
Chinas Gewinnmotor stottert: Schwächster Zuwachs des Jahres

Peking hat neue Zahlen vorgelegt – und sie fallen ernüchternd aus. Die Gewinne der chinesischen Industriebetriebe legten im Juli nur noch um 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Das ist laut den am Donnerstag veröffentlichten Daten des Nationalen Statistikamts der schwächste Anstieg in diesem Jahr.
In den ersten sieben Monaten summierte sich das Plus auf 17,6 Prozent. Im ersten Halbjahr waren es noch 18,7 Prozent. Der Trend zeigt also klar nach unten – und das in einer Volkswirtschaft, die für deutsche Exporteure überlebenswichtig ist.
Erst Erholung, jetzt Ermüdung
Zur Erinnerung: Seit 2021 kannten die Gewinne der chinesischen Industrie über Jahre vor allem eine Richtung – abwärts. Im vergangenen Jahr reichte es gerade eben für ein Mini-Plus. Nun also zweistellige Zuwächse. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, wie schmal die Basis dieser Erholung ist.
Getragen wird sie vor allem vom globalen KI-Boom. Die Halbleiterbranche – angeführt von Herstellern von Rechen- und Speicherchips – steigerte ihre Gewinne von Januar bis Juli um 18,5 Prozent und lieferte laut der offiziellen Mitteilung mehr als 80 Prozent des Zuwachses im gesamten Elektroniksektor. Bei Glasfaser-Produzenten haben sich die Gewinne sogar mehr als verfünffacht.
Auch Rohstoffverarbeiter profitierten kräftig: plus 55,2 Prozent. Die Erdölverarbeitung rutschte in die Gewinnzone, weil Lieferstörungen im Nahen Osten die Preise für Folgeprodukte nach oben trieben. Ein Boom aus geopolitischer Not – kein Zeichen robuster Binnennachfrage.
Zwei Volkswirtschaften in einem Land
Denn dort, wo der chinesische Verbraucher entscheidet, sieht es düster aus. In der Möbelherstellung brachen die Gewinne in den ersten sieben Monaten um 58,2 Prozent ein – nach 52,7 Prozent per Ende Juni. Die Talfahrt beschleunigt sich also.
Ein Ökonom der Economist Intelligence Unit führte die Abkühlung vor allem auf sinkende Investitionen in Immobilien und Infrastruktur zurück, erkennbar an den verschlechterten Ergebnissen bei Stahl und Zement. Rohstoffe und die KI-Lieferkette blieben widerstandsfähig, während konsumnahe Branchen kämpften.
Auch die kurze Reflations-Euphorie verliert an Kraft: Die Produzentenpreise stiegen im Juni noch so schnell wie seit fast vier Jahren nicht, im Juli fiel die Rate mit 3,5 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief. Der Preisauftrieb kam ganz überwiegend von teurer Energie – nicht von kaufkräftigen Haushalten.
Warum das Berlin und die deutsche Industrie treffen sollte
Das Gesamtbild passt ins Muster: Im zweiten Quartal wuchs Chinas Wirtschaft laut offiziellen Angaben nur um 4,3 Prozent – der schwächste Wert seit Ende 2022 und unterhalb des eigenen Jahresziels von 4,5 bis 5 Prozent. Ein Aktivitätsindikator der Bank of America signalisierte für Juli einen breit angelegten Momentumverlust. Das Exportwachstum halbierte sich real von 11,6 auf 5,5 Prozent, Einzelhandel, Hafenumschlag und Stromproduktion schwächten sich weiter ab.
Volkswirte erwarten nun gezielte Stützungsmaßnahmen aus Peking. Eine Ökonomin von Julius Bär geht davon aus, dass vorhandene Haushaltsmittel schneller eingesetzt würden und weitere Lockerungen folgen könnten. Das dürfte kurzfristig stabilisieren – ein kräftiger konjunktureller Aufschwung bleibe wegen Immobilienkrise, mauer Verbraucherstimmung und schwacher privater Investitionen aber unwahrscheinlich.
Für die deutschen Autobauer, die zuletzt reihenweise Gewinneinbrüche mit Verweis auf China meldeten, ist das keine gute Nachricht. Und für Anleger die Erinnerung daran, wie schnell Wachstumsgeschichten kippen können. Physisches Gold und Silber kennen keine Quartalszahlen – und keine Fünfjahrespläne.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
- Themen:
- #BIP
- #Immobilien
- #Energie

AufzeichnungDer große Der große Das große Live-Webinar am 26. August – was jetzt über Konto, Erbe und Bargeld entschieden wird. Und wie Sie Ihr Vermögen legal schützen.
Ernst Wolff, Dr. Hans-Georg Maaßen, Prof. Dr. Ulrike Guérot, Dr. Paul Brandenburg, Gerald Grosz, Tom-Oliver Regenauer und ein anonymer Banken-Insider zeigen, was jetzt über Ihr Geld entschieden wird – und wie Sie Ihr Vermögen legal schützen.
Ihre Webinar-Pakete
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











