
Gas-Alarm vor dem Winter: Speicher leer, Brüssel verteilt Beruhigungspillen

Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten haben sich am 24. September 2026 in der Gas Coordination Group getroffen. Ihr Ergebnis: Die Gasversorgung sei „stabil“ und der Winter gesichert. Die Speicherstände sind allerdings so niedrig wie seit Beginn der Aufzeichnungen nicht mehr, und Deutschland steht besonders schlecht da.
Die Zahlen widersprechen dem Optimismus
Brüssel spricht selbst nur vorsichtig von „niedrigeren Speicherständen im Vergleich zu historischen Niveaus“ und verspricht, die Lage genau zu beobachten. Ein Blick in die Daten von Gas Infrastructure Europe zeigt, was damit gemeint ist.
Am 1. September lagen die EU-Speicher bei 65,4 Prozent. Einen niedrigeren Wert zu diesem Datum gab es seit 2011 nicht. Am 26. September meldete GIE für die Union 70,62 Prozent, das entspricht rund 799 Terawattstunden. In den Vorjahren waren die Speicher um diese Zeit meist zu mehr als 80 bis 90 Prozent gefüllt.
Deutschland liegt weit hinten
- Deutschland: 57,15 Prozent
- Niederlande: 57,14 Prozent
- Österreich: 67,75 Prozent
- Frankreich: 81,97 Prozent
- Italien: 86,38 Prozent
Die größte Volkswirtschaft Europas hat also einen gut halb gefüllten Speicher. Medienberichten zufolge hält die Bundesnetzagentur einen Füllstand von 80 Prozent bis November für nicht mehr erreichbar. Analysten erwarten für die gesamte EU zum Start der Heizsaison höchstens 70 bis 75 Prozent.
Warum die Speicher so wichtig sind
Die Speicher decken normalerweise 25 bis 30 Prozent des Winterverbrauchs. Sie sind der Puffer, wenn es kalt wird oder Lieferungen ausfallen. Kommt beides zusammen, sinken die Reserven schnell. Europa müsste dann teures Gas am Spotmarkt kaufen, also dort, wo kurzfristig zum Tagespreis gehandelt wird.
Die Preise steigen bereits. Am niederländischen Handelsplatz TTF kostete die Megawattstunde Mitte September mehr als 80 Euro. So teuer war Gas seit drei Jahren nicht mehr. Industrie und Haushalte in Europa zahlen laut dem Bericht weiterhin ein Vielfaches der Preise in den USA oder Asien.
Eine Krise, die sich abgezeichnet hat
Seit Ende Februar 2026 ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran im Gange. Seitdem sind die LNG-Transporte durch die Straße von Hormus stark gestört. Flüssigerdgas (LNG) wird per Schiff geliefert, und Katar gehört zu den wichtigsten Lieferanten. Das Staatsunternehmen QatarEnergy hat gegenüber europäischen Kunden seit März höhere Gewalt erklärt. Auch die EU-Kommission gab Anfang September zu, dass die Produktion in Katar weiterhin stillstehe.
Europa ist dadurch so verwundbar, weil es kaum Alternativen gibt. Russisches Pipelinegas fließt kaum noch, seit die Nord-Stream-Leitungen im September 2022 bei Explosionen zerstört wurden. Die Hintergründe der Anschläge sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Trotzdem will die Kommission bis 2027 ganz aus russischem Gas aussteigen und lehnt jede Rückkehr ab.
Brüssel hat die Regeln gelockert
Gleichzeitig hat die EU die strenge Speicherpflicht abgeschwächt. Nach der Verordnung (EU) 2025/1733 gilt das 90-Prozent-Ziel zwar weiter, es muss aber nur noch irgendwann zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember erreicht werden. Bei schwierigen Marktbedingungen sind Abweichungen von bis zu 10 Prozentpunkten erlaubt, unter Umständen noch 5 weitere. Im Juli teilte die Koordinierungsgruppe mit, 80 Prozent reichten aus.
Kritiker sehen darin ein Muster. Erst werden bewährte Lieferquellen aufgegeben, dann macht man sich von teurem und schwankendem LNG abhängig. Wenn die Speicher sich dann nicht füllen, werden die Vorgaben gesenkt. Hinzu kommt eine Energiewende, die nach Ansicht vieler Fachleute noch keine verlässliche Reserve für Engpässe bietet.
Was jetzt auf die Bürger zukommt
Offiziell heißt es, „geschützte Kunden“ wie Haushalte und wichtige Einrichtungen seien abgesichert. Bleiben die Preise hoch und die Speicher knapp, sind aber Rationierungen, Produktionskürzungen in der Industrie und höhere Heizkosten möglich. Für den Industriestandort Deutschland, der ohnehin mit den höchsten Energiekosten zu kämpfen hat, wäre das ein weiterer Rückschlag.
Am 8. Oktober will der Verband der europäischen Fernleitungsnetzbetreiber ENTSOG seine Prognose für den Winter vorlegen. Am selben Tag trifft sich auch die Koordinierungsgruppe wieder. Ob ihre Zusage einen kalten Januar übersteht, ist offen.
Wer bei Energie auf Brüssel und Berlin angewiesen ist, sollte sich bei seinem Vermögen nicht allein auf die Politik verlassen. Physisches Gold und Silber haben sich in früheren Energie- und Inflationskrisen als Absicherung bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie für mehr Unabhängigkeit sorgen.
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