
Ex-Fed-Insider wirft Bankaktien raus: Warum er jetzt auf Gold setzt

Christopher Whalen hat mehr als vier Jahrzehnte lang Bankbilanzen seziert, angefangen bei der Federal Reserve Bank of New York. Ende September hat der US-Finanzexperte nach eigenen Angaben alle seine Bankaktien verkauft. Das Geld steckt er jetzt in Gold, Silber, Energiewerte und Anlagen mit laufenden Erträgen. Wenn einer der erfahrensten Bankenanalysten Amerikas so umschichtet, sollten Anleger genau hinsehen.
Die fetten Jahre der Banken sind vorbei
Whalen leitet heute Whalen Global Advisors, gibt den Newsletter „The Institutional Risk Analyst“ heraus und war früher Forschungschef bei der Ratingagentur Kroll Bond Rating Agency. In einem aktuellen Interview erklärte er seinen Rückzug ganz nüchtern. Die Kreditausfälle seien fast acht Quartale in Folge gesunken, die Bankaktien deshalb inzwischen zu teuer.
Aus seiner Sicht zählen im Bankgeschäft nur zwei Größen: Erträge und Kreditkosten. Steigen die Kreditkosten, sinken die Gewinne, und die Aktien geraten unter Druck. Ein erstes Warnsignal sieht er im dritten Quartal. Die Wall-Street-Häuser hätten Rekordgewinne im Handel gemeldet, an der Börse habe das aber kaum jemanden interessiert. Selbst Goldman Sachs sei bei Investoren leer ausgegangen.
Whalen geht noch weiter. Mit Put-Optionen wettet er nach eigener Aussage auf fallende Kurse bei Konsumentenkreditgebern, Namen nennt er nicht. Hohe Energiepreise und knappe Haushaltskassen würden mehr Verbraucher in Zahlungsverzug bringen, so seine Erwartung.
Gold als „asymmetrische Wette“
Bei Edelmetallen hat Whalen schon früher im Jahr nachgekauft, als die Preise schwächelten. Er spricht von einem asymmetrischen Trade: Das Potenzial nach oben sei deutlich größer als das Risiko nach unten. Die Notenbanken der Welt würden sich weiter vom Dollar lösen und auf Gold setzen, weil sie eine Reserve wollten, die kein anderer Staat kontrolliert.
Die Zahlen stützen das. Nach offiziellen Daten hat Chinas Zentralbank im September rund 740.000 Unzen Gold gekauft, so viel wie seit etwa drei Jahren nicht mehr. Den Untergang des Dollars sagt Whalen trotzdem nicht voraus. Die US-Währung müsse sich aber künftig gegen andere Papierwährungen behaupten.
Gold kostete zuletzt rund 4.150 Dollar je Unze und lag damit klar unter seinem diesjährigen Rekord. Langfristig spreche das Angebot für das Metall, meint Whalen: Es gebe schlicht nicht genug Gold und Silber, um die Nachfrage zu decken. Einem Rentnerpaar würde er raten, vor allem auf laufende Erträge zu achten und fünf bis zehn Prozent in Gold zu investieren.
Notenpresse, Schulden und teurere Lebensmittel
Besonders scharf fällt seine Kritik an Private Equity aus. Weil es dort keine echte Preisfindung gebe, müssten Anleger den Managern schlicht glauben. Dazu kommt der KI-Boom: Laut Whalen wurde in diesem Jahr rund eine halbe Billion Dollar für KI-Infrastruktur eingesammelt. Zusammen mit dem Schuldenhunger Washingtons habe das die Zinsen nach oben getrieben. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg Berichten zufolge am 7. Oktober auf 5,36 Prozent, den höchsten Stand seit 2002.
Whalens Prognose: Die Fed unter ihrem Vorsitzenden Warsh werde die Zinsen wohl bis zum ersten Quartal senken und am Ende wieder Staatsanleihen kaufen, also Geld drucken. Zwischen 2008 und dem Ende der Pandemie habe die Notenbank schon einmal Wertpapiere für rund 10 Billionen Dollar gekauft. Zu spüren bekämen das die Bürger zuerst an der Supermarktkasse.
„We could see much higher food prices next year.“
Die US-Regierung bewertet ihre rund 261 Millionen Unzen Gold auf dem Papier noch immer mit 42,22 Dollar je Unze, also mit etwa 11 Milliarden Dollar. Zum aktuellen Marktpreis wäre der Bestand über eine Billion Dollar wert. Whalen fordert deshalb, die Goldreserven neu zu bewerten. Gold sei für ihn der Maßstab für Inflation.
Auch in Deutschland gibt es Anlass zur Sorge. Mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen der Bundesregierung wachsen die Staatsschulden weiter. Wer sein Erspartes schützen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Er ist keine Aufforderung, Wertpapiere, Edelmetalle oder andere Finanzinstrumente zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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