
Hormus würgt das Gas ab: Europas Preise auf 3,5-Jahres-Hoch!

Am Persischen Golf spielt sich gerade ein Manöver ab, das es in der Flüssigerdgas-Branche so gut wie nie gibt: Drei LNG-Tanker aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten haben ihre Ladung im August auf offener See vor Oman auf andere Schiffe umgepumpt – außerhalb der Straße von Hormus. Medienberichten zufolge stützt sich diese Erkenntnis auf Schiffsverfolgungsdaten der Analysehäuser Vortexa und Kpler.
Der Grund ist simpel und beunruhigend zugleich: Die reguläre LNG-Schifffahrt durch Hormus steht praktisch still. Während der Ölverkehr durch die Meerenge sich zuletzt wieder erholt haben soll, traut sich kaum ein Gastanker in die Zone.
Warum ein Gas-Umschlag auf hoher See so heikel ist
Rohöl lässt sich vergleichsweise unkompliziert von Schiff zu Schiff pumpen – Reedereien am Golf praktizieren das seit Monaten, um Kunden trotz Krise zu beliefern. Bei LNG ist das eine ganz andere Nummer.
Das Gas liegt bei minus 162 Grad Celsius in den Tanks. Ein Umschlag auf offener See verlangt spezielle Technik, ruhige See und erfahrene Crews. Dass drei Ladungen dennoch so bewegt wurden, zeigt, wie groß der Druck auf die Exporteure inzwischen ist.
Beschossene Tanker, Force Majeure, Rekordpreise
Die betroffenen Schiffe erzählen die Geschichte der Eskalation für sich. Der griechische Frachter GasLog Shanghai, Ende Juli in einen „Vorfall" in der Straße von Hormus verwickelt, gab seine Ladung Ende August vor Oman an die GasLog Savannah ab.
Die katarische Al Rekayyat wurde dem Bericht zufolge Anfang Juli nahe der Meerenge von einem Geschoss getroffen; Mitte August ging ihre Fracht auf die Tembek über und erreichte Indien am 31. August. Ein drittes Schiff der Abu Dhabi National Oil Company lud auf die LNG Enugu um – Kurs Japan.
Katar hält an seiner Force Majeure für Lieferungen fest, also der Berufung auf höhere Gewalt. Zusammen mit der erneuten Zuspitzung zwischen Washington und Teheran hat das die asiatischen Spotpreise für LNG auf ein Fünf-Monats-Hoch getrieben – und Europas Gas-Benchmark auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.
Und Deutschland? Halb leere Speicher vor dem Winter
Für die Bundesrepublik ist das mehr als eine ferne Randnotiz. Berichten zufolge sind die deutschen Gasspeicher wenige Wochen vor Beginn der Heizperiode erst etwa zur Hälfte gefüllt – bayerische Politiker warnten zuletzt öffentlich vor einer „Zitterpartie" im Winter.
Gleichzeitig gilt seit diesem Frühjahr das EU-Importverbot für russisches LNG. Die Energiepolitik der vergangenen Jahre hat Deutschland damit in eine Lage manövriert, in der ausgerechnet eine Meerenge zwischen Iran und Oman über die Heizkostenabrechnung in Wuppertal mitentscheidet.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das die eigentliche Lehre dieser Woche: Wer Grundlastkraftwerke abschaltet und sich gleichzeitig von wenigen, politisch fragilen Lieferwegen abhängig macht, kauft Versorgungssicherheit auf Pump – und die Rechnung zahlen Haushalte und Mittelstand.
Was Anleger daraus mitnehmen können
Energiekrisen wirken wie ein Brandbeschleuniger für Inflation. Steigen Gas- und Strompreise, verteuert sich am Ende fast jedes Produkt. Genau in solchen Phasen zeigt sich, warum physische Edelmetalle wie Gold und Silber seit Jahrhunderten als Ergänzung zur Vermögenssicherung geschätzt werden – als krisenerprobter Baustein in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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