
Kontrollverlust in Frankreich: Plünderer, Schulden, ein Staat am Limit

Frankreich erlebt die schwersten Unruhen seit Jahren. Am Wochenende plünderten Randalierer in Paris und weiteren Großstädten mehr als 3.000 Geschäfte, Autos und Gebäude gingen in Flammen auf. Innenminister Laurent Nuñez räumte offen ein, die Polizei habe in einigen Städten die Kontrolle verloren.
Vom Schulprotest zur Gewaltorgie
Angefangen hatte alles vergleichsweise harmlos. Im September protestierten Schüler in den Arbeitervororten im Norden von Paris gegen Lehrermangel und marode Schulgebäude. Daraus wuchs eine landesweite Bewegung gegen hohe Lebenshaltungskosten, Gewerkschaften und Protestgruppen schlossen sich an.
Dann eskalierte die Lage. Medienberichten zufolge sollen vor allem Linksradikale und Jugendliche aus den Vorstädten die friedlichen Demonstrationen gekapert haben. Vermummte zogen nachts durch die Einkaufsstraßen rund um Les Halles und die Rue de Rivoli. Eine Anwohnerin sagte britischen Medien, das Ganze wirke wie zwei parallele Welten: Spaziergänger auf dem Heimweg, daneben Teenager mit Diebesgut unter dem Arm.
Bilanz eines Wochenendes
Was die Behörden bisher an Zahlen nennen, ist erschreckend:
- mehr als 2.500 Festnahmen, 149 Personen in Untersuchungshaft
- rund 1.000 verletzte Polizisten
- 60.000 Einsatzkräfte allein am Wochenende mobilisiert
- Ausgangssperren in Teilen von Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux, Nizza und Lille
Macrons Fernsehansprache, es sei „unerträglich“, die Straßen verwüstet zu sehen, verpuffte. Noch in derselben Nacht wurde wieder geplündert. Den Rücktritt von Nuñez lehnte der Präsident ab. Und die ersten Eilurteile? Viele Angeklagte kommen laut Berichten mit Bewährungsstrafen davon. Ob ein Staat so abschreckt, darf man bezweifeln.
Der Brandbeschleuniger heißt Staatsschulden
Der eigentliche Sprengstoff liegt allerdings in den Staatsfinanzen. Frankreichs Haushaltsdefizit soll in diesem Jahr bei 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen und gehört damit zu den höchsten der Eurozone. Die Minderheitsregierung unter Premier Sébastien Lecornu kämpft im zersplitterten Parlament um Einsparungen und muss jederzeit mit ihrem Sturz rechnen.
Für teure Zugeständnisse an die Demonstranten fehlt schlicht das Geld. Die Märkte haben das längst eingepreist: Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen kletterte zeitweise auf 4,96 Prozent und liegt Berichten zufolge nahe einem 24-Jahres-Hoch. Ein Land, das sich jahrzehntelang Wohlstand auf Pump geleistet hat, bekommt jetzt die Rechnung präsentiert, und zwar auf der Straße wie an der Börse.
Politisches Beben vor der Wahl 2027
Macron tritt im kommenden Jahr ab und wirkt geschwächter denn je. Profitieren dürfte nach Einschätzung von Beobachtern vor allem Marine Le Pen, die in Umfragen ohnehin vorne liegt. Ein früherer Abgeordneter aus Macrons Lager sagte, sie habe nun nicht nur freie Bahn, sondern eine „sechsspurige Autobahn“. Auch US-Präsident Trump schaltete sich ein. Er gab Macrons Einwanderungspolitik eine Mitschuld und will ihm schon früh geraten haben, die Grenzen zu schließen.
Eine Warnung, die auch Berlin gilt
Gewerkschaften haben für den 5. November zu Streiks aufgerufen, und Proteste gibt es auch in Italien, Spanien und Portugal. Deutschland sollte sich deshalb nicht in Sicherheit wiegen. Auch hierzulande steigen die Schulden, Stichwort 500-Milliarden-Sondervermögen. Auch hier klagen Bürger über schlechte Schulen und eine angespannte Sicherheitslage. Frankreich zeigt gerade, was passiert, wenn ein überschuldeter Staat das Vertrauen seiner Bürger und die Kontrolle über seine Straßen verliert.
Wer sein Vermögen vor solchen Erschütterungen schützen will, sollte über eine breite Streuung nachdenken. Physisches Gold und Silber hängen nicht vom Zahlungsversprechen eines Staates ab und können deshalb als Beimischung zur Vermögenssicherung sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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