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Eralp unter Druck: Der Vater, die PKK und die Frage nach Öcalan

Eralp unter Druck: Der Vater, die PKK und die Frage nach Öcalan
Symbolbild: KI-generiert

Neuer Wirbel um Berlins Linke-Spitzenfrau Elif Eralp: Ein am Donnerstag, 5. November 2026, erschienener Medienbericht greift ein älteres Interview ihres Vaters auf. Darin soll der Arzt Selçuk Eralp erklärt haben, er sei mit PKK-Gründer Abdullah Öcalan befreundet gewesen. Die Politikerin selbst habe sich dazu bislang nicht geäußert.

Die Sache fällt in eine heikle Zeit. Die Berliner Linke ist aus der Abgeordnetenhauswahl 2026 als stärkste Kraft hervorgegangen. Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden und lotet dafür ein Bündnis mit SPD und Grünen aus.

Was im Interview steht

Quelle ist laut dem Bericht ein Gespräch in der kurdischen Zeitung Yeni Özgür Politika. In den Angaben zur Person heißt es demnach, Dr. Eralp kenne die kurdische Freiheitsbewegung seit etwa 1969 und habe zahlreiche führende PKK-Kader kennengelernt. Vor allem mit Öcalan, dort als „Anführer des kurdischen Volkes“ bezeichnet, sei er nach eigenen Angaben befreundet gewesen.

Anlass des Interviews war eine Reise: 2014 soll Selçuk Eralp fünf Wochen lang im türkischen Suruç ehrenamtlich Verwundete aus dem umkämpften syrischen Kobane versorgt haben. Damals belagerte der „Islamische Staat“ die Stadt. Den Kampf um Kobane habe er als Teil der kurdischen Freiheitsbewegung gesehen. Über die Reaktion seiner Tochter sagte er:

„Als ich meiner Tochter von meinem Entschluss erzählte, sagte sie, sie sei stolz auf mich – und wenn sie die Möglichkeit hätte, würde sie selbst auch mitkommen.“

Fair bleibt fair. Medizinische Hilfe für Opfer des IS-Terrors verdient Respekt, und auch der Bericht hält diesen Teil ausdrücklich für unproblematisch. Brisant ist nicht das Lazarett, sondern die behauptete Nähe zur PKK-Spitze.

Eine Organisation mit blutiger Bilanz

Die PKK steht seit 2002 auf der EU-Terrorliste. In Deutschland gilt seit 1993 ein Betätigungsverbot. Der bewaffnete Konflikt mit dem türkischen Staat hat seit 1984 Zehntausende Menschenleben gekostet, auch Zivilisten starben bei Anschlägen. Öcalan sitzt seit 1999 auf der Gefängnisinsel İmralı. Erst 2025 verkündete die PKK nach seinem Aufruf ihre Auflösung.

Der Bericht verweist zudem auf deutsche Gerichtsakten. Ein Urteil des OVG Rheinland-Pfalz beschreibe, gestützt auf einen Insiderbericht, interne „Volksgerichte“ der PKK. Deren Todesurteile hätten von Öcalan bestätigt werden müssen. Nach erzwungenen „Geständnissen“ habe es Hinrichtungen gegeben, oft vor Schulungsteilnehmern.

Mordaufträge per Kurier nach Köln

Im Düsseldorfer Strafverfahren stufte das OLG den parteiinternen Sicherheitsdienst „Aufsicht und Nachrichtenwesen“ als terroristische Vereinigung ein. Dieser Dienst habe Abtrünnige eingeschüchtert, bedroht und bis hin zum Mord verfolgt. Laut damaliger Prozessberichterstattung stellte das Gericht fest, dass Öcalan in Einzelfällen Mordaufträge per Kurier an die europäische PKK-Zentrale in Köln geschickt habe. PKK-Anhänger erhielten hierzulande lebenslange Haftstrafen.

Schweigen statt Klarstellung

Nach eigener Darstellung wollte das berichtende Medium von Elif Eralp wissen, ob das Interview ihren Vater korrekt wiedergebe, wie er sie politisch geprägt habe und ob sie die PKK für eine Terrororganisation halte. Eine Antwort habe es nicht gegeben.

Klar ist: Niemand haftet für die Freundschaften seiner Eltern. Nach den Angaben aus dem Interview floh Selçuk Eralp nach dem Militärputsch von 1980 aus Angst vor langer Haft nach Deutschland und beantragte Asyl. Er stammt väterlicherseits aus einer tscherkessischen Familie.

Wer aber das Rote Rathaus führen will, muss sich Fragen nach der eigenen Haltung gefallen lassen. Erst Ende Oktober hatten Medienberichte über Eralps Umgang mit einem mutmaßlichen Sympathisanten der als Terrororganisation eingestuften PFLP die Koalitionsgespräche belastet. Die Frage nach der PKK wäre mit einem einzigen Satz beantwortet. Dass dieser Satz bislang fehlt, dürfte viele Berliner mehr beunruhigen als jede Familiengeschichte.

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