
Diesel-Schock: Warum Tanken bis 2027 zum Luxus werden könnte

Die Internationale Energieagentur (IEA) schlägt Alarm. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht nennt die Pariser Behörde die Lage am Dieselmarkt „extrem angespannt“. Weil Lieferungen aus Russland und dem Nahen Osten ausfallen, haben sich die Großhandelspreise seit Februar mehr als verdoppelt. Europas Lager sind vor dem Winter so leer wie selten.
Für Pendler, Spediteure und Landwirte in Deutschland hat das mit trockener Statistik wenig zu tun. Sie zahlen die Rechnung jede Woche an der Zapfsäule. Viel Hoffnung macht die IEA nicht: Nach ihrer Einschätzung bleibt Diesel bis weit ins Jahr 2027 knapp.
Zahlen, die schwindelig machen
Laut IEA lagen die Dieselexporte aus dem Nahen Osten und Russland im September um 1,3 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorjahresmonat. Das ist ein Einbruch von mehr als 60 Prozent.
Am wichtigsten europäischen Referenzmarkt, dem ICE-Low-Sulphur-Gasoil-Kontrakt, kostete die Tonne am 14. Oktober rund 1.460 US-Dollar. Ende Februar waren es noch etwa 700 Dollar. Die G7-Staaten wollen die Freigabe von 100 Millionen Barrel aus strategischen Reserven beschleunigen. Spürbar gesunken sind die Preise dadurch bisher nicht.
Hormus: Das Nadelöhr der Weltwirtschaft
Ein Hauptgrund ist der Krieg im Nahen Osten. Seit Ende Februar behindert der Iran mit Drohungen und Angriffen die Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Vor dem Krieg lief rund ein Fünftel des weltweit benötigten Rohöls durch diese Meerenge. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation zählte bis zum 13. Oktober 106 bestätigte Sicherheitsvorfälle. Ende September meldete die britische Behörde UKMTO erneut mehrere Angriffe auf Tanker.
Die Golfstaaten exportieren inzwischen wieder mehr als 75 Prozent ihrer Vorkriegsmenge an Rohöl, auch über Pipelines zu Häfen am Roten Meer und am Golf von Oman. Rohöl ist aber noch kein Diesel. Weil Raffinerien und Pipelines beschädigt sind, fehlt es vor allem an fertigen Produkten.
Russlands Raffinerien unter Drohnenbeschuss
Laut IEA trafen ukrainische Drohnen in den ersten acht Monaten des Jahres im Schnitt alle drei Tage eine russische Raffinerie. Auf sechs große Anlagen entfällt etwa die Hälfte der russischen Dieselproduktion. Im September stand die Hälfte davon still oder lief nur stark gedrosselt. Im Juni exportierte Russland weniger als eine Million Tonnen Diesel, ein Jahr zuvor waren es noch rund 2,5 Millionen Tonnen.
Die Exportbeschränkungen vom Juli sollen zwar gelockert werden. Die IEA erwartet davon aber kaum Entlastung. US-Präsident Donald Trump versucht es mit einem umstrittenen Diesel-Deal mit Moskau und hat einen „Energie-Waffenstillstand“ angekündigt. Die russischen Angriffe auf ukrainische Energieanlagen gingen trotzdem weiter.
Europa hat sich selbst verwundbar gemacht
Eigentlich füllt man die Lager vor dem Winter auf. In diesem Jahr wurden sie stark geleert, um die Ausfälle auszugleichen. Besonders betroffen ist der Umschlagplatz Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen, über den auch Deutschland Diesel bezieht.
Dazu kommt ein Problem, das Europa selbst verursacht hat. Nach einer Studie des Hague Centre for Strategic Studies ist die europäische Raffineriekapazität seit 2009 um rund 22 Prozent gesunken. Kritiker sehen darin die Folge einer Klimapolitik, die Raffinerien jahrelang als Auslaufmodell behandelt hat. Jetzt ist Europa stärker von Importen abhängig als früher.
Die Quittung an der Zapfsäule
Laut ADAC kostet Diesel im bundesweiten Durchschnitt zuletzt 2,247 Euro je Liter, 1,4 Cent mehr als in der Vorwoche. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren Kraftstoffe im September 37,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Energie insgesamt verteuerte sich um 14,9 Prozent. Die Inflation stieg auf 3,3 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 2023.
Die Bundesregierung reagiert Berichten zufolge mit einem neuen Tankrabatt. Er gilt nur befristet und wird vom Steuerzahler bezahlt. Schon 2022 senkte ein solcher Rabatt die Preise nur kurzzeitig, an den Ursachen der Knappheit änderte er nichts.
Fazit: Die Kaufkraft schwindet
Die IEA rechnet zwar damit, dass die Raffinerien weltweit wieder mehr produzieren. Die zusätzlichen Mengen reichen aber vorerst nicht, um die Lager wieder aufzufüllen. Eine spürbare Entspannung erwartet sie erst in der zweiten Jahreshälfte 2027. Bis dahin verlieren Ersparnisse durch die höhere Inflation weiter an Wert. Gold und Silber haben sich in solchen Phasen über Jahrhunderte als Schutz der Kaufkraft bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können physische Edelmetalle helfen, sich gegen Teuerung abzusichern.
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