
KI-Rausch ohne Gold-Effekt: Warum der Goldpreis trotzdem steigt

Der Hype um künstliche Intelligenz treibt Chipkonzerne auf Rekordbewertungen, aber an der Goldnachfrage der Elektronikindustrie ändert er bisher fast nichts. Das geht aus dem Bericht „AI Boom and Gold“ hervor, den der World Gold Council (WGC) am Donnerstag veröffentlicht hat. 2025 verbrauchte der Technologiesektor rund 323 Tonnen Gold, also praktisch so viel wie im Vorjahr.
Milliarden für Chips, kaum mehr Gold
Die Nachfrage nach KI-Chips ist explodiert. Rechenzentren schießen weltweit aus dem Boden, und die Tech-Riesen investieren Summen, die an die Budgets kleinerer Staaten heranreichen. Trotzdem fließt dadurch kaum zusätzliches Gold in die Fabriken.
Laut WGC gibt es dafür zwei Gründe. Zum einen werden die Bauteile immer kleiner und kommen deshalb mit weniger Material aus. Zum anderen drücken die Hersteller wegen des hohen Goldpreises den Verbrauch, wo sie nur können. Manche Komponenten kommen inzwischen ganz ohne Gold aus. 2024 war die Technologienachfrage noch um 7 Prozent auf 326 Tonnen gestiegen. Der Beitrag der KI blieb aber schon damals bescheiden.
Ein „Tauziehen“ ohne Sieger
Der WGC vergleicht die Lage in der Elektronikbranche mit einem Tauziehen. Auf der einen Seite zieht der KI-Ausbau, auf der anderen ziehen Einsparungen und Miniaturisierung. Nach Einschätzung der Experten sind beide Seiten derzeit etwa gleich stark.
Wer also auf einen schnellen Nachfrageschub aus dem Silicon Valley gehofft hatte, wird vorerst enttäuscht. Doch ist das überhaupt schlimm? Mit Blick auf den Goldpreis lautet die Antwort eindeutig: nein.
Der Preis braucht keine Chips
Am Freitagmorgen kostete die Feinunze Gold 4.270,30 US-Dollar und damit fast 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Preisanstieg kam also ganz ohne Rückenwind aus der KI-Branche zustande. Das zeigt, wo Gold seine eigentliche Stärke hat: als Wertspeicher in unsicheren Zeiten, als Anlage für Notenbanken und als Schutz gegen Geldentwertung.
Zum Vergleich: Die gesamte weltweite Goldnachfrage erreichte 2024 nach WGC-Angaben einen Rekord von fast 5.000 Tonnen. Die Technologie macht davon nur einen kleinen Teil aus. Zwar entfallen rund 80 Prozent des industriellen Goldverbrauchs auf die Elektronikfertigung, der Rest verteilt sich auf andere Industriezweige und die Zahnmedizin. Den Kurs bestimmen aber vor allem Investoren und Zentralbanken.
Der Joker heißt „Co-Packaged Optics“
Langfristig sieht der WGC trotzdem Wachstumspotenzial. Die Hoffnung ruht auf einer Technik mit sperrigem Namen: Co-Packaged Optics, kurz CPO. Dabei werden optische Sende- und Empfangsbauteile direkt mit Rechenchips in einem Gehäuse verbaut. KI-Systeme können so Daten schneller übertragen und mehr Bandbreite nutzen.
Gold ist dabei schwer zu ersetzen. Weil es langlebig ist und Strom hervorragend leitet, steckt es in Lasern und anderen photonischen Bauteilen sowie in Hochfrequenz-Elektroden der Chips. Die Technik steht zwar noch am Anfang. Branchengrößen wie der US-Chipkonzern Nvidia sollen laut WGC aber bereits kräftig in ihre Entwicklung investieren.
Setzt sich CPO in den riesigen Rechenzentren der Hyperscaler durch, könnte daraus eine spürbare neue Nachfrage nach Gold entstehen. Ob und wann das passiert, ist allerdings offen.
Fazit: Gold hat den Tech-Hype nicht nötig
An den Aktienmärkten lässt die KI-Euphorie die Bewertungen einzelner Tech-Konzerne in schwindelerregende Höhen steigen. Kritische Beobachter fühlen sich dabei an frühere Blasen erinnert. Gold dagegen legt ganz ohne diesen Hype kräftig zu. Wer sein Vermögen langfristig absichern will, kann physische Edelmetalle als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Sollte die KI-Branche irgendwann doch mehr Gold brauchen, wäre das ein zusätzlicher Pluspunkt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Er stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Edelmetallen oder anderen Anlageprodukten dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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