
Die hübsche Fassade der multipolaren Weltordnung: Wie BRICS die globale Kontrolle nur umlackiert

Wer geglaubt hat, die BRICS-Staaten würden den Bürgern dieser Welt eine echte Alternative zur westlichen Technokratie servieren, der dürfte beim Studium des jüngsten BRICS-Abschlussdokuments aus dem indischen Außenministerium ernüchtert zurückbleiben. Was dort als "schöne multipolare Weltordnung" verkauft wird, riecht verdächtig nach demselben zentralisierten Kontrollapparat, den auch die selbsternannten Architekten in Davos und an der Hudson seit Jahren mit Hochglanzbroschüren bewerben. Nur eben mit anderem Briefkopf.
Ein neuer Anstrich für denselben Käfig
Die BRICS-Außenminister versprechen eine "gerechtere, ausgewogenere, effektivere, repräsentativere, legitimere, demokratischere und rechenschaftspflichtigere" globale Steuerung. Die Aufzählung liest sich wie ein Bullshit-Bingo aus der PR-Abteilung eines beliebigen NGO-Kongresses. Wer sich durch die schwülstigen Formulierungen quält, stellt rasch fest: Es handelt sich nicht um eine Abkehr von der globalen Zentralisierung, sondern um deren freundlichere Verpackung. Ein "Win-Win-Diktat" sozusagen.
Besonders aufschlussreich ist das Bekenntnis zur "vollumfänglichen Wahrung der Zwecke und Prinzipien der UN-Charta". Genau jener Charta, die geschaffen wurde, um politische Autorität im Sicherheitsrat zu bündeln und Nationalstaaten zu bloßen Erfüllungsgehilfen multinationaler Konzerninteressen zu degradieren. Die Vereinten Nationen, ein von Oligarchen aus der Taufe gehobenes Public-Private-Partnership, sollen also gestärkt werden – nur dass künftig die BRICS einen größeren Sitz am Tisch beanspruchen. Ein bemerkenswerter Vorgang: Statt die Architektur globaler Bevormundung zu zertrümmern, möchte man lieber mit am Steuer sitzen.
Industrie 4.0 statt Vierte Industrielle Revolution – Schwab lässt grüßen
Den semantischen Eiertanz, den die BRICS-Diplomaten beim Thema digitale Transformation aufführen, sollte man genießen wie einen schlechten Kabarettabend. Während die "Vierte Industrielle Revolution" (4IR) als Klaus-Schwab-Vokabel im Westen verbrannt ist, spricht man bei BRICS lieber von "Industrie 4.0". Inhaltlich identisch, lexikalisch unverdächtig. Man könnte fast meinen, hier sei jemand am Werk, der die Bürger für leichtgläubig hält.
Das Zauberwort heißt "Interoperabilität". Ausgerechnet IBM, einer der größten Industrieforscher der Welt, erklärt, was darunter zu verstehen sei: gemeinsame Standards, die den Datenaustausch zwischen getrennten Informationssystemen ermöglichen, damit "isolierte Datensätze für ein gemeinsames Ziel" zusammengeführt werden könnten. Übersetzt: ein einheitliches, weltweit verschaltetes digitales Überwachungssystem. Multipolar? Wohl kaum. Eher ein global vernetzter digitaler Panoptikum-Käfig, der schöner klingt, wenn man "multipolar" davorschreibt.
Vom Pandemievertrag bis zum WHO-Treuegelöbnis
Wer gehofft hatte, die BRICS-Staaten würden den im Westen wachsenden Widerstand gegen das WHO-Pandemieabkommen aufgreifen, wird bitter enttäuscht. Im Gegenteil: Die Außenminister bekennen sich enthusiastisch zur Vertiefung der Zusammenarbeit "innerhalb der Weltgesundheitsorganisation". Ein eigenes "BRICS R&D Vaccine Center" soll künftig zur "nächsten globalen öffentlich-privaten Pandemie" beitragen dürfen – ein Satz, der angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre kalte Schauer über den Rücken jagen sollte.
Auch beim Finanzsystem gibt es kein Innehalten, sondern Vollgas in dieselbe Richtung. Die BRICS-Regierungen wollen "Führung im IWF und in der Weltbank" übernehmen und die "Legitimität der Weltbank-Gruppe als bessere, größere und effektivere Entwicklungsfinanzinstitution" stärken. Das berüchtigte Modell der Schuldenfalle-Diplomatie wird nicht abgeschafft, sondern ausgeweitet und stärker zentralisiert. Wer hier Befreiung wittert, der glaubt vermutlich auch an die Klimaneutralität der deutschen Bundesregierung.
