
Kennedys Kehrtwende: US-Regierung öffnet Klinik für Impfgeschädigte

Die USA schlagen bei einem Thema einen neuen Kurs ein, das jahrelang kaum offen besprochen wurde. Auf dem Campus der National Institutes of Health (NIH) in Bethesda im Bundesstaat Maryland hat am 5. Oktober eine Klinik eröffnet, die sich ausschließlich um Menschen mit mutmaßlichen Impfschäden kümmert. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. stellte das Projekt am 8. Oktober zusammen mit drei weiteren Maßnahmen vor.
Die Eröffnung lief übrigens ohne Presse ab, Journalisten waren nicht eingeladen. Das passt zu einem Thema, bei dem man sich lange lieber bedeckt hielt.
Forschung statt Abwimmeln
Laut dem US-Gesundheitsministerium HHS, dem die NIH unterstehen, sollen Ärzte und Forscher in der Klinik Patienten untersuchen, mögliche Ursachen ihrer Beschwerden suchen und herausfinden, welche Behandlungen am besten helfen. Den Anstoß gab die von Kennedy geführte „Make America Healthy Again“-Kommission. Sie hatte 2025 empfohlen, bei den NIH ein eigenes Forschungsprogramm zu Impfschäden aufzubauen, das auf besseren Daten beruht.
NIH-Direktor Dr. Jay Bhattacharya sagte in einer Videobotschaft, die Klinik solle die Wissenschaft der Vorbeugung von Impfschäden voranbringen und Impfstoffe sicherer machen. Vor allem aber wolle man den Betroffenen zuhören und aus ihren Erfahrungen lernen.
Kennedy wurde deutlicher. In seinem Video sagte er, Eltern impfgeschädigter Kinder und andere Betroffene seien an den Rand gedrängt, verunglimpft und nicht ernst genommen worden. Die nötige medizinische Hilfe hätten sie nicht bekommen. In einer offiziellen Mitteilung wird er so zitiert:
„We must listen to patients and families who report vaccine injuries—not dismiss or gaslight them.“
Die Betroffenen fühlten sich lange im Stich gelassen
Wie nötig das ist, zeigt die Vorgeschichte. Während der Corona-Pandemie hatten einzelne NIH-Forscher Patienten mit mutmaßlichen oder bestätigten Schäden durch Covid-19-Impfstoffe untersucht. Berichten zufolge stießen sie dabei auf Widerstand der damaligen NIH-Spitze. Die Patienten berichteten später, man habe sie danach einfach fallen gelassen.
Eine von ihnen ist Brianne Dressen. Sie erlitt nach eigenen Angaben durch den AstraZeneca-Impfstoff gesundheitliche Schäden, wurde 2021 bei den NIH behandelt und gründete später die Betroffenengruppe React19 mit. Sie war bei der Eröffnung dabei. Ihrer Einschätzung nach hätten Gesundheitsbehörden zum ersten Mal seit Jahren den Impfgeschädigten zugehört. Der Schritt gehe eindeutig in die richtige Richtung.
Drei weitere Maßnahmen
Die Klinik ist nur ein Teil des Pakets. Die Behörden kündigten außerdem an:
- Umbau von VAERS: Kennedy hält das staatliche Meldesystem für Impfnebenwirkungen schon lange für mangelhaft. Die Gesundheitsbehörde CDC schrieb im August einen Auftrag zur Überarbeitung aus und vergab ihn am 28. September.
- Pflichtangaben in der elektronischen Patientenakte: Impfbezogene Gesundheitsprobleme sollen künftig dort erfasst werden, damit jeder behandelnde Arzt davon erfährt.
- Bezahlung für Meldungen: Die Behörde CMS, zuständig für Medicare und Medicaid, schlägt vor, Ärzten die Zeit für VAERS-Meldungen zu vergüten.
Der letzte Punkt dürfte praktisch am meisten bewirken. Wer Ärzten zusätzliche Bürokratie ohne Bezahlung aufbürdet, bekommt eben weniger Meldungen.
Und Deutschland?
Kritiker werfen Kennedy seit Langem vor, er schüre Misstrauen gegen Impfungen. Die neuen Maßnahmen setzen allerdings auf mehr Daten, Untersuchungen und Dokumentation, also auf genau das, was Wissenschaft eigentlich verlangt. Nach Ansicht von Beobachtern stärkt das Vertrauen eher, als dass es ihm schadet.
In Deutschland klagen Post-Vac-Betroffene seit Jahren über lange Anerkennungsverfahren und fehlende Anlaufstellen. Washington hat jetzt eine eigene Klinik geschaffen. Da stellt sich die Frage, wie lange Berlin noch abwarten will.
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