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Kettner Edelmetalle
20.08.2026
05:31 Uhr
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Ex-Bundespolizist: „Zurückweisungen sind Quatsch“

Ex-Bundespolizist: „Zurückweisungen sind Quatsch“
Symbolbild: KI-generiert

Ein Mann, der 15 Jahre lang für die Bundespolizei im Einsatz war, zerlegt die deutsche Grenzpolitik in ihre Einzelteile. Jan Solwyn arbeitete unter anderem an Flughäfen und bei einer Frontex-Mission auf Lesbos, heute forscht er am Institute for National Security Studies in Tel Aviv. In einem Interview mit der „Welt“ erklärt er, warum Europas Migrationspolitik aus seiner Sicht strukturell gescheitert sei.

„Schengen lässt sich ganz einfach aushebeln“

Das Versagen habe lange vor 2015 begonnen, so Solwyn. Schon 2011 und 2013 habe Italien damit gedroht, per Boot angekommene Migranten mit Aufenthaltstiteln auszustatten und Richtung Norden weiterzuschicken.

Die Bundespolizei sei dagegen machtlos gewesen – die Reisefreiheit im Schengenraum lasse keine Handhabe. Sein nüchternes Fazit: „Schengen lässt sich ganz einfach aushebeln.“

Kontrollen als Theater? Die harte Kritik am Innenminister

Besonders scharf fällt sein Urteil über die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) angeordneten Zurückweisungen aus. Diese hält er schlicht für Symbolpolitik:

„Zurückweisungen sind Quatsch. Damit täuscht die Regierung Handlungsfähigkeit vor. Bereitschaftspolizisten schlagen sich Tage und Nächte um die Ohren, um Menschen zu sagen: Du darfst nicht rein. Sie gehen dann zwei Kilometer weiter über die grüne Grenze.“

Die Zahlen zeigen, worüber gestritten wird: Nach Angaben der Bundespolizei wurden 2025 rund 42.200 Personen an den Grenzen zurückgewiesen, etwa 24.400 davon seit der Verschärfung im Mai 2025. Im ersten Halbjahr 2026 waren es rund 13.900 Menschen, darunter 534 Asylsuchende. Die Kontrollen wurden mehrfach verlängert – die EU-Kommission forderte Deutschland im Juni 2026 auf, sie zu beenden.

Dublin: 594.000 Ersuchen, 58.300 Überstellungen

Noch ernüchternder liest sich Solwyns Bilanz des Dublin-Systems. Zwischen 2015 und 2025 habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 594.000 Übernahmeersuchen an andere EU-Staaten gerichtet. Tatsächlich überstellt worden seien 58.300 Menschen. Weniger als jeder Zehnte.

Und selbst diese Fälle enden oft im Kreisverkehr. Er habe am Flughafen Köln/Bonn einen Sudanesen angetroffen, der laut System bereits fünfmal nach Italien überstellt worden sei – und jedes Mal zurückkam, um das Asylverfahren erneut zu durchlaufen. „Das ist absurd“, sagt Solwyn. Sein Urteil über die Zuständigkeitsregeln: „Dublin ist gescheitert.“

Vom Schutzversprechen zum Einwanderungssystem durch die Hintertür

Asyl sei ursprünglich als vorübergehender Schutz gedacht gewesen, mit Ausreise nach Ende der Gefahr. Integration, so Solwyn, sei jenen vorbehalten, die legal zu Erwerbszwecken einwandern. Sein Befund: Das Asylsystem sei in Wahrheit „ein dysfunktionales Einwanderungssystem“.

Seine Lösung dürfte in konservativen Kreisen für Debatten sorgen: Asylanträge sollten ausschließlich an den EU-Außengrenzen gestellt und dort abschließend entschieden werden – durch europäische Behörden, mit einheitlichen Schutztiteln, Klageverfahren vor Ort und Hafteinrichtungen für Abgelehnte. Nationaler Grenzschutz wäre damit Geschichte.

Genau hier liegt der wunde Punkt. Kritiker des EU-Zentralismus dürften einwenden, dass Berlin damit den letzten Rest eigener Kontrolle nach Brüssel verlagern würde – ausgerechnet an jenen Apparat, dessen Dublin-Regeln ein Jahrzehnt lang folgenlos blieben. Seit dem 12. Juni 2026 gilt die GEAS-Reform mit Verfahren an den Außengrenzen. Ob sie hält, was sie verspricht, muss sich erst noch zeigen.

Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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