
320 Milliarden Dollar: Füllt Europa trotz Sanktionen Putins Kasse?

Moskau präsentiert der EU die Rechnung für ihre eigene Sanktionspolitik. Russland will seit 2022 Energie im Wert von 320,7 Milliarden Dollar an EU-Staaten verkauft haben, umgerechnet rund 287 Milliarden Euro. Die Zahl nannte Vizeregierungschef Alexander Nowak am Montag im russischen Staatsfernsehen.
Die Botschaft aus dem Kreml ist kaum zu überhören. Und für Brüssel ist sie äußerst unangenehm.
Eine Zahl mit vielen Fragezeichen
Wie die Agentur Interfax meldet, äußerte sich Nowak im Sender Rossija 24 und stützte sich dabei auf Daten des russischen Energieministeriums. Allein von Januar bis September dieses Jahres seien Energieressourcen für 21,3 Milliarden Dollar in die EU geflossen, also rund 19 Milliarden Euro. Russland halte sich an bestehende Verträge. Den größten Teil seiner Exporte habe das Land aber längst nach Asien umgelenkt.
Ob die Summe stimmt, lässt sich nicht unabhängig prüfen. Nowak nannte weder einzelne Energieträger noch die Abnehmerländer. Offen blieb auch, ob seine Rechnung am 1. Januar 2022 beginnt oder erst mit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar. Zudem sprach er ganz allgemein von „Energieressourcen“, also nicht nur von Öl und Gas. Moskau betreibt hier ganz offensichtlich auch Propaganda. Den Kern der Sache ändert das aber nicht.
Das Sanktionsregime ist voller Lücken
Die EU hat ihre Sanktionen nur Schritt für Schritt eingeführt, und nicht jede Lieferung ist davon betroffen. Russisches Rohöl per Tanker ist weitgehend verboten. Für Pipelines gelten dagegen Ausnahmen. Davon profitieren vor allem Ungarn und die Slowakei, die weiter Öl über die Druschba-Leitung beziehen. Weitere Importe sind deshalb nicht automatisch ein Verstoß gegen Sanktionen. Sie zeigen aber, wie viele Ausnahmen die Regeln enthalten.
Ähnlich sieht es beim Gas aus. Russisches Erdgas kommt weiter per Pipeline und als Flüssigerdgas (LNG) nach Europa. Für LNG aus langfristigen Verträgen gilt laut EU-Kommission eine Übergangsfrist bis Jahresende. Erst ab dem 1. Januar 2027 sollen auch diese Einfuhren verboten sein.
Paris, Brüssel und Madrid kaufen kräftig ein
Auch europäische Zahlen belegen die Importe. Laut Eurostat kamen im zweiten Quartal 17,3 Prozent der LNG-Importe der EU aus Russland. Beim Pipelinegas lag der russische Anteil bei 10,2 Prozent. Einem Reuters-Bericht zufolge bezogen EU-Staaten im ersten Halbjahr 9,97 Millionen Tonnen LNG allein aus der russischen Anlage Jamal. Nach Daten des Analysehauses Kpler waren das 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den größten Abnehmern zählten Frankreich, Belgien und Spanien.
Für deutsche Bürger und Betriebe ist das bitter. Sie zahlen seit Jahren hohe Energiepreise, während andere Länder offenbar weiter günstig in Russland einkaufen. Wer hier noch an eine gemeinsame europäische Linie glaubt, muss schon sehr optimistisch sein.
Trumps Diesel-Deal sorgt für Ärger
Nowaks Auftritt fällt in einen Streit in Washington. US-Präsident Donald Trump hat eine Vereinbarung über russische Diesellieferungen angekündigt. Am Montag verteidigte er sie gegen Kritik aus beiden großen Parteien: Mehr Diesel könne die Spritpreise senken und Landwirte entlasten. Nowak zufolge laufen bereits Gespräche, Russland könne seine Dieselexporte bis Jahresende auf 3,5 Millionen Tonnen pro Monat steigern. Das ist allerdings nur eine Prognose der russischen Regierung.
Der republikanische Senator Jerry Moran warnte laut Reuters, der Deal könne den Druck auf Moskau verringern und der Glaubwürdigkeit der USA schaden. Ein Experte des Atlantic Council rechnete vor, die zunächst angekündigten 300.000 Tonnen entsprächen etwa einem halben Tag des US-Verbrauchs. Er bezweifle außerdem, dass Russland wegen der Schäden an seinen Raffinerien überhaupt so viel liefern könne.
Fazit: Politik nach Kassenlage
Die Zahlen zeigen, wie weit politische Ankündigungen und wirtschaftliche Wirklichkeit auseinanderliegen. Wenn sich Energiepolitik je nach Bedarf ändert und Sanktionen viele Ausnahmen haben, sollten Bürger ihr Vermögen nicht allein Versprechen aus der Politik anvertrauen. Physisches Gold und Silber sind von keiner Regierung abhängig. In einem breit gestreuten Portfolio können sie deshalb als stabilisierende Beimischung sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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