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24.07.2026
14:55 Uhr

Klopp soll retten, was Nagelsmann verspielt hat – doch das eigentliche Problem sitzt tiefer

Klopp soll retten, was Nagelsmann verspielt hat – doch das eigentliche Problem sitzt tiefer

Es ist so weit: Jürgen Klopp übernimmt die deutsche Nationalmannschaft. Nach dem nächsten blamablen WM-Aus soll ausgerechnet der wohl beliebteste Deutsche jenseits der Politik richten, was seine Vorgänger konsequent verspielt haben. Der 59-Jährige, der zuletzt als Fußball-Globalstratege bei einem österreichischen Brausekonzern angeheuert hatte, soll nun eine Elf zusammenführen, die längst mehr Scherbenhaufen als Vorzeigeteam ist. Vertrag bis 2030, inklusive Heim-EM 2028 und WM 2030. Die Erwartungen? Gigantisch. Die Ausgangslage? Ernüchternd.

Das verlorene Vertrauen der Fans

Der Deutsche Fußball-Bund steht nicht nur sportlich vor einem Neuanfang. Er steht vor einem Scherbengericht. Die Fans, jahrzehntelang treue Begleiter der Nationalelf, haben sich abgewandt. Und wer will es ihnen verdenken? Wo einst das Sommermärchen 2006 ein ganzes Land vereinte, herrscht heute Gleichgültigkeit, teils sogar offene Ablehnung. Klopps erste und wichtigste Aufgabe beginnt daher nicht auf dem grünen Rasen, sondern in den Herzen der Menschen.

Zurück zum Leistungsprinzip

Sein Vorgänger Julian Nagelsmann klammerte sich an Lieblinge, deren Formkurve längst steil nach unten zeigte. Leon Goretzka, beim FC Bayern nur noch Statist. Leroy Sané, bei Galatasaray Istanbul allenfalls Durchschnittskost der türkischen Liga. Und dennoch: beide im WM-Kader, Sané gar als Stammkraft. Man reibt sich die Augen. Während gestandene Vereinsleistung offenbar keine Rolle spielte, blieb ein 18-jähriges Talent wie Lennart Karl verletzungsbedingt außen vor – und wäre womöglich das belebende Element gewesen, das dem müden deutschen Spiel gutgetan hätte.

Wer gute Leistung zeigt, muss eine Chance bekommen. Wer seinen Platz verliert, muss verstehen, warum. Alles andere ist Vetternwirtschaft im Trikot.

Unter Klopp, so die Hoffnung, kehre das Leistungsprinzip zurück. Ein Prinzip, das in vielen Bereichen dieses Landes leider zur Randnotiz verkommen ist. Schon der erste Kader gegen die Niederlande im September dürfte zeigen, ob es bloß bei warmen Worten bleibt oder tatsächlich Taten folgen.

Der Menschenfänger und die Kommunikation

Nagelsmanns Führungsstil sorgte für Kopfschütteln. WhatsApp-Sprachnachrichten statt persönlicher Gespräche, öffentliche Kritik an einzelnen Spielern, während Kapitän Joshua Kimmich offenbar die Einzelgespräche mit den Kollegen führen musste. So formt man keine Einheit, so züchtet man Frust. Klopp hingegen gilt als Meister der Menschenführung. Seine Erfolge in Dortmund und Liverpool fußten nicht allein auf Taktiktafeln, sondern auf Zusammenhalt. Auf Spielern, die füreinander durchs Feuer gingen.

Souveränität statt Trotz

Ein Bundestrainer ist immer auch eine öffentliche Figur. Er muss Niederlagen erklären, Hoffnung säen und ein ganzes Land mitnehmen. Nagelsmann wirkte auf Kritik oft gereizt, verwandelte Pressekonferenzen in Verteidigungsschlachten. Klopp bringt Erfahrung und – man muss es so deutlich sagen – eine Beliebtheit mit, von der jeder Berufspolitiker in diesem Land nur träumen könnte. Ob sein Ausflug in die Getränkeindustrie das Image trübt, wird sich zeigen.

Endlich Mut zum Nachwuchs

Talente wie Said El Mala oder Nicolo Tresoldi glänzten in der U21, blieben aber ungenutzt. Andere – Angelo Stiller, Malick Thiaw, Deniz Undav – mussten quälend lange warten. Dass Klopp als Verfechter einer starken Nachwuchsarbeit gilt und sich für die neue U21-Liga starkmachte, weckt Hoffnung. Denn wer die Jugend vergisst, verspielt die Zukunft – im Fußball wie im Land.

Am Ende wird auch Klopp an Ergebnissen gemessen. Doch seine wichtigste Aufgabe ist eine andere: Fußballdeutschland wieder Freude zu schenken. Ob das gelingt? Man darf gespannt sein.

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