
Gift in der Babyflasche: Frankreich bestätigt Cereulid-Nachweis bei Säugling – und die Spur führt nach China
Was Eltern weltweit seit Monaten in Angst und Schrecken versetzt, hat nun eine erschreckende Bestätigung erfahren: In Frankreich wurde erstmals bei einem Säugling der gefährliche Giftstoff Cereulid in einer Stuhlprobe nachgewiesen. Das französische Gesundheitsministerium teilte am Freitag in Paris mit, das Testergebnis belege, dass das betroffene Kind diesem Toxin tatsächlich ausgesetzt gewesen sei. Ob ein direkter kausaler Zusammenhang mit den seit Dezember massenhaft zurückgerufenen Babymilch-Produkten bestehe, müsse allerdings noch abschließend geklärt werden.
Ein Baby im Krankenhaus – und eine beunruhigende Diagnose
Nach Berichten des französischen Senders Radio France soll es sich um einen Säugling handeln, der im Februar eine Nacht in einem Krankenhaus im südfranzösischen Montpellier verbracht habe. Das Kind habe zuvor Flaschenmilch getrunken, die aus Säuglingsmilchpulver des französischen Herstellers Danone zubereitet worden sei. Die behandelnden Ärzte sowie hinzugezogene Toxikologen arbeiteten nun daran, die genaue Ursache der Vergiftung zu ermitteln. Das Ministerium erklärte, der Nachweis des Giftstoffs könne „die Symptome erklären" – nähere Angaben zum Gesundheitszustand des Kindes wurden jedoch nicht gemacht.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eltern vertrauen darauf, dass die Nahrung, die sie ihren Neugeborenen geben, sicher ist. Sie vertrauen auf Konzerne, auf Behörden, auf Kontrollmechanismen. Und dann das.
Ein Skandal von globalem Ausmaß
Der Babymilch-Skandal hat längst internationale Dimensionen angenommen. Seit Dezember haben mehrere europäische Großkonzerne – darunter Nestlé, Danone und Lactalis – in mehr als 60 Ländern weltweit Säuglingsnahrung zurückgerufen. Der Grund: eine mögliche Verunreinigung mit Cereulid, einem Toxin, das schweren Durchfall und heftiges Erbrechen auslösen kann. Für Säuglinge, deren Organismus noch kaum belastbar ist, kann eine solche Vergiftung lebensbedrohlich werden.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldeten erkrankte Kleinkinder in mindestens sieben europäischen Ländern. Sieben Länder. Millionen potenziell betroffener Babys. Und die Verantwortlichen? Die sucht man bislang vergeblich.
Die chinesische Verbindung
Besonders brisant ist die Herkunft der Kontamination. Nach Angaben der EU-Behörden führt die Spur direkt nach China. Cereulid wurde demnach erstmals im Dezember in Chargen von Präparaten nachgewiesen, die Arachidonsäureöl aus chinesischer Produktion enthielten. Arachidonsäure ist ein für die Entwicklung von Säuglingen essenzieller Nährstoff, der natürlicherweise auch in Muttermilch vorkommt. Der Giftstoff Cereulid kann entstehen, wenn Babynahrung oder deren Zutaten zu lange warmgehalten oder wiederholt aufgewärmt werden – ein Hinweis auf gravierende Mängel in der Produktions- und Lieferkette.
Dass Europa bei einem derart sensiblen Produkt wie Säuglingsnahrung von Zulieferern aus China abhängig ist, wirft fundamentale Fragen auf. Wie konnte es so weit kommen, dass die Lebensmittelsicherheit unserer Kleinsten an globale Lieferketten ausgelagert wurde, deren Qualitätskontrollen offenkundig versagen? Die EU hat zwar bereits angekündigt, die Zügel bei Inhaltsstoffen aus China für Babynahrung anzuziehen – doch für die betroffenen Familien kommt diese Reaktion reichlich spät.
Versagen der Kontrollinstanzen
Dieser Skandal ist mehr als ein bedauerlicher Einzelfall. Er ist ein Symptom für ein System, das Effizienz und Kostenoptimierung über die Sicherheit der Schwächsten stellt. Europäische Konzerne, die Milliardenumsätze erwirtschaften, beziehen kritische Rohstoffe für Babynahrung aus Fernost – und die europäischen Aufsichtsbehörden schauen offenbar erst dann genau hin, wenn Kinder bereits erkrankt sind. Wo waren die präventiven Kontrollen? Wo die regelmäßigen Stichproben? Wo die Verantwortung?
Es ist ein Armutszeugnis für die europäische Lebensmittelpolitik, dass erst ein handfester Skandal nötig war, um das Problem überhaupt auf den Tisch zu bringen. Eltern in ganz Europa – und weit darüber hinaus – haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es zu dieser Kontamination kommen konnte und wer dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Denn eines steht fest: Bei der Gesundheit von Säuglingen darf es keine Kompromisse geben. Nicht heute, nicht morgen, nicht jemals.
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