
Der "Maestro" ist tot: Alan Greenspan und das gefährliche Erbe der billigen Milliarden

Er galt als unfehlbares Orakel der Finanzwelt, als der Mann, dessen kryptische Sätze ganze Börsen in Bewegung versetzten. Nun ist Alan Greenspan, der über fast zwei Jahrzehnte die amerikanische Notenbank Federal Reserve lenkte, im biblischen Alter von 100 Jahren gestorben. Wie die Fed bestätigte, erlag er den Komplikationen seiner langjährigen Parkinson-Erkrankung. Doch hinter dem Glanz der Nachrufe verbirgt sich eine weitaus unbequemere Wahrheit über das Erbe dieses Mannes.
Vom gefeierten Magier zum Architekten der Krise
Von 1987 bis 2006 saß Greenspan an den Schalthebeln der mächtigsten Zentralbank des Planeten. Achtzehneinhalb Jahre lang prägte er eine Ära, die man im Rückblick gerne als goldenes Zeitalter des Wohlstands verklärt. Bei seinem Rücktritt feierte ihn die Finanzwelt als "Maestro", als unantastbares Genie, das die Wirtschaft mit feiner Hand dirigierte. Doch wer sich von diesem Heiligenschein blenden lässt, übersieht die fatale Kehrseite seiner Politik.
Kaum zwei Jahre nach seinem Abschied brach das von ihm mit aufgepumpte Kartenhaus zusammen. Der amerikanische Immobilienmarkt implodierte, und mit ihm stĂĽrzte die gesamte Weltwirtschaft in die tiefste Rezession seit der GroĂźen Depression der 1930er-Jahre. Das US-Bankensystem stand kurz vor dem Totalkollaps.
Billiges Geld als Brandbeschleuniger
Kritiker machten Greenspans Politik des lockeren Geldes und sein geradezu naives Vertrauen in die Selbstheilungskräfte schwach regulierter Finanzmärkte für die Katastrophe verantwortlich. Und tatsächlich räumte der einstige Notenbankchef später kleinlaut ein, dass er sich geirrt habe. Er sei fälschlicherweise davon ausgegangen, dass sich die Banken im Wesentlichen selbst regulieren könnten.
Wer den Geldhahn jahrelang offen lässt und glaubt, die Gier der Banker bändige sich von selbst, sät den Wind und erntet den Sturm.
Hier liegt die eigentliche Lehre, die uns dieser Todesfall in Erinnerung ruft. Greenspans Politik des billigen Geldes war der Prototyp jener Geldschwemme, die uns Notenbanken bis heute als Allheilmittel verkaufen. Die Folgen kennen wir nur zu gut: aufgeblähte Vermögenspreise, Blasen an allen Ecken und schließlich Inflation, die den Sparer schleichend enteignet. Wenn Papiergeld durch ungezügelte Geldpolitik immer wieder entwertet wird, dann zeigt sich der wahre Wert physischer Edelmetalle. Gold und Silber lassen sich nicht beliebig vermehren, kennen kein Notenbank-Orakel und keine kryptischen Reden.
Ein begabter Geist und seine Liebe zur Musik
Bei aller Kritik soll der Mensch hinter dem Notenbanker nicht vergessen werden. Geboren als Kind einer jüdischen Einwandererfamilie im Norden Manhattans, zeigte Greenspan früh ein außergewöhnliches Talent für Mathematik und Musik. Er spielte Klarinette und Saxophon, sogar an der Seite der Jazz-Legende Stan Getz. Seine seltene Gabe, gewaltige Zahlenkolonnen treffsicher zu deuten, machte ihn zunächst als Wirtschaftsberater erfolgreich, bevor er auf die größte Bühne der Finanzwelt berufen wurde.
Greenspan verstand es meisterhaft, sich niemals festzulegen. Seine berüchtigt vage, oft rätselhafte Kommunikation wurde zum Markenzeichen und verschaffte ihm den Ruf der Unfehlbarkeit. Heute, im Rückblick, mag man sich fragen, ob diese kalkulierte Undurchsichtigkeit nicht auch ein Schutzschild war, hinter dem sich die wahren Risiken seiner Politik verbargen.
Eine Mahnung fĂĽr unsere Zeit
Der Tod Greenspans fällt in eine Zeit, in der die Notenbanken erneut gewaltige Geldmengen in die Märkte pumpen und Regierungen wie die in Berlin mit Hunderten Milliarden Euro an Sondervermögen jonglieren, als gäbe es kein Morgen. Die Geschichte lehrt uns: Jede Schuldenorgie und jede Geldschwemme endet irgendwann in einer bitteren Rechnung. Den Preis zahlt am Ende der kleine Bürger und Sparer.
So bleibt Alan Greenspan ein zwiespältiges Vermächtnis. Ein brillanter Kopf, gefeiert als Magier der Märkte, der zugleich die Saat für eine der größten Finanzkatastrophen der Neuzeit legte. Sein Tod sollte uns daran erinnern, dem süßen Versprechen vom ewig billigen Geld mit gesundem Misstrauen zu begegnen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.
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