
„Jetzt ist der Louvre dran“: Paris rechnet mit seinen Plünderern ab

Frankreichs Justiz arbeitet im Akkord. Nach den schwersten Krawallen seit Jahren am 17. Oktober verhandeln Pariser Richter seit Tagen im Schnellverfahren gegen Hunderte Verdächtige. Die ersten Urteile lösen Streit aus: Manchen sind sie zu milde, anderen kommen sie zu hastig.
Ein Gerichtssaal im Ausnahmezustand
Das Pariser Strafgericht hat die Zahl seiner täglichen Schnellverfahren von zwei auf vier verdoppelt. Allein in der Hauptstadt wurden bis zum 20. Oktober rund 300 Verdächtige der Staatsanwaltschaft übergeben. Der Saal ist voll mit Journalisten, Angehörigen und Neugierigen. Polizisten führen einen Angeklagten nach dem anderen herein.
Landesweit sind die Zahlen noch größer. Am Donnerstag sprach Justizminister Gérald Darmanin laut Agenturberichten von 2.700 Festnahmen seit dem Wochenende. Mehr als 1.000 Personen hätten bereits vor Gericht gestanden, 217 seien ins Gefängnis gekommen. Die Hälfte davon sei nicht vorbestraft, überwiegend handle es sich um Männer zwischen 18 und 25 Jahren.
Snapchat statt Steinewerfen?
Ein Fall zeigt besonders deutlich, wie viel Großspurigkeit bei den Krawallen im Spiel war. Ryad K., 21 Jahre alt, französischer Staatsbürger, nicht vorbestraft und ausgerechnet im Sicherheitsdienst beschäftigt, kam nach eigener Aussage aus Südfrankreich nach Paris, um „ein paar Sachen abzuholen“.
Die Videos auf seinem Handy zeigen allerdings mehr. Darauf jubelt er, während Männer einen Monoprix-Supermarkt plündern. In einer Aufnahme ruft er: „Wallah, jetzt ist der Louvre dran.“ In einer Nachricht soll er geprahlt haben, die Polizei könne „uns nicht finden – wir sind zu gut organisiert“.
Vor Gericht nannte er alles einen Witz, nur „zum Spaß“ gesagt. Den Schuh habe er zwar in Richtung der Polizei geworfen, aber nicht auf die Beamten gezielt. Und die Sturmhaube sei eigentlich ein Halswärmer gewesen.
Ein Staatsanwalt verliert die Geduld
„Wir waren entsetzt, als wir die Bilder davon sahen, was aus Paris geworden ist. Wir sind die Lachnummer der Welt und die Schande dieses Landes.“
Er forderte 18 Monate Haft, davon zwölf auf Bewährung. Der Verteidiger sprach von einem unreifen jungen Mann, der in diesem Alter noch nicht alle gesellschaftlichen Regeln gelernt habe. Das Gericht verurteilte Ryad K. in erster Instanz zu 100 Tagessätzen à 150 Euro, also 15.000 Euro, und sprach ein zweijähriges Aufenthaltsverbot für Paris aus. Weitere Verfahren betrafen Plünderungen bei Foot Locker, Louis Vuitton und Coach sowie Angriffe auf Polizisten.
Härte auf Bestellung oder zu viel Milde?
Darmanin verlangt „größtmögliche Härte“. Einige Urteile stellten ihn nach eigener Aussage nicht zufrieden, deshalb habe er die Staatsanwälte gebeten, Berufung einzulegen. Strafverteidiger halten dagegen: Im Eiltempo drohten „voreilige Urteile“, bei denen die Tat des Einzelnen untergehe. Der Regierung gehe es nur um Zahlen, sagt ein Anwalt.
Paris steht damit vor einem Dilemma, das auch Deutschland kennt. Sind Strafen zu weich, fühlen sich Randalierer bestätigt. Wird zu schnell geurteilt, leidet der Rechtsstaat.
Macron gegen Trump: Wer sind die Täter?
Die Proteste, unter anderem gegen die steigenden Lebenshaltungskosten, sind inzwischen ein politischer Kampfplatz. Donald Trump schrieb auf Truth Social: „Frankreich brennt!“ Er machte Einwanderung verantwortlich und forderte geschlossene Grenzen. Emmanuel Macron nannte solche Aussagen „inakzeptabel und sogar dumm“. Er sieht die Schuld bei ultralinken Splittergruppen, denen sich viele Kriminelle angeschlossen hätten.
Die Herkunft der Täter ist umstritten. Die US-Ausgabe der Epoch Times berichtet, die von ihr beobachteten Angeklagten hätten ausschließlich Wurzeln in Nord- oder Subsahara-Afrika gehabt. Eine belastbare Gesamtstatistik gibt es dazu bisher nicht.
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Befund trotzdem eindeutig: Wenn Plünderer offen damit prahlen, besser organisiert zu sein als die Polizei, hat die Politik über Jahre versagt. Für den 24. Oktober ist die nächste Protestwelle angekündigt. Ob die Abschreckung wirkt, wird sich dann zeigen.
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