
Elf Milliarden versickert? Berlin kontert Ifo mit "Äpfel und Birnen"

Das Bundesfinanzministerium hat am Donnerstag scharf zurückgewiesen, was das Münchner Ifo-Institut den Haushältern der Bundesregierung vorwirft: dass ein erheblicher Teil der neuen Verteidigungsschulden 2025 gar nicht bei der Verteidigung ankam. Eine Ministeriumssprecherin erklärte, hier würden "Äpfel mit Birnen" verglichen. Das Institut bleibt bei seiner Rechnung – räumt aber ein, keinen Rechtsverstoß zu sehen.
38,5 Prozent – die Zahl, die Berlin nervt
In seiner Studie kommt das Ifo-Institut für das Jahr 2025 auf eine sogenannte "Zweckentfremdungsquote" von 38,5 Prozent. Von 28,6 Milliarden Euro zusätzlicher Kreditaufnahme seien demnach nur 17,6 Milliarden tatsächlich in einen Zuwachs der Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben gegenüber dem Vorjahr geflossen.
Bleiben rund elf Milliarden Euro. Diese Differenz habe laut Studie keine zusätzlichen Ausgaben in diesem Bereich ausgelöst – sie habe schlicht dem übrigen Haushalt Luft verschafft.
Für Steuerzahler ist das die entscheidende Frage: Wird hier auf Pump wirklich Sicherheit gekauft – oder werden nur Lücken gestopft, die man sonst hätte erklären müssen?
Was die "Bereichsausnahme Verteidigung" möglich macht
Grundlage ist die 2025 ins Grundgesetz geschriebene "Bereichsausnahme Verteidigung". Sie erlaubt dem Bund, alle Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben oberhalb von einem Prozent der Wirtschaftsleistung über neue Kredite zu finanzieren – vorbei an den engen Fesseln der Schuldenbremse.
Das Ifo-Institut selbst stellt klar: Eine Pflicht zur "Zusätzlichkeit" der Ausgaben stehe so nicht im Grundgesetz. Es handele sich um einen selbst gewählten ökonomischen Indikator. Anders sei die Lage beim schuldenfinanzierten 500-Milliarden-Topf für Infrastruktur und Klimaneutralität – dort ist Zusätzlichkeit ausdrücklich vorgeschrieben.
Juristisch sauber also. Ökonomisch trotzdem erklärungsbedürftig, finden die Kritiker.
Viel Munition, wenig Zukunft
Interessant ist, wofür das Geld überhaupt ausgegeben wurde. Nach Darstellung des Instituts floss der Zuwachs vor allem in klassische Rüstung wie Munition und Fahrzeuge, teilweise auch in Posten ohne unmittelbaren Verteidigungsbezug.
Die Mittel für Wehrforschung und -entwicklung seien dagegen gering geblieben – ausgerechnet in einer Zeit, in der der Ukraine-Krieg täglich vorführt, wie sehr Drohnen, Aufklärung und Cyberabwehr über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Ob die zusätzlichen Milliarden auch die Verteidigung der Zukunft stärken, bleibt nach Einschätzung des Instituts offen.
Kein Einzelfall: Die Serie der Zweckentfremdungs-Vorwürfe
Der Streit reiht sich in eine ganze Serie ein. Bereits im März 2026 hatte dasselbe Institut Berechnungen vorgelegt, wonach ein sehr großer Teil der 2025 im Rahmen des Infrastruktur-Sondervermögens aufgenommenen Schulden nicht zu zusätzlichen Investitionen geführt habe; das Institut der deutschen Wirtschaft kam mit anderer Methodik zu einer ähnlich kritischen Bewertung. Das Finanzministerium widersprach auch damals.
Aus Sicht unserer Redaktion ist der eigentliche Skandal nicht die Methodendebatte, sondern das Grundmuster: Sondertöpfe werden mit Sicherheit und Zukunftsinvestitionen begründet – und entlasten am Ende den laufenden Betrieb. Bundeskanzler Friedrich Merz war einst mit dem Versprechen angetreten, keine neuen Schulden aufzunehmen. Die Rechnung tragen künftige Generationen, über Steuern, Abgaben und eine Inflation, die zuletzt wieder Richtung Drei-Prozent-Marke kletterte.
Wer sein Vermögen gegen dauerhaft entwertetes Geld absichern will, hält es seit Jahrhunderten mit physischem Gold und Silber – als nüchterne Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik





















