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19.01.2026
06:49 Uhr

Italienischer Verteidigungsminister verspottet NATO-Mission in Grönland als „Anfang eines Witzes"

Italienischer Verteidigungsminister verspottet NATO-Mission in Grönland als „Anfang eines Witzes"

Während Deutschland, Frankreich und weitere NATO-Verbündete eilig Soldaten in die arktische Kälte entsenden, um gegenüber den Vereinigten Staaten Flagge zu zeigen, verweigert sich ausgerechnet Italien – ein Gründungsmitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses – dieser symbolträchtigen Aktion. Mehr noch: Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto macht sich regelrecht lustig über die Bemühungen seiner europäischen Partner.

Spott statt Solidarität aus Rom

„Ich frage mich, was sie dort tun sollen. Einen Ausflug machen?", fragte Crosetto am Freitag mit kaum verhohlenem Sarkasmus. Seine Worte trafen ins Mark: „15 Italiener, 15 Franzosen, 15 Deutsche: Das klingt für mich wie der Anfang eines Witzes." Eine bemerkenswert offene Kritik an den NATO-Partnern, die man so selten aus Regierungskreisen vernimmt.

Am Freitagnachmittag waren tatsächlich 15 Bundeswehr-Soldaten in Grönlands Hauptstadt Nuuk gelandet. Bereits am Vortag hatten französische Truppen die Insel erreicht, und Präsident Emmanuel Macron kündigte weiteren Nachschub an. Das Bundesverteidigungsministerium reagierte auf die italienischen Sticheleien betont unterkühlt: Man kommentiere solche Äußerungen üblicherweise nicht.

Crosetto warnt vor weiterer Zersplitterung der Welt

Der Minister, der der rechtskonservativen Partei Fratelli d'Italia von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni angehört, begründete seine ablehnende Haltung mit grundsätzlichen Überlegungen zur Weltordnung. Er sei dafür, „eine Welt, die bereits zu sehr zersplittert ist, zu erweitern und nicht in Nationen aufzuteilen". Dabei müsse stets im Sinne der NATO und der Vereinten Nationen gedacht werden – eine interessante Positionierung, die zeigt, dass nicht alle europäischen Rechtskonservativen automatisch auf Konfrontationskurs mit Washington gehen.

Die europäischen NATO-Partner hatten ihre Erkundungsmissionen als Reaktion auf die Besitzansprüche von US-Präsident Donald Trump gestartet. Der 79-jährige Präsident hatte seinen Anspruch auf die weltgrößte Insel mit der „Nationalen Sicherheit" begründet und argumentiert, unter amerikanischer Kontrolle wäre Grönland vor den arktischen Ambitionen Russlands und Chinas geschützt. Am Freitag drohte Trump den Gegnern seiner Pläne unverhohlen mit Zöllen.

Moskaus zynisches Spiel

Während Europa sich in internen Querelen verliert, gibt sich der Kreml demonstrativ unschuldig. Das Präsidialamt in Moskau erklärte, man betrachte Grönland als dänisches Territorium. Die Sicherheitslage rund um die Insel sei aus Sicht des Völkerrechts „außergewöhnlich" – eine geradezu zynische Bemerkung angesichts der völkerrechtswidrigen Annexion mehrerer ukrainischer Gebiete durch Russland seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Die russische Regierung bezeichnete es als inakzeptabel, dass der Westen behaupte, Russland und China bedrohten Grönland, und sprach von einer „Doppelmoral der westlichen Mächte".

Meloni pflegt Sonderbeziehung zu Trump

Italiens Ministerpräsidentin Meloni, die sich derzeit in Japan aufhält, schlug diplomatischere Töne an. Sie bezeichnete die Arktis-Region als „wichtig für das globale Gleichgewicht" und betonte, Italien wolle die Arktis als „Gebiet des Friedens, der Zusammenarbeit und des Wohlstands" auf Grundlage des Völkerrechts. Bemerkenswert ist dabei, dass Meloni zu Trump ein deutlich engeres Verhältnis pflegt als andere europäische Regierungschefs – was die italienische Zurückhaltung bei der Grönland-Mission in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Der Krisengipfel zwischen den USA, Dänemark und Grönland hatte am Mittwoch in Washington zunächst keine Annäherung gebracht. Die meisten europäischen NATO-Partner lehnen Trumps Übernahmepläne zwar strikt ab, doch die italienische Reaktion zeigt: Von einer geschlossenen europäischen Front kann keine Rede sein. Ob die symbolische Präsenz einiger Dutzend Soldaten in der arktischen Kälte tatsächlich mehr bewirkt als ein diplomatischer Witz, darf bezweifelt werden.

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