Iran, Gaza und die diplomatische Feigheit
Besonders entlarvend ist das Schweigen zur Bombardierung des Iran durch US-amerikanische und israelische Streitkräfte im Juni 2025. Iran ist BRICS-Mitglied – und doch brachten es die versammelten Außenminister nicht über die Lippen, den Angriff beim Namen zu nennen. Stattdessen "tiefe Besorgnis" über Entwicklungen in der MENA-Region und der Hinweis auf "unterschiedliche Auffassungen einiger Mitglieder". Eine multipolare Solidarität, die schon beim ersten ernsthaften Konflikt in sich zusammenfällt.
Beim Thema Gaza beschränkt man sich auf die hohlen UN-Resolutionsformeln und unterstützt damit indirekt jenen "Comprehensive Plan", der den zerstörten Küstenstreifen in eine deregulierte Sonderwirtschaftszone für Konzerne und Milliardäre verwandeln soll.
Zensur im multipolaren Gewand
Das vielleicht beunruhigendste Kapitel betrifft die Informationsfreiheit. Die BRICS-Staaten kündigen unverhohlen an, mit "global interoperablen Regeln und Standards" gegen das vorzugehen, was sie als "Fehlinformation, Hassrede und Desinformation" definieren. Wer entscheidet, was darunter fällt? Natürlich die Regierungen selbst. Das Modell ist von westlichen Zensurarchitekturen, vom EU-Digital Services Act bis zum deutschen NetzDG, kaum zu unterscheiden. Nur die Etiketten ändern sich.
Eine falsche Dialektik
Die zentrale Botschaft, die uns die Multipolaristen verkaufen wollen, lautet: Eine Form globaler Diktatur sei der anderen vorzuziehen. Statt grundsätzlich zu hinterfragen, warum überhaupt eine zentralisierte, oligarchengeführte Weltordnung notwendig sein soll, wird die Wahl zwischen zwei Käfigen als Befreiung verkauft. Eine elegantere Form der Manipulation lässt sich kaum denken.
Wer aufmerksam liest, erkennt: Die "Beautiful Multipolar New World Order" ist keine Alternative zum westlichen Technokratie-Modell, sondern dessen logische Fortsetzung. Dieselben digitalen Kontrollinstrumente, dieselben supranationalen Strukturen, dieselbe Verachtung für nationale Souveränität – nur eben mit etwas anderem Personal in den Schaltzentralen.
Was bleibt dem mündigen Bürger?
In einer Welt, in der sowohl Washington als auch Peking, Brüssel und Neu-Delhi an demselben digitalen Überwachungsapparat stricken, in der die Notenbanken weltweit an programmierbarem Zentralbankgeld arbeiten und in der die Verschuldung immer neue Rekorde reißt, bleibt für den vorausschauenden Sparer nur eine vernünftige Konsequenz: die Bewahrung seines Vermögens außerhalb des Systems. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind seit Jahrtausenden das Gegengift gegen die Größenwahnvorstellungen politischer Eliten. Sie kennen keine Software-Updates, keine Sanktionslisten und keine "interoperablen Standards", mit denen sich Konten einfrieren lassen.
Wer sein Erspartes in greifbare Werte überführt, entzieht sich – zumindest teilweise – dem Zugriff jener Strukturen, die uns die Multipolaristen nun als "schöne neue Weltordnung" andienen. Es ist kein Allheilmittel, aber es ist eine der wenigen verbliebenen Versicherungen gegen die schleichende Enteignung durch Inflation, digitale Kontrolle und politischen Übergriff.
Die Wahl zwischen westlicher und östlicher Technokratie ist keine Wahl. Die wahre Alternative liegt in der Rückkehr zu nationaler Souveränität, individueller Freiheit und werthaltigem Eigentum.
Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel geäußerten Einschätzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der vorliegenden Informationen wieder. Wir betreiben keine Anlageberatung. Jede Anlageentscheidung – sei es in Edelmetalle, Aktien, Anleihen, Immobilien oder andere Vermögenswerte – liegt in der alleinigen Verantwortung des Lesers. Eine sorgfältige eigene Recherche oder die Konsultation eines qualifizierten Finanzberaters wird ausdrücklich empfohlen.
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