
Diesel gegen Wählerstimmen? Trumps Russland-Deal empört Kiew

US-Präsident Donald Trump hat nach einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin angekündigt, Hunderttausende Tonnen russischen Diesel ins Land zu holen. Damit das möglich wird, setzt Washington die Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend aus. Moskau jubelt, Kiew reagiert entsetzt, und in den USA wirft die Opposition dem Präsidenten einen gefährlichen Schlingerkurs vor.
Erst Sanktionen verschärfen, dann Diesel kaufen
Das Timing ist bemerkenswert. Erst im September hatte Trump ein vom Kongress beschlossenes Gesetz unterzeichnet, das ihm weitreichende Befugnisse für neue Strafmaßnahmen gegen Russland gibt. Das Ziel war damals, die Öl- und Gasexporte des Kreml einzudämmen. Mit genau diesen Einnahmen finanziert Moskau seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Wenige Wochen später geht es in die entgegengesetzte Richtung. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump, Russland stelle „umgehend“ mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereit. Im November sollen eine weitere halbe Million Tonnen folgen, danach eine Million Tonnen. Je nach Zustand der russischen Raffinerien könnten es sogar drei Millionen Tonnen werden. Vor Journalisten sprach Trump von einer „großen Sache“ und bedankte sich ausdrücklich bei Putin.
Das US-Finanzministerium erteilte eine befristete Ausnahmegenehmigung. Verkauf, Lieferung und Import von russischem Diesel sind demnach bis zum 7. April 2027 erlaubt.
Selenskyj: „Investition in den Krieg“
Der Kreml bestätigte die Vereinbarung und erklärte, sie werde sich positiv auf die „gesamte Weltwirtschaft“ auswirken. In Kiew sieht man das völlig anders. Wolodymyr Selenskyj schrieb auf Telegram:
„Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg (gegen die Ukraine), den man beenden und nicht verlängern muss.“
Im Gespräch mit dem Portal „Axios“ legte er nach. Der Deal sei „nicht fair und nicht ehrlich“. Besonders verärgert habe ihn, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner zur selben Zeit in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein Kriegsende verhandelt hätten, ohne das Diesel-Abkommen auch nur zu erwähnen. Die Lockerung der Sanktionen sei ein Zeichen „offensichtlicher Schwäche“.
Auch die Demokraten gehen auf Distanz. Gregory Meeks, ranghöchster Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, spottete, Trump kündige Wochen nach einem Gesetz gegen Käufer russischer Energie an, dass die USA nun selbst kaufen würden.
Ein Tropfen auf den heißen Motor
Schaut man auf die Zahlen, schrumpft der „große Deal“ schnell. Laut der US-Energiebehörde EIA verbrauchen die Amerikaner täglich rund 3,77 Millionen Barrel Diesel und andere Destillate, umgerechnet etwa 500.000 Tonnen. Die angekündigten 300.000 Tonnen reichen damit rechnerisch für ungefähr 14 Stunden.
Dazu kommen Zweifel, ob Russland überhaupt liefern kann. Vizeregierungschef Alexander Nowak hob zwar das Exportverbot für Diesel auf. Die tatsächlichen Mengen hingen aber von Reparaturen an Raffinerien ab, die ukrainische Drohnen beschädigt hätten. Im vergangenen Jahr produzierte Russland noch etwa sieben Millionen Tonnen Diesel pro Monat. Seitdem haben sich die Kapazitäten ungefähr halbiert.
Zapfsäule und Zwischenwahlen
Warum also der ganze Aufwand? In weniger als einem Monat stehen in den USA die Zwischenwahlen an, und hohe Spritpreise treffen die Wähler direkt an der Zapfsäule. Selbst Republikaner machten zuletzt ungewöhnlich offen den Iran-Krieg für die Preise verantwortlich. Trump sieht die Schuld dagegen bei Selenskyj. Mitte September hatte er in Irland gefordert, die Ukraine müsse aufhören, Russlands Dieselversorgung lahmzulegen.
Selenskyj bietet inzwischen einen Kompromiss an: Kiew stelle die Angriffe auf russische Raffinerien ein, wenn Moskau im Gegenzug keine ukrainischen Energieanlagen mehr angreife. Ob Washington darauf eingeht, ist offen.
Für Europa und Deutschland bleibt eine unbequeme Lehre. Energiepolitik wird zum Spielball geopolitischer Machtinteressen und kurzfristiger Wahlkampfrechnungen, und darunter leidet die Kaufkraft der Bürger. Wer sein Vermögen gegen solche Schwankungen und gegen Inflation absichern will, setzt deshalb seit jeher auch auf physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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