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16.10.2026
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Sprit-Schock made in Germany: Warum Amerikaner halb so viel zahlen!

Sprit-Schock made in Germany: Warum Amerikaner halb so viel zahlen!
Symbolbild: KI-generiert

Tankrabatt hin oder her, deutsche Autofahrer zahlen weiter kräftig drauf. Am 9. Oktober kostete ein Liter Super E5 hierzulande im Schnitt 2,18 Euro. In den USA lag Normalbenzin Anfang Oktober umgerechnet bei rund 1,02 Euro. Der Grund für die Lücke ist nicht das Öl. Es ist der Staat.

Gleiches Öl, doppelter Preis

Den aktuellen Zahlen der EU-Kommission und der US-Energiebehörde EIA zufolge kostete Super am 5. Oktober im EU-Durchschnitt 2,01 Euro je Liter. Beim Diesel waren es 2,15 Euro gegenüber 1,46 Euro in Amerika. Und selbst im notorisch teuren Kalifornien bezahlen Autofahrer nur etwa 1,47 Euro.

Woher kommt das? In der EU gehen fast 45 Prozent des Spritpreises an den Fiskus. Rund 27 Prozent entfallen auf Energiesteuer und Abgaben, weitere 18 Prozent auf die Mehrwertsteuer. In den USA liegt der Steueranteil bei mageren 12 Prozent. Dort ist mit 52 Prozent das Rohöl selbst der größte Posten.

Amerikas Steuer: seit 1993 eingefroren

Die US-Bundessteuer liegt seit 1993 unverändert bei 18,4 US-Cent je Gallone, umgerechnet gut 4 Euro-Cent je Liter. Im Schnitt kommen noch etwa 8 Cent an Steuern der Bundesstaaten dazu. Eine Mehrwertsteuer auf Kraftstoff kennen die Amerikaner nicht, einen bundesweiten CO₂-Preis auch nicht. Zum Vergleich: Schon der niedrigste Steuersatz, den die EU erlaubt, liegt über der höchsten Benzinsteuer der USA, die in Kalifornien gilt.

Dazu kommt ein Standortvorteil, den Europa sich nicht herbeiregulieren kann. Die USA fördern mehr Öl als jedes andere Land der Welt und verfügen über riesige Raffinerien, vor allem an der Golfküste. Die EU muss ihr Öl dagegen größtenteils importieren.

Deutschland: Steuer auf die Steuer

Regulär verlangt der deutsche Staat 65,45 Cent Energiesteuer je Liter Benzin. Durch den Tankrabatt sind es noch bis zum 31. Dezember 51,41 Cent. Obendrauf kommt der CO₂-Preis mit 14,8 Cent bei Super und 16,2 Cent bei Diesel. Und dann kassiert der Fiskus 19 Prozent Mehrwertsteuer, und zwar auch auf die Energiesteuer und den CO₂-Aufschlag. Er besteuert also seine eigenen Abgaben gleich mit.

Der CO₂-Preis ist seit seiner Einführung 2021 deutlich gestiegen, von 25 Euro auf aktuell bis zu 65 Euro je Tonne. Ab 2028 soll der neue EU-Emissionshandel ETS2 Benzin, Diesel und Heizen in allen Mitgliedstaaten verteuern. Ursprünglich war der Start schon für 2027 geplant. Brüssel hat ihn verschoben, abgesagt ist er nicht.

Tanktourismus an der Oder

Wie stark die Steuern wirken, sieht man an der deutsch-polnischen Grenze. Die PCK-Raffinerie in Schwedt beliefert Berlin, Brandenburg und Westpolen. Rohöl, Verarbeitung, Transport und Handel kosten auf beiden Seiten fast gleich viel, nämlich 117 bis 118 Cent je Liter. An der Zapfsäule zahlt man in Berlin trotzdem 2,18 Euro für Super, in Polen höchstens 1,58 Euro.

Warschau hat die Mehrwertsteuer bis Jahresende von 23 auf 8 Prozent gesenkt und auch die Verbrauchsteuer reduziert. Eine 50-Liter-Tankfüllung kostet in Polen deshalb rund 30 Euro weniger, beim Diesel etwa 22 Euro. Viele Brandenburger fahren deshalb über die Oder zum Tanken. Für den Handel in der eigenen Region ist das bitter.

Andere Länder schaffen es auch

Schweden mit 1,70 Euro und Kroatien mit 1,75 Euro haben sich von der EU einstimmig genehmigen lassen, vorübergehend unter dem Mindeststeuersatz zu bleiben. Am oberen Ende stehen Dänemark und die Niederlande mit 2,43 Euro. Die Niederlande verlangen 84,5 Cent Energiesteuer je Liter Super, Dänemark 71,7 Cent.

Der Tankrabatt: ein kurzes Trostpflaster

Rechnerisch soll die Steuersenkung den Liter um etwa 17 Cent billiger machen. In der Grenzregion sei die Entlastung allerdings nur kurz bei den Kunden angekommen, berichten regionale Medien. An der Lage insgesamt ändert der Rabatt wenig: Tanken bleibt in Deutschland mehr als doppelt so teuer wie in den USA.

Ab Januar kehrt der volle Steuersatz zurück. Die Große Koalition hat Entlastung versprochen, liefert aber vor allem befristete Rabatte. Ob die Regierung den Staatsanteil am Spritpreis dauerhaft senkt, bleibt offen. Bis dahin zahlen Pendler, Familien und Handwerker die Rechnung.

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