
Brasilien setzt auf zwei Pferde: KI-Milliarden von Huawei bis Nvidia

Brasilia macht Ernst im Rennen um künstliche Intelligenz. Die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kündigte am Donnerstag Investitionen von rund 2,3 Milliarden Reais an – etwa 380 Millionen Euro. Das Bemerkenswerte: Das Geld wird bewusst zwischen chinesischen und amerikanischen Technologiekonzernen aufgeteilt.
Ein Supercomputer aus China, einer aus den USA
Gut die Hälfte der Summe fließt Berichten zufolge in eine Supercomputer-Infrastruktur in Rio de Janeiro, entwickelt gemeinsam mit den chinesischen Konzernen Huawei und iFlytek. Die Anlage soll vor allem große Sprachmodelle trainieren – für allgemeine wie für branchenspezifische Anwendungen. Die Kooperationsvereinbarung mit den Chinesen soll im Juli 2027 greifen.
Rund eine Milliarde Reais gehen in ein zweites Rechenzentrum im nordöstlichen Bundesstaat Rio Grande do Norte, der wegen seines Energiepotenzials ausgewählt wurde. Es soll zu den zehn leistungsstärksten KI-Rechnern der Welt zählen und bis Ende 2027 laufen. Regierungsnahen Insidern zufolge gilt der US-Chipriese Nvidia als Favorit für den Zuschlag; die Wissenschafts- und Technologieministerin Luciana Santos hatte sich zuletzt ähnlich geäußert.
„Nicht von einem einzigen Land abhängig sein"
Die Begründung der brasilianischen Regierung ist entwaffnend offen:
Die Strategie besteht darin, nicht von einem einzigen Unternehmen, einer einzigen Technologie oder einem einzigen Land abhängig zu sein.
Ziel sei es, die nationale Souveränität über Daten zu stärken. Finanziert werden die Projekte über den nationalen Fonds für wissenschaftliche und technologische Entwicklung (FNDCT), ausgezahlt in Etappen.
Dazu kommen weitere Bausteine: eine Halbleiter-Partnerschaft mit Spanien auf Basis der offenen Chip-Architektur RISC-V, Pläne für einen eigenen brasilianischen Cloud-Dienst über öffentlich-private Partnerschaften und ein nationales Zentrum für algorithmische Transparenz, das an der Bundesuniversität von Minas Gerais angesiedelt werden soll.
Warum ein Schwellenland kühler kalkuliert als Europa
Der geopolitische Spagat hat handfeste Gründe. China ist inzwischen Brasiliens größter Handelspartner, die USA bleiben die wichtigste Quelle ausländischer Direktinvestitionen – auch wenn Washington jüngst zusätzliche Zölle auf brasilianische Waren verhängt hat. Wer zwischen zwei Blöcken sitzt, verteilt seine Wetten.
Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der eigentliche Nachrichtenwert. Während in Brüssel und Berlin über KI-Verordnungen, Ethikräte und Meldepflichten debattiert wird, gießt ein Schwellenland Beton, kauft Rechenleistung ein und sichert sich Zugriff auf beide Technologiewelten. Rechenzentren entstehen dort, wo Energie verfügbar und bezahlbar ist – ein Satz, den man in einem Land mit Industriestrompreisen wie Deutschland zweimal lesen sollte.
Souveränität ist mehr als ein Schlagwort
Digitale Souveränität, so viel zeigt der brasilianische Ansatz, entsteht nicht durch Absichtserklärungen, sondern durch Infrastruktur, Energie und Diversifikation. Kritiker der europäischen Industriepolitik werfen der EU seit Jahren vor, beim Thema Chips und Rechenkapazität zu spät und zu bürokratisch gehandelt zu haben.
Für Anleger ist der Vorgang ein Fingerzeig: Der Technologiewettlauf zwischen Washington und Peking verschärft sich, Lieferketten werden politisch. Wer sein Vermögen breit aufstellt, denkt deshalb auch über Anlageklassen nach, die keinem Sanktionsregime und keinem Chipexportverbot unterliegen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten vielen als ruhender Pol in einem zunehmend fragmentierten Weltmarkt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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