Verfahren produziert, aus denen nur ein Bruchteil tatsächliche Überstellungen wird.
Die Zahlen sprechen für sich: Nach Angaben des Mediendienstes Integration stellte Deutschland 2025 rund 35.900 Übernahmeersuchen an andere Dublin-Staaten – überstellt wurden am Ende 5.377 Personen. Im Gegenzug kamen 4.865 Menschen nach Deutschland zurück. Unterm Strich blieb also kaum etwas übrig.
Im ersten Halbjahr 2026 fiel die Bilanz sogar negativ aus: 1.698 Überstellungen aus Deutschland standen 2.261 Überstellungen nach Deutschland gegenüber. Ein Staat, der mit Chartermaschinen gegen die eigene Statistik anfliegt – so wirkt das aus Sicht unserer Redaktion.
Wenn Verwaltung teurer wird als Ergebnisse
Für viele Bürger dürfte weniger die Rückführung selbst empörend sein als der Aufwand dahinter. Wer jeden Monat Steuern und Abgaben abführt, erwartet, dass der Staat wenigstens rechnen kann. Kritiker der bisherigen Migrationspolitik sehen hier ein Symptom: Nicht der Vollzug scheitert am Geld, sondern am politischen Regelwerk, das sich Deutschland selbst auferlegt hat.
Bulgarien, Kroatien, Italien – die Zielstaaten setzen die Bedingungen. Berlin und Düsseldorf zahlen. Und der Bürger fragt sich, wofür eigentlich.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.
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