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Bayern-Beben: Kommen jetzt die Grünen an Söders Kabinettstisch?

Bayern-Beben: Kommen jetzt die Grünen an Söders Kabinettstisch?
Symbolbild: KI-generiert

Der Freistaat wackelt. Im neuen BayernTrend, den Infratest dimap im Auftrag des Bayerischen Rundfunks am Dienstag veröffentlicht hat, rutscht die CSU von Ministerpräsident Markus Söder auf 36 Prozent ab. Die schwarz-orange Koalition mit den Freien Wählern hätte damit nur noch eine hauchdünne Mehrheit. Im Hintergrund zeichnet sich ein Szenario ab, das in Bayern lange niemand für möglich gehalten hätte.

Die Zahlen: Ein Absturz in Zeitlupe

Seit der letzten Erhebung im Januar hat die CSU drei Prozentpunkte verloren. Das liegt sogar unter den 37 Prozent der Landtagswahl 2023, schon damals das zweitschwächste Ergebnis der Parteigeschichte. Ausgerechnet kurz vor dem CSU-Parteitag am Freitag und Samstag bekommt Söder diese Zahlen präsentiert.

Noch düsterer sieht es beim Juniorpartner aus. Die Freien Wähler von Hubert Aiwanger stagnieren bei neun Prozent. Bei der Wahl 2023 waren es noch rund 16 Prozent. Die übrigen Werte:

  • AfD: 21 Prozent (plus 2), laut Medienberichten ein Rekordwert im BayernTrend
  • Grüne: 15 Prozent (plus 2)
  • SPD: 8 Prozent (unverändert)
  • Linke: 4 Prozent (plus 1)
  • Sonstige, darunter die FDP: 7 Prozent

Befragt wurden vom 12. bis 17. Oktober insgesamt 1.207 Wahlberechtigte. Eine GMS-Umfrage vom Wochenbeginn hatte die Koalition noch bei zusammen 47 Prozent gesehen und damit deutlich komfortabler.

Ein einziger Prozentpunkt entscheidet

Rechnet man die Werte auf 180 Landtagssitze um, kämen CSU und Freie Wähler auf genau 91 Mandate. Das ist exakt die Grenze zur Mehrheit. Ein Prozentpunkt weniger für beide Parteien, und die Mehrheit wäre weg.

Gefährlich wird es auch, falls die Linke doch noch die Fünf-Prozent-Hürde nimmt. Nach dieser Modellrechnung schrumpfte das Regierungslager dann auf 86 Sitze. Die Mehrheit wäre auch in diesem Fall verloren.

Die Brandmauer als Bumerang

Genau an diesem Punkt wird die Arithmetik zum politischen Sprengsatz. Die CSU schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus, obwohl die AfD mit Abstand zweitstärkste Kraft ist. Fällt die bisherige Mehrheit, bleiben realistisch nur zwei Optionen: ein Bündnis mit den Grünen oder ein Dreierbündnis aus CSU, Freien Wählern und SPD.

Das hat eine bittere Ironie. Söder hatte die Grünen in der Vergangenheit immer wieder lautstark als Koalitionspartner ausgeschlossen. Ausgerechnet die selbst gezogene Abgrenzung nach rechts könnte ihn nun in die Arme jener Partei treiben, gegen die er jahrelang Wahlkampf gemacht hat. Kritiker sehen darin das Dilemma der Union im Kleinformat: Wer sich nur eine Richtung offenhält, wird erpressbar.

Bayern vor einer historischen Zäsur?

Zum Vergleich: Bayern ist das einzige Bundesland, in dem seit Jahrzehnten keine Partei links der Mitte mitregiert. Zuletzt war das von 1954 bis 1957 der Fall, als der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner eine Viererkoalition anführte. Seitdem stellt ohne Unterbrechung die CSU die Regierung, mal allein, mal mit der FDP oder den Freien Wählern.

Fast 70 Jahre Kontinuität stehen also auf dem Spiel. Für viele konservative Stammwähler in der bayerischen Provinz wäre Schwarz-Grün kaum vermittelbar. Das gilt besonders für Landwirte, Mittelständler und Pendler, die die grüne Verbots- und Belastungspolitik aus Berlin noch gut in Erinnerung haben.

Söders Rückhalt bröckelt

Laut der Umfrage sind nur noch 48 Prozent mit der Arbeit des Ministerpräsidenten zufrieden, 49 Prozent sind es nicht. Mit Aiwanger sind 40 Prozent zufrieden. Deutlich zulegen konnte dagegen Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze, um sechs Punkte auf 31 Prozent. Die nächste reguläre Landtagswahl steht zwar erst 2028 an. Eine Momentaufnahme ist das trotzdem, und für die CSU ist es eine unbequeme. Die Frage ist nicht mehr, ob die Brandmauer etwas kostet, sondern wer am Ende die Rechnung zahlt.

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