
Goldfieber der Großmächte: Wie das Edelmetall zur schärfsten Waffe im geopolitischen Machtkampf wird
Während Politiker in Berlin noch darüber debattieren, wie man das nächste Sondervermögen am geschicktesten am Bürger vorbei durchwinkt, haben die wahren Großmächte dieser Welt längst verstanden, worauf es in Zeiten tektonischer Verschiebungen wirklich ankommt: Gold. Das Edelmetall, das seit Jahrtausenden als ultimativer Wertspeicher gilt, ist zum zentralen Instrument im geopolitischen Ringen zwischen Washington, Peking, Moskau und Neu-Delhi geworden. Und der Wettlauf hat gerade erst richtig begonnen.
Washington spielt mit dem Feuer – und mit 8.000 Tonnen Gold
Die Vereinigten Staaten sitzen auf dem größten Goldschatz der Welt: mehr als 8.000 Tonnen des glänzenden Metalls. Doch was kaum jemand weiß – diese Reserven werden buchhalterisch noch immer mit lächerlichen 42,50 Dollar je Feinunze bewertet. Ein Relikt aus dem Jahr 1973, als Richard Nixon den Goldstandard endgültig beerdigte. Bei einem aktuellen Marktpreis von rund 5.000 Dollar pro Feinunze würde eine Neubewertung einen buchhalterischen Gewinn von etwa einer Billion Dollar erzeugen. Einfach so. Per Federstrich.
US-Finanzminister Scott Bessent hat eine solche Neubewertung bislang nicht kategorisch ausgeschlossen. Er sagte lediglich, dies sei „bisher noch kein unmittelbarer Plan". Wer die Trump-Administration kennt, weiß: Was heute kein Plan ist, kann morgen bereits per Dekret verkündet werden. Die Ökonomin Judy Shelton, eine frühere Beraterin Trumps, geht sogar noch weiter und schlägt vor, amerikanische Staatsanleihen in Gold einlösbar zu machen. Angesichts einer Staatsverschuldung, die längst jede Vorstellungskraft sprengt, und einer Inflation, die den amerikanischen Mittelstand systematisch enteignet, hätte ein solcher Schritt durchaus seinen Reiz – und wäre zugleich ein Erdbeben für die internationalen Finanzmärkte.
Bemerkenswert ist dabei ein Paradoxon: Während Präsident Trump bei jeder Gelegenheit die Bedeutung heimischer Rohstoffproduktion betont, sinkt die amerikanische Goldförderung bereits das siebte Jahr in Folge. Große Worte, magere Ergebnisse – ein Muster, das man auch aus der deutschen Politik nur allzu gut kennt. Stattdessen treten die USA als aggressive Goldkäufer in afrikanischen Ländern wie dem Sudan oder Südafrika auf. Die Europäer? Haben wie so oft das Nachsehen.
Pekings stille Revolution gegen den Dollar
China verfolgt eine gänzlich andere, aber nicht minder ambitionierte Strategie. Das Reich der Mitte war jahrzehntelang der größte Gläubiger der hochverschuldeten USA und hielt gigantische Bestände an amerikanischen Staatsanleihen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Peking hat seine US-Anleihen systematisch abgebaut und stattdessen massiv in Gold investiert. Was viele überraschen dürfte: China ist der größte Goldproduzent der Welt – noch vor Russland, Australien und Kanada.
Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die chinesische Regierung die wahre Höhe ihrer Goldkäufe bewusst verschleiert. Die Gründe liegen auf der Hand. Zum einen will Peking vermeiden, dass seine schleichende Abkehr vom Dollar in vollem Umfang sichtbar wird – denn wer weiß schon, wie der unberechenbare Trump auf eine solche Provokation reagieren würde. Zum anderen würde die Bekanntgabe massiver Käufe den Goldpreis weiter in die Höhe treiben, was nicht im Interesse einer Zentralbank liegt, die noch umfangreiche Zukäufe plant. Gerüchten zufolge soll sogar das chinesische Militär einen Teil seiner Reserven in Gold anlegen – was angesichts der geopolitischen Spannungen im Südchinesischen Meer und um Taiwan wenig verwunderlich wäre.
Besonders raffiniert ist Pekings Versuch, sich als alternativer Goldhandelsplatz zu etablieren. Die chinesische Notenbank wirbt bei befreundeten Staaten aktiv dafür, ihr Gold in China aufzubewahren. Ein geschickter Schachzug: Einerseits stärkt dies Chinas Position am internationalen Markt, andererseits erleichtert es Staaten ohne eigene Lagerkapazitäten den Zugang zum Edelmetall – und schwächt nebenbei die Dominanz Londons als führendem Goldhandelsplatz der Welt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Dollar-Hegemonie soll fallen.
