
Gold-Prognose gekappt: Warum CIBC trotzdem an 5.200 Dollar glaubt
Die kanadische Großbank CIBC hat ihre Goldprognosen drastisch gesenkt. Für das vierte Quartal erwarten die Rohstoffanalysten von CIBC Capital Markets nur noch 4.500 Dollar je Unze. Das sind 31 Prozent weniger als die 6.500 Dollar, die sie zu Jahresbeginn ausgerufen hatten. Trotzdem halten die Banker an ihrer optimistischen Grundhaltung fest. Für 2027 rechnen sie mit einer kräftigen Erholung.
Gold kommt derzeit nicht vom Fleck. Der Preis hält sich knapp über der Unterstützung bei rund 4.100 Dollar, während hartnäckige Inflation die Anleiherenditen und den US-Dollar nach oben treibt.
Die neuen Zahlen im Überblick
Die Analysten um Anita Soni und Cosmos Chiu haben ihre Erwartungen bis zum Ende des Jahrzehnts neu berechnet:
- 2027: 5.200 Dollar (bisher 6.500 Dollar)
- 2028: 5.500 Dollar (bisher 6.000 Dollar)
- 2029: 4.800 Dollar
- 2030: 4.500 Dollar
- 2031: 4.200 Dollar
Ein Abgesang auf das gelbe Metall ist das nicht. Auch der niedrigste Wert liegt noch weit über dem, was Anleger noch vor wenigen Jahren für denkbar hielten.
Die Fed als Spielverderber
Gold hat ein wildes Jahr hinter sich. Vom Rekordhoch bei rund 5.600 Dollar ging es laut CIBC um fast 24 Prozent bergab. Ende Juni fiel der Preis auf etwa 4.000 Dollar, im Sommer erholte er sich bis auf 4.400 Dollar. Dann folgte der nächste Rückschlag.
Im September erhöhte die US-Notenbank die Zinsen um 25 Basispunkte und deutete weitere Straffungen an. Die Ursache sehen die Analysten in der Inflation, die durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran und die hohen Energiepreise zusätzlich angeheizt werde. Höhere Realzinsen und ein starker Dollar seien die größten kurzfristigen Hürden, weil Gold keine Zinsen abwirft und das Halten des Metalls damit teurer wird.
Fünf Prozent Rendite: Gefahr und Chance zugleich
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen über fünf Prozent. Das macht Anleihen auf den ersten Blick attraktiver. Laut CIBC rückt es aber auch eine unbequeme Frage in den Vordergrund: Wie lange kann Washington diese Schuldenlast noch tragen? Wachsende Sorgen um Staatsfinanzen und die Stabilität der Märkte könnten die Rolle von Gold als Absicherung sogar stärken. Real verzinste Renditen unter zwei Prozent seien historisch ein guter Nährboden für steigende Goldpreise gewesen.
Notenbanken kaufen, Spekulanten fliehen
Die Zahlen hinter der Prognose sind beeindruckend. Gold-ETFs verzeichneten im dritten Quartal Rekordzuflüsse von 30,7 Milliarden Dollar, das entspricht 211 Tonnen. Im Quartal davor waren noch 45 Tonnen abgeflossen. Europa trieb die Nachfrage an, allen voran Großbritannien. Nordamerikanische Anleger kehrten im August und September zurück.
Noch wichtiger ist die physische Nachfrage. Im ersten Halbjahr wurden weltweit 784 Tonnen Barren und Münzen gekauft, eine der stärksten ersten Jahreshälften überhaupt. Vor allem Käufer in China und Indien setzen laut CIBC auf echtes Metall statt auf Versprechen auf Papier.
Die Zentralbanken erwarben im ersten Halbjahr 345 Tonnen, davon 289 Tonnen allein im zweiten Quartal. Das ist ein Plus um das Fünffache gegenüber dem ersten Quartal. Die Abkehr von Dollar-Reserven gehe weiter, so die Analysten. Gold sei für Notenbanken eine strategische Reserve und keine kurzfristige Wette.
Das Angebot bleibt knapp
An den Terminmärkten haben Fondsmanager ihre Wetten auf steigende Kurse dagegen reduziert. Genau diese Kluft zwischen nervösen Spekulanten und stabilen physischen Käufen könnte laut CIBC die Erholung im kommenden Jahr tragen. Dazu kommt das Angebot: Die Minenproduktion wachse nur um etwa ein Prozent pro Jahr. Schuld seien Betriebsstörungen, sinkende Erzgehalte und langwierige Genehmigungsverfahren.
Fazit: Delle statt Trendwende
Die gesenkte Prognose wirkt zunächst wie eine kalte Dusche, bei genauerem Hinsehen ist sie aber eher eine Korrektur des Tempos. Schuldenberge, geopolitische Krisen und Notenbanken, die sich vom Dollar abwenden, sind nicht verschwunden. Wer langfristig denkt, findet in physischem Gold und Silber weiterhin eine sinnvolle Beimischung zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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