
Amerikas Öl-Notreserve schmilzt: Tiefster Stand seit 44 Jahren!

Die strategische Ölreserve der USA ist so leer wie seit Oktober 1982 nicht mehr. Nach Daten des US-Energieministeriums lagen in der Woche bis zum 25. September nur noch 283,8 Millionen Barrel in den unterirdischen Speichern. Schuld ist der Krieg der USA und Israels gegen Iran, der die Tankerrouten durch die Straße von Hormus seit Monaten stört.
Ein Drittel weg in sechs Monaten
Mitte März lagen noch 415,4 Millionen Barrel in der Reserve. Seitdem ist der Bestand um rund 32 Prozent geschrumpft. Verglichen mit dem Rekordwert von 726,6 Millionen Barrel Ende 2009 fehlen sogar 61 Prozent.
Das klingt erst einmal abstrakt. Legt man offizielle Verbrauchsdaten von gut 20 Millionen Barrel am Tag zugrunde, würde der Vorrat die größte Volkswirtschaft der Welt aber nur noch etwa zwei Wochen versorgen. Ein beruhigender Sicherheitspuffer sieht anders aus.
Entstanden aus dem Ölschock der Siebziger
Der Kongress schuf die Strategic Petroleum Reserve im Jahr 1975. Anlass war das arabische Ölembargo, das den Westen kurz zuvor in die Knie gezwungen hatte. Die Salzkavernen an der Golfküste in Texas und Louisiana sollten mehr als 700 Millionen Barrel aufnehmen und Amerika bei schweren Lieferausfällen schützen.
Die Reserve war allerdings schon vor dem aktuellen Konflikt kräftig angezapft worden. Das Polster ist also nicht über Nacht dünn geworden. Es war schon zu Beginn der Krise angegriffen.
Öl auf Pump: Das Tauschgeschäft
Am 11. März sagte Washington zu, bis zu 172 Millionen Barrel bereitzustellen. Das war Teil einer gemeinsamen Freigabe von 400 Millionen Barrel durch die Mitglieder der Internationalen Energieagentur. Einen Großteil des Öls verkauft die Regierung aber nicht. Sie verleiht es im Tausch: Die Konzerne müssen es später zurückgeben, und zwar mit zusätzlichen Barrel als Aufschlag.
Das Energieministerium rechnet damit, dass so am Ende rund 200 Millionen Barrel zurückfließen. Diese Rückzahlungen kommen jedoch erst später. Bis dahin bleibt die Reserve deutlich kleiner. Branchendaten zufolge hat sich das Tempo der Entnahmen zuletzt stark verlangsamt: Im September verließen nur 1,8 Millionen Barrel die Speicher, im August waren es noch 19,2 Millionen.
Trumps Jubel und die harten Zahlen
US-Präsident Donald Trump gab sich am Sonntag trotzdem siegessicher. Vor Reportern sagte er, man habe in der Nacht zuvor eine Rekordmenge Öl aus der Meerenge geholt, sogar mehr als vor dem Krieg. Die Preise würden nach Kriegsende weiter fallen.
Die Daten des Analysehauses Kpler zeichnen ein nüchterneres Bild. Der Nahe Osten exportierte im September zwar 12,8 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, so viel wie seit Kriegsbeginn im Februar nicht mehr. Das sind aber immer noch rund 6 Millionen Barrel weniger als die 18,8 Millionen vom Februar. Durch Hormus flossen vorläufigen Zahlen zufolge nur etwa 7,4 Millionen Barrel täglich. Goldman Sachs hatte schon im Mai geschätzt, dass die weltweit sichtbaren Lagerbestände um den Rekordwert von 8,7 Millionen Barrel pro Tag schrumpften.
Ein Puffer mit Löchern
Selbst das verbliebene Öl ist nicht vollständig nutzbar. Der US-Rechnungshof GAO berichtete im Juni, dass Ende 2025 mehr als ein Viertel des Bestands nicht verfügbar gewesen sei, wegen Bauarbeiten und Ausfällen in den Kavernen. Die tatsächliche Entnahmekapazität liege nur bei 61 Prozent des vorgesehenen Werts.
Was das für Europa bedeutet
Marktdaten zufolge notierte die Nordseesorte Brent zuletzt bei rund 107 Dollar je Barrel. Für ein rohstoffarmes Industrieland wie Deutschland, das seine Energie weitgehend importiert und ohnehin unter hohen Energiepreisen leidet, ist das ein Warnsignal. Wenn selbst die USA ihre Notreserve bis auf den Boden aufbrauchen, wie groß ist dann der Spielraum der anderen?
Die Geschichte gibt einen Hinweis. In den Ölkrisen der Siebzigerjahre zog die Inflation stark an, und Gold stieg bis Anfang 1980 auf ein Rekordhoch. Physisches Gold und Silber können daher eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sein, gerade wenn geopolitische Risiken und Energieknappheit zusammenkommen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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