Indien holt sein Gold heim
Indien pflegt seit Jahrhunderten eine besondere Beziehung zum Gold. Das Edelmetall ist tief in der Kultur des Subkontinents verwurzelt – bei Hochzeiten gehört goldener Schmuck zur Ausstattung der Braut wie das Ja-Wort zur Zeremonie. Doch der dramatische Preisanstieg hat dazu geführt, dass sich immer weniger Inder Goldschmuck leisten können. Stattdessen investieren wohlhabendere Schichten zunehmend in Münzen und Barren.
Die indische Zentralbank hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen. 2024 holte die Reserve Bank of India rund 100 Tonnen Gold aus London zurück, weitere 64 Tonnen folgten im Oktober 2025. Mittlerweile lagert mehr als die Hälfte des indischen Goldes im eigenen Land. Ein klares Signal der Unabhängigkeit. Ende 2025 verfügte die indische Zentralbank über knapp 900 Tonnen Gold – wobei das Edelmetall bislang nur elf Prozent der Gesamtreserven ausmacht. Hier ist also noch erhebliches Aufholpotenzial vorhanden.
Was treibt Neu-Delhi zu dieser Strategie? Die westlichen Sanktionen gegen Russland haben bei der indischen Regierung tiefes Unbehagen ausgelöst. Indien pflegt seit sowjetischen Zeiten enge Beziehungen zu Moskau und hat kein Interesse daran, sich in einen Wirtschaftskrieg hineinziehen zu lassen, den es nicht gewollt hat. Die von Trump im Sommer 2025 verhängten Zölle von 50 Prozent auf zahlreiche indische Produkte haben diese Sorgen noch verstärkt. Gold als Reservewährung macht unabhängig – vom Dollar, von Swift, von der Willkür westlicher Sanktionspolitik.
Russland: Gold als Überlebensversicherung im Sanktionskrieg
Für Russland ist Gold mehr als eine strategische Reserve – es ist eine Überlebensversicherung. Bereits nach der Annexion der Krim 2014 begann Moskau, massiv Gold aufzukaufen. Zwischen 2014 und 2018 erwarb die russische Zentralbank sage und schreibe 80 Prozent der eigenen Produktion. Eine Weitsicht, die sich nach dem Einmarsch in die Ukraine als goldrichtig erweisen sollte – im wahrsten Sinne des Wortes.
Doch der Krieg fordert seinen Tribut. Die Goldreserven des Nationalen Wohlfahrtsfonds sind seit 2022 von über 405 Tonnen auf 173 Tonnen geschrumpft. Der Fonds, ursprünglich aus überschüssigen Öleinnahmen gespeist, wird seit Kriegsbeginn verstärkt zur Finanzierung des Staatshaushalts herangezogen. Im November 2025 kündigte die russische Zentralbank sogar an, physisches Gold auf dem Inlandsmarkt verkaufen zu wollen – ein bemerkenswerter Kurswechsel.
Bedeutet das, dass Russland die finanzielle Puste ausgeht? Nicht unbedingt. Die gesamten Gold- und Währungsreserven beliefen sich im Dezember 2025 auf 754 Milliarden Dollar und sind im Laufe des vergangenen Jahres sogar weiter gestiegen – vor allem dank der explodierenden Goldpreise. Allerdings sind rund 300 Milliarden Dollar davon im Westen eingefroren. Der Anteil des Edelmetalls an den russischen Gesamtreserven ist in den vergangenen fünf Jahren von 23 auf über 36 Prozent gestiegen. Obwohl die USA und die EU bereits Mitte 2022 den Import und Handel mit russischem Gold verboten haben, gelangt es weiterhin über Umwege auf die internationalen Märkte. Länder wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und Armenien fungieren als Drehscheiben für diesen Handel, der sich über inoffizielle Kanäle kaum unterbinden lässt.
Was Deutschland daraus lernen sollte
Während die Großmächte dieser Welt ihre Goldreserven als geopolitische Waffe einsetzen und sich systematisch vom Dollar-System emanzipieren, scheint man in Berlin andere Prioritäten zu haben. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz plant ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten wird. Statt auf harte Werte zu setzen, vertraut man auf das Versprechen, dass schon alles gut gehen wird. Die Geschichte lehrt uns das Gegenteil.
Gold steht für finanzielle Unabhängigkeit, für Schutz vor Inflation und für ökonomische Glaubwürdigkeit auf der internationalen Bühne. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet jene Staaten, die ihre Souveränität am entschiedensten verteidigen, am aggressivsten Gold kaufen. Die anhaltenden Zentralbankkäufe dürften den Preis weiter nach oben treiben – auch wenn Rückschläge nie ausgeschlossen sind. Für den deutschen Bürger, der zusehen muss, wie sein Erspartes durch Inflation und politische Fehlentscheidungen dahinschmilzt, bleibt physisches Gold eine der wenigen verlässlichen Möglichkeiten, sein Vermögen zu sichern. Es wäre an der Zeit, dass auch die deutsche Politik diese Lektion endlich begreift.
Gold gilt als sicherer Hafen in wirtschaftlich turbulenten Zeiten und verleiht Staaten auf der internationalen Bühne ökonomische Glaubwürdigkeit und Stärke.
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