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29.08.2026
11:53 Uhr
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Demokratie-Studie: Erstmals mehr Frust als Zufriedenheit in Niedersachsen

Demokratie-Studie: Erstmals mehr Frust als Zufriedenheit in Niedersachsen
Symbolbild: KI-generiert

Es ist eine Zäsur, die Politiker aufhorchen lassen sollte: Erstmals seit Beginn der Erhebung sind in Niedersachsen mehr Menschen mit dem Zustand der Demokratie unzufrieden als zufrieden. Das geht aus dem Niedersächsischen Demokratie-Monitor 2025 hervor, den die Universität Göttingen Ende August vorgestellt hat. Befragt wurden zwischen dem 18. August und dem 12. Oktober 2025 insgesamt 1.498 Menschen ab 16 Jahren.

93 Prozent für die Demokratie – und trotzdem tiefer Frust

Der Befund ist zweigeteilt. An der Demokratie als Staatsform hält kaum jemand ernsthaft Zweifel: 93 Prozent bekennen sich zu ihr. Doch der Alltag dieser Demokratie überzeugt immer weniger.

Laut der Studie liegt der Anteil der Zufriedenen nur noch bei rund 27 Prozent. 2023 waren es 35 Prozent. Und 2019 – vor Corona, vor dem Ukraine-Krieg, vor der Energiepreis-Explosion – lag der Wert noch bei satten 52 Prozent. Halbiert in sechs Jahren. Wer will diesen Absturz allein den Bürgern anlasten?

Parteien bei 14 Prozent, Politiker bei elf

Besonders verheerend fallen die Vertrauenswerte für die politische Klasse aus. Der Polizei vertrauen 79 Prozent, dem Bundesverfassungsgericht 67, dem Verfassungsschutz 54 Prozent. Den öffentlich-rechtlichen Medien attestiert die Studie nach einem Einbruch 2023 wieder 50 Prozent – für eine zwangsfinanzierte Institution ein Wert, über den man in Mainz und Hamburg eigentlich diskutieren müsste.

Ganz unten aber stehen jene, die regieren: Parteien kommen auf 14 Prozent, Politiker auf gerade einmal elf Prozent Vertrauen. Nur 47 Prozent glauben überhaupt noch, dass die Politik die Probleme der Bevölkerung wahrnimmt – der schlechteste je gemessene Wert. Immerhin: 71 Prozent trauen ihr grundsätzlich zu, Probleme auch lösen zu können. Das Vertrauen in die Fähigkeit ist also da. Es fehlt der Glaube an den Willen.

Wenn Frust autoritäre Fantasien nährt

Alarmierend sind die Zahlen zu autoritären Vorstellungen. 52 Prozent stimmten der Aussage zu, Deutschland brauche eine einzige starke Partei, 30 Prozent einer Regierung durch eine starke Führungsperson ohne parlamentarische Kontrolle, zehn Prozent sprachen sich offen für eine Diktatur aus. Insgesamt stimme mehr als die Hälfte undemokratischen Elementen zumindest teilweise zu.

Die Forscher warnen dennoch vor Panik. Institutsdirektor Simon Franzmann erklärte:

„Die Demokratie als Staatsform bleibt in Niedersachsen breit anerkannt. Aber politische Akteure, die politische Mitte und die Mechanismen demokratischer Integration verlieren zunehmend an Bindekraft.“

Erstautor Philipp Harfst sieht laut Presseinformation der Universität keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Systemkrise, wohl aber auf einen schleichenden Verlust demokratischer Integrationskraft.

Rechtsverschiebung – zulasten der Mitte

Politisch verschiebt sich das Land: Der Anteil derer, die sich als „sehr rechts“ einordnen, stieg von einem auf fünf Prozent, weitere 19 Prozent verorten sich eher rechts. Die Mitte schrumpfte von 49 auf 45 Prozent, das linke Lager blieb stabil. Von einem „Rechtsruck“ sprechen die Autoren deshalb ausdrücklich nicht, sondern von einer „Rechtsverschiebung zulasten der Mitte“.

Aufschlussreich ist der Ebenenvergleich: Die Bundesregierung überzeugt nur 19 Prozent, die EU 22 Prozent – die Landesregierung dagegen 41, die eigene Gemeinde sogar 54 Prozent. Je näher am Bürger, desto größer das Vertrauen. Aus Sicht unserer Redaktion ist das die eigentliche Botschaft dieser Studie: Nicht die Demokratie hat versagt, sondern eine Politik, die sich von den Sorgen der Menschen entfernt hat. Die Studie selbst wird übrigens vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanziert.

Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser ist für eigene Entscheidungen selbst verantwortlich.

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