
Krisen-Landrat verteidigt 500-PS-Boliden: Wenn der Weltuntergang als Ausrede für Luxus herhalten muss
Ein SPD-Landrat aus Mecklenburg-Vorpommern sorgt derzeit für hitzige Debatten, die weit über die Grenzen seines Landkreises hinausreichen. Stefan Sternberg, Landrat von Ludwigslust-Parchim und zugleich Vize-Landeschef der SPD, rechtfertigt seinen üppig motorisierten Hybrid-Dienstwagen mit einem Argument, das selbst hartgesottene Politikbeobachter staunen lässt: dem drohenden Kriegsfall.
Fast 500 PS für den Ernstfall
Der BMW des Landrats bringt es auf stolze 489 PS Systemleistung und ein Leergewicht von nahezu 2,5 Tonnen. Damit führt Sternberg die Liste der schwersten und stärksten Dienstwagen unter den mecklenburg-vorpommerischen Landräten unangefochten an. Doch während andere Politiker zunehmend auf Elektrofahrzeuge umsteigen, hält der SPD-Mann an seinem Hybrid fest – und begründet dies mit seiner Rolle als oberster Krisenmanager des Landkreises.
In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Kreistag erklärte Sternberg, dass Verwaltungshandeln stets „aus der Sicht der größten anzunehmenden Katastrophe" gedacht werden müsse. Bei einem langanhaltenden Stromausfall, einem sogenannten Blackout, oder gar einem Verteidigungsfall seien Elektrofahrzeuge schlicht nicht einsatzfähig. Öffentliche Ladesäulen würden ausfallen, Strom könne nur noch über Dieselaggregate erzeugt werden. Ein Hybrid mit Verbrennungsmotor biete hier deutlich mehr Resilienz.
Grüne und Umweltverbände laufen Sturm
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Constanze Oehlrich, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, bezeichnete die Rechtfertigung als „absurde Ausrede" für eine „klimapolitisch rückwärtsgewandte Luxusentscheidung". Die Deutsche Umwelthilfe sprach gar von der „bislang absurdesten Begründung" für einen klimaschädlichen Dienstwagen und verwies darauf, dass Elektroautos als mobile Stromspeicher bei Blackouts dienen könnten.
Doch genau hier liegt der Haken, den die Kritiker geflissentlich übersehen: Woher soll der Strom für diese Batterien kommen, wenn das gesamte Netz tagelang zusammenbricht? Eine Frage, die in der ideologisch aufgeladenen Debatte um die Verkehrswende allzu oft unter den Tisch fällt.
Unerwartete Schützenhilfe von der CDU
Überraschend springt nun ausgerechnet die Opposition dem SPD-Landrat zur Seite. Wolfgang Waldmüller, CDU-Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender vor Ort, forderte von den Kritikern „mehr Realitätssinn". Nicht jede Entscheidung könne auf der Annahme einer perfekten Welt basieren. Die Grünen und die DUH sollten überdenken, „wie realistisch ihre E-Auto-Philosophie in der Welt der unvorhersehbaren Ereignisse" tatsächlich sei.
Die AfD hingegen nutzte die Gelegenheit, um Sternbergs Krisenlogik als unglaubwürdig zu entlarven. Ihr parlamentarischer Geschäftsführer Thore Stein kritisierte die Aussage als „bizarr". Wer im Verteidigungsfall die Einsatzführung „von seiner Luxuslimousine aus" leiten wolle, dem mangele es an Ernsthaftigkeit.
E-Auto-Quote: Bund voraus, Länder hinken hinterher
Der Fall Sternberg wirft ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Standards bei Dienstwagen in Deutschland. Während in den Bundesministerien mittlerweile 57 Prozent der Fahrzeuge rein batterieelektrisch unterwegs sind, liegt die Quote auf Landesebene bei mageren 29 Prozent. Die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und gelebter Praxis könnte kaum größer sein.
Ob Sternbergs Argumentation nun pragmatischer Realismus oder schlicht eine bequeme Ausrede für persönliche Vorlieben ist, bleibt letztlich eine Frage des Standpunkts. Fest steht jedoch: In Zeiten, in denen die Bürger zu Verzicht und Klimabewusstsein ermahnt werden, wirkt ein 500-PS-Dienstwagen – gleich welcher Antriebsart – wie ein Symbol für die wachsende Kluft zwischen politischer Klasse und Normalbevölkerung.